Projekt Restwert versteigert Ihren Estrich

Das Beschäftigungsprogramm hilft beim Loswerden des alten Handys oder der nicht mehr gebrauchten Golfsets.

Jocelyn Daloz
Drucken
Teilen
Isabelle Gutzwiller im Lagerraum des Projektes Restwert.

Isabelle Gutzwiller im Lagerraum des Projektes Restwert.

Bild: Patrick Lüthy (17.4.2020)

Wer sich in Zeiten des Lockdowns in den eigenen vier Wänden eingeengt fühlt, wer den Anblick des ganzen Grümpels von seinem Homeoffice-Arbeitsplatz aus nicht mehr erträgt oder wer vor Kurzarbeit-Langeweile Marie Kondos Bücher auswendig kennt, den packt vielleicht die Lust nach Entrümpeln und mal nach gründlichem Aussortieren. Dabei hilft das Projekt Restwert, ein Sozialprojekt für junge Erwachsene, das seit zwei Jahren vom Sozialunternehmen Waldluft in Wangen bei Olten betrieben wird.

Gebrauchten Gegenständen ein neues Leben geben

Es bietet an, das alte iPhone oder die nicht mehr gebrauchte Fotokamera, die man gerne loswerden will, auf ricardo.ch wiederzuverkaufen.

Dabei erhalten die Kunden 70 Prozent des Verkaufspreises, wobei sie auch die Gesamtsumme dem Projekt Restwert überlassen können. Die 30 Prozent Provision machen ohnehin bloss ein Teil der Ausgaben aus – Ricardo-Inserate oder Verpackungs­material etwa. «Wir erwirtschaften unseren Haupt­umsatz über den kantonalen Integrationsauftrag und nicht über den Wiederverkauf der Gegenstände», erklärt Isabelle Gutzwiller von Waldluft. «In unseren Integrationsplätzen erhalten aber bis zu 12 junge Menschen mit Integrationspotenzial die Möglichkeit, sich einer sinnvollen Beschäftigung zu widmen und wertvolle Erfahrung zu sammeln, bevor sie den Wiedereinstieg in die erste Arbeitswelt schaffen.» Die Beschäftigungsplätze werden dabei durch die Sozialversicherungen ermöglicht. In der Regel arbeiten die Beschäftigten für mehrere Wochen bis Monate im Integrationsbetrieb. «Die Platzierungsdauer und Zielsetzungen werden immer wieder mit den Behörden ausgehandelt» sagt Isabelle Gutz­willer.

Beim Projekt Restwert lernen die beschäftigten jungen Menschen, auch Kundenkontakt zu pflegen und Beratung zu leisten: Durch die Erfahrung der Versteigerungen auf Ricardo können sie abschätzen, für wie viel die gebrauchte Nähmaschine oder die ungetragenen­Nike-Schuhen weiterverkauft werden können. Sie können dies auch anhand von Recherchen begründen. Am besten kommen gut erhaltene Markenkleider, elektronische Geräte oder Sportartikel weg. Nicht angenommen werden jedoch Artikel wie Möbel, CDs, DVDs oder Bücher. «Für Möbel haben wir schlicht keine Lagerkapazität», sagt Isabelle Gutzwiller. Das Projekt läuft auch trotz des Coronavirus weiter. Die Gegenstände können nach wie vor in den Lagerräumen an der Dorfstrasse 21 beim Frey-Areal hinter dem Bahnhof Wangen bei Olten einem reduzierten Team abgegeben werden. Termine können online auf der Website vereinbart werden. Vor Ort erfüllt das Team die Aufgaben, die nicht im Homeoffice erledigt werden können, nämlich das Fotografieren der Objekte, ihre Lagerung und ihren Versand. Der Rest des Teams arbeitet aus dem Homeoffice.

Weitere Projekte in Winterthur, Aarau, Basel

Was ursprünglich in Trimbach vor zwei Jahren klein angefangen hat, multipliziert sich seit letztem Sommer in der weiteren Deutschschweiz. Sozialinstitutionen im Raum Zürich, Bern, Aarau und Basel haben das Projektkonzept RestWert übernommen.

Aktuelle Nachrichten