Oltner Kabarett-Tage
Übergabe in der Schützi: Das «Cornichon 21» geht an Andreas Rebers

Die Gesellschaft Oltner Kabarett-Tage hat vor 50 Gästen in der Schützi den Schweizer Kabarett-Preis Cornichon überreicht.

Urs Huber
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Alex Summermatter, Andreas Rebers, Matthias Deutschmann und Rainer von Arx (v. l.) bei der Preisverleihung.

Alex Summermatter, Andreas Rebers, Matthias Deutschmann und Rainer von Arx (v. l.) bei der Preisverleihung.

Dieter Graf

Vielleicht hat man ihn missverstanden an der Verleihung des Schweizer Kabarett-Preises Cornichon 2021 am Mittwochabend in der Schützi Olten. Er sagte nämlich, seinerzeit habe sich der Humor von Deutschland aus aufgemacht, die Welt zu erobern und sei dann nie mehr zurückgekehrt. Andreas Rebers, Preisträger des «Cornichon 2021», ist Deutscher – und hat Humor. Auch jenen der – sagen wir – doch ätzenden Sorte.

Einer, der mehr ein staunendes Sinnieren hinterlässt ob all der schnellen Szenenwechsel, der geistreichen Berg- und Talfahrten durch die Windungen menschlicher Existenz, den überraschenden Verknüpfungen von Wahrheiten, die bei Lichte betrachtet doch real und weniger nur der Bühnenpräsenz dienen. Wenn in zugespitzten Zeiten wie der jetzigen «selbst die Rosen ihre Dornen schärfen», wie Rebers in der Schützi so treffend metapherte, dann hilft vielleicht sowieso nur noch – Humor und wie im Falle Rebers – die technisch reife Handhabung von Akkordeon und Keyboard.

Keine Wand zu dick, kein Loch zu tief

Das ziemt sich auch für einen, der als politischer Kabarettist gefeiert wird, dem keine Wand zu dick und kein Loch zu tief ist, um zumindest sprachlich nicht überwunden zu werden. Obwohl: Da schwingt auch literarisches Kabarett mit, ein Genre, das wenigstens jene in der aktuellen Szene eine bisschen vermissen werden, die sich noch an Hanns Dieter Hüsch erinnern mögen, jenen so frei assoziierenden Kabarettisten.

Als Beispiel dafür mag hier Rebers Antwort auf die Bemerkung deutscher Offizieller herhalten, wonach nur mit gesundem Menschenverstand in Deutschland der Krieg gegen das Coronavirus zu gewinnen sei. Rebers: «Diesbezüglich sind wir ganz schlecht bewaffnet.»

Andreas Rebers mit der enthüllten Erinnerungstafel am Quai Cornichon.

Andreas Rebers mit der enthüllten Erinnerungstafel am Quai Cornichon.

Bruno Kissling

Den Vergleich mit Hüsch, der vor 29 Jahren ebenfalls Cornichon-Preisträger war: Mag Rebers den? «Ja, ich find’ den absolut passend», so der jüngste Preisträger bei der Enthüllung der Gewinnertafel am Quai Cornichon, gut 12 Stunden nach der Preisverleihung. Also doch auch einer, der ans literarische Kabarett glaubt.

Trotz allem: schöne Preisverleihung

Es war, man traut es sich in diesen Zeiten kaum zu sagen, eine stimmungsvolle Preisverleihung. Fast schon familiär, die 50-köpfige Gesellschaft, die sich in ordentlicher Distanz zueinander den Rebers anhörte. Nach sechsmonatiger Bühnenabstinenz spielte der erstmals wieder vor Publikum. Und zwar Elemente aus seinem Programm «Ich helfe gern». Und siehe da: Er war nicht etwa aus dem Tritt geraten, aber je länger der Abend, desto stärker seine Präsenz, die Dichte seiner Gedanken, die Selbstverständlichkeit seines Wirkens.

Die Laudatio für den Preisträger hielt Matthias Deutschmann, ein Berufsgenosse Rebers. Dessen musikalisches Markenzeichen: das Cellospiel. Am Mittwochabend blieb’s allerdings ausschliesslich bei lobenden Worten und der finalen Erkenntnis des Lebens: «Es kommt immer anders, wenn man denkt.»

Eine sehr gute Wahl getroffen

Sie können mehr als zufrieden sein mit ihrem aktuellen Preisträger, Alex Summermatter als Gesamtleiter und Rainer von Arx als künstlerischer Leiter der Kabarett-Tage.

Das totale Ignorieren von Mainstream-Kabarett mache Rebers zu einem unverwechselbaren Satiriker, hatte die Gesellschaft dessen Vorzüge beschrieben. «Dafür zeichnen die Oltner Kabarett-Tage diesen Künstler mit dem Schweizer Kabarett-Preis Cornichon 2021 aus.»

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