Olten
Prekäre Lage in Stadtarchiv und Museum: Die historischen Güter sind in Gefahr

Die Lage im Oltner Stadtarchiv und Historischen Museum ist beunruhigend bis prekär, wie Antworten auf einen Vorstoss an den Tag bringen: Der Stellenetat im Archiv ist sehr tief angesetzt und es besteht Nachholbedarf in der Katalogisierung der historischen Sammlung des Museums.

Géraldine Steiner
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Rund 80'000 Objekte finden sich im Fundus des Historischen Museums Olten. Wegen geringem Stellenetat gibt es Defizite bei der Sammlungspflege.

Rund 80'000 Objekte finden sich im Fundus des Historischen Museums Olten. Wegen geringem Stellenetat gibt es Defizite bei der Sammlungspflege.

Bruno Kissling/Archiv

Luc Nünlist von der SP will in einem Vorstoss erfahren, ob die Ressourcen für Pflege und Archivierung der Sammlungen im Historischen Museum und im Stadtarchiv ausreichend sind. Eine dauerhafte Aufbewahrung von historischen Daten sei die Voraussetzung für geschichtswissenschaftliche Auseinandersetzungen sowie ein Anliegen der breiten Öffentlichkeit. Ausgelöst wurde der Vorstoss durch Angaben im Verwaltungsbericht der Stadt Olten: In diesem wurde ausgewiesen, dass der Stellenetat im Archiv sehr tief angesetzt ist und ein Nachholbedarf in der Katalogisierung der historischen Sammlung im Museum besteht.

Gut 1000 Stunden Arbeitsaufwand warten

In der Antwort verweist Stadtpräsident Martin Wey im Namen des Stadtrats auf die bereits bestehenden Abklärungsergebnisse der beiden Institutionen, die aufgrund des Vorstosses nun aufgearbeitet wurden. Das Stadtarchiv kennt zwei Abteilungen: Die erste ist das Gemeindearchiv, das aus gesetzlichen Gründen Vorrang in der Bearbeitung hat; die Bestände des Gemeindearchivs sind gemäss stadträtlicher Antwort vollständig erschlossen und recherchierbar. Allerdings wurden ältere Ablieferungen noch nicht für die langfristige Archivierung aufbereitet. Dies sei auch nicht dringend, weshalb diese Arbeiten neben dem laufenden Betrieb ausgeführt würden, so der Stadtpräsident weiter. Die Gefahr von Gedächtnislücken bestehe hier nicht. Die konservatorische Arbeit in diesem Bereich soll in fünf Jahren beendet sein.

Die zweite Abteilung besteht aus Sammelbeständen von Privat-, Vereins- und Firmenarchiven. Diese Sammelbestände, ein erheblicher Teil des historischen Gedächtnisses der Stadt Olten, wurden früher teils übernommen und archiviert, aber noch nicht konservatorisch aufbereitet. Neue Ablieferungen von Privat- und Vereinsarchiven sollen soweit möglich von dem Einlieferer selbst bearbeitet werden. Diese Praxis aber kann bei Nachlässen oder aufgelösten Vereinen nicht umgesetzt werden. Üblicherweise werden diese Bestände von Praktikanten übernommen. Seit 2017 wurde jedoch kein Praktikant mehr angestellt, wodurch sich ein immer grösserer Bearbeitungsrückstand ergab. Gemäss Stadtrat sollen nun zuerst die unbearbeiteten Ablieferungen mit einem geschätzten Arbeitsaufwand von 250 Stunden nachgeholt werden. Danach soll die rechtmässige konservatorische Nachbearbeitung bereits archivierter Unterlagen und die Nacherschliessungen von 46 Beständen folgen. Geschätzter Arbeitsaufwand: 800 Stunden. «Ein Teil dieser Arbeiten kann nur durch qualifiziertes Personal ausgeführt werden», so Wey in seiner Antwort weiter. Ansonsten könne es zu erheblichem Verlust am historischen Gedächtnis kommen.

Rund 80'000 Objekte im Fundus

Der Sammlungsumfang im Historischen Museum (HMO) beläuft sich auf etwa 80'000 Objekte und rund eine Million Fotografien. Aus Kapazitätsgründen verzichtet das Museum auf die aktive Suche nach interessanten Schenkungen und Nachlässen. Trotzdem erhält das HMO momentan viele Anfragen, da die Haushalte der Zwischenkriegsgeneration aufgelöst werden. Die Bevölkerung werde durch Geschichtswerkstatt und Vermittlungsaktivitäten aber für Wert und Erhalt von Kulturgut sensibilisiert, sodass Schenkungen der Vernichtung eher vorgezogen würden, wie der stadträtlichen Antwort zu entnehmen ist.

In den Jahren 2010 bis 2019 wurden verschiedene Teilsammlungen inventarisiert. Vor Abschluss dieser Arbeiten ist allerdings eine Durchsicht durch Fachleute notwendig. Dazu kommt, dass 70 bis 80 Prozent der Bestände nicht nach geltenden Standards dokumentiert sind. Das HMO-Team versuche diese Altbestände nun nach und nach zu bearbeiten. Aufgrund fehlender Ressourcen könne die Durchsicht durch Fachpersonal auch nicht zeitnah erfolgen. Die finanzielle Situation der Stadt Olten dürfte sich, so Wey, aufgrund der Steuerentlastung für juristische und natürliche Personen aber weiter verschlechtern. Mit der Aufstockung des Stellenetats ist nicht zu rechnen.