Olten
Prachtsstrasse wird zum Nadelöhr: 6 Fragen rund um die Sanierung des Bahnhofsquais

Die Umgestaltung und Sanierung des Oltner Bahnhofquais steht bevor. Die Realisierung des Bauvorhabens startet am 5.Oktober, dauert 15 Monate und hat Einschränkungen für den Verkehr durch Olten zur Folge.

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Die Umgestaltung und Sanierung Aarburgerstrasse – Bahnhofquai steht bevor.

Die Umgestaltung und Sanierung Aarburgerstrasse – Bahnhofquai steht bevor.

zVg

Operieren mit Einbahnverkehr

Falls der via Ziegelfeld- und Solothurnerstrasse umgeleitete Verkehr sich einen kürzeren Weg durch die Oltner Innenstadt zum Knoten Rötzmatt suchen würde, haben die Verkehrsplaner zusammen mit der Stadt Olten vorgesorgt. «Es ist durchaus denkbar, dass es so weit kommen könnte», meint Stadtschreiber Markus Dietler. Abgesehen davon, dass der Fluchtverkehr durch die Innenstadt dort doch wesentliche Unruhe bringen würde und alles andere als begegnungszonenkonform wäre, befürchten die Verkehrsplaner auch eine Überlastung des Knotens aus Richtung Schützenmatte. «Allenfalls würde dadurch der Verkehrsabfluss aus der Innenstadt via Knoten stocken oder sogar ganz zum Erliegen kommen», so Dietler.
Das monatliche Monitoring während der 14-monatigen Bauzeit am Bahnhofquai hilft, auf Verkehrsaufkommen und -flüsse situativ reagieren zu können. «Wenn wir eine solch negative Entwicklung im Fluchtverkehr feststellen müssen, haben wir immer noch die Möglichkeit, etwa die Leberngasse als Einbahnstrasse auszuschildern, durch die der Verkehr dann nur aus südlicher Richtung fliessen kann», erklärt der Stadtschreiber. Damit jedenfalls wäre einem Fluchtverkehr fürs Erste ein Riegel geschoben. (hub)

Man kann ihn als Prachtsstrasse bezeichnen, den Oltner Bahnhofquai: Nicht besonders schön, aber viel genutzt: 25'000 Fahrzeuge verkehren dort täglich, wohl einer der meist frequentierten Abschnitte auf dem städtischen Strassennetz. Und genau dort beginnen am 5. Oktober umfangreiche Bauarbeiten: Die Sanierung der Strasse an sich, verbunden mit der Erstellung einer neuen Stützmauer hin zum Ländiweg. Insgesamt werden die Bauarbeiten bis Ende 2021 dauern.

Der Deckbelag wird im Jahr 2022 aufgetragen, wie der Gesamtprojektleiter Daniel Zimmermann am Donnerstag an der Pressekonferenz erklärte. Das im Oktober beginnende Vorhaben ist Teil des Projektes Umgestaltung und Sanierung Aarburgerstrasse – Bahnhofquai und mit 3,8 Mio. Franken veranschlagt.

Hier werden die Bauarbeiten erfolgen.    

Hier werden die Bauarbeiten erfolgen.    

Bruno Kissling

1. Was geschieht denn jetzt konkret am Bahnhofquai?

Entstehen werden in diesen gut 14 Monaten ein neues, sicheres Stützbauwerk zur Aare hin, eine stadträumliche Aufwertung mit Gestaltungsmassnahmen: Baumallee samt Sitzbänken und Beleuchtung sorgen für mehr Atmosphäre am Gehweg West und die einheitliche Gestaltung wirkt angepasst für die Zufahrtsachse zum neuen Bahnhofplatz. Zudem komplettiert ein neuer lichtsignalgeregelter Anschluss der Swisscomgasse das Setting. Auch entsteht auf der Westseite des Bahnhofquais ein Radstreifen. Ebenfalls werden die Werkleitungen angepasst.

2. Warum wird überhaupt eine Fahrspur gesperrt?

Die Arbeiten für die aareseitig gelegene neue Stützmauer zwingen die Planer dazu, eine Fahrspur Richtung Postplatz zu sperren, weil der Raum etwa als Einsatzplatzform für Baumaschinen genutzt werden muss. «Die Baustelle aareseitig zu bedienen, war aus mehreren Gründen nicht möglich», so Rolf Ackermann. Der Projektleiter «Ingenieure Postplatz» führte dafür unter anderem auch finanzielle Gründe an. Während der gesamten Bauzeit bleibt demnach der Ländiweg gesperrt. «Aus Sicherheitsgründen», wie Ackermann festhielt.

3. Wie sieht das neue Verkehrsregime aus?

Der Wegfall einer Fahrspur auf dem Bahnhofquai macht ein neues Verkehrsregime notwendig. «Es gab mehrere Varianten zu prüfen», so Verkehrsplaner André Zerbin. Die Variante, mit welcher der Privatverkehr vom Bahnhofplatz her Richtung Dulliken/Aarau nach wie vor auf der üblichen Route verkehren kann, wurde schliesslich bevorzugt. Ganz im bisherigen Sinn, also in allen Richtungen, zirkuliert dagegen der öffentliche Verkehr. Ebenfalls offen bleibt die Baustelle für Radfahrer und Fussgänger: Für Radfahrer werden aber alternative Routen ausgeschildert.

4. Wie kommt man jetzt nach Aarburg?

Jener motorisierte Individualverkehr, der sich über den Bahnhofquai Richtung Aarburg bewegen will, wird umgeleitet. Die Umleitung erfolgt über Citykreuzung via Ziegelfeld- und Solothurnerstrasse hin zur Usego-Spange und von dort auf die Umfahrungsstrasse, welche dann via Sälikreisel Richtung Aarburg führt.

zvg

«Diese Umleitung ist rund 2,3 km länger als der direkte Weg», so Zerbin. Und auch grosszügig signalisiert. Gut 30 Umleitungsmarkierungen sind angebracht. Im Übrigen kann die Stadt auch grossräumig umfahren und der Knoten Citykreuzung von jenen entlastet werden, die bereits in Trimbach den Weg ins Niederamt suchen.

5. Wie steht’s mit der Gefahr Fluchtverkehr?

Gemäss Pascal Humbert von Kontextplan wird das Säliquartier, üblicherweise von Fluchtverkehr geplagt, durch die Umleitung nicht tangiert. «Die Baustelle bedingt keinen Mehrverkehr für das fragliche Quartier.» Sollte sich die Situation wider Erwarten anders präsentieren, so sorgt ein monatlich abgehaltenes Monitoring für allfällige Massnahmen. Entsprechende Vorkehrungen ins Auge gefasst hat man allerdings für die Oltner Innenstadt (siehe Kasten rechts).

6. Warum entsteht am Ländiweg mehr Aufenthaltsqualität?

Die neue Stützmauer ermöglicht, den Ländiweg breiter und auch aufenthaltsfreundlich zu machen. So entstehen neue Gestaltungsmöglichkeiten, welchen das Gemeindeparlament in seiner Junisitzung bereits zugestimmt und den dafür notwendigen Kredit über rund drei Mio. Franken gesprochen hat.