«Die portugiesische Nationalmannschaft zu unterstützen, ist schon fast Pflicht», meint Renato Perreira Pino. Der 25-Jährige lebt in Olten, hat den portugiesischen Pass – und ist Fussball-Fan. So wie ein Grossteil seiner Landsleute auch: «Wenn die Portugiesen spielen, schauen sich alle das Spiel an, egal, ob jung oder alt, egal, ob fussballinteressiert oder nicht.»

Kein Druck für Portugiesen

«Die Motivation macht morgen den Unterschied», ist sich Renato Perreira Pinto sicher. Die portugiesische Fussballnationalmannschaft stand zuletzt 2004 an der Europameisterschaft im eigenen Land in einem Endspiel. Den Titel gewonnen haben sie aber noch nie. Deshalb müsse man die Chance packen, wenn sie denn schon wieder einmal da ist, meint Pinto, der das Spiel zusammen mit Freunden im Public Viewing in der Oltner Schützi mitverfolgen wird. Obwohl das Trauma, die Niederlage gegen Underdog Griechenland, noch in den Köpfen der Spieler umhergeistere, spreche mehr für als gegen Portugals Nationalelf: Wie zum Beispiel die Tatsache, dass auf ihr nicht der gleiche Druck laste, wie auf Gastgeber Frankreich. Auf der anderen Seite sei Portugal ein grosses Fussball-Land und dementsprechend werde auch viel von den Portugiesen erwartet, meint Pinto. Vor allem deshalb, weil sie im bisherigen Turnierverlauf nicht vollends zu überzeugen wussten.

Ein weiterer Vorteil sieht Pinto im mentalen Bereich: «Portugal zählte vor der EM nicht zum engeren Favoritenkreis und stand im Schatten von anderen Nationen, daraus sind sie nun herausgetreten.» Eines ist klar: «Einfach wird es nicht. Aber Frankreich als Final-Gegner ist mir lieber als Deutschland», stellt Pinto klar und ergänzt: «Cristiano Ronaldo kann den Unterschied ausmachen, aber die Spieler müssen als Team, als Einheit auftreten.» Perreira Pinto tippt auf ein 2:1-Sieg für Portugal. Die beiden Tore für Portugal werden Cristiano Ronaldo und Ricardo Quaresma, jenes für Frankreich Antoine Griezmann schiessen.

Druck als Heimvorteil

Naturgemäss ganz anders sieht dies Manuel Koch aus Gunzgen. Der 36-Jährige ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, hat eine französische Mutter und schwärmt für «les Bleus». «Ich freue mich, dass Frankreich im Final steht. Es ist mal eine andere Mannschaft.» Er sieht der entscheidende Unterschied, dass Frankreich das Finalspiel morgen Sonntag gewinnen wird, in der Besetzung der Torhüterposition: «Frankreich hat mit Hugo Lloris einen starken Mann zwischen den Pfosten», sagt er und ergänzt: «Ausserdem hat Frankreich einen starken Mannschaftszusammenhalt, und der Wille, den Sieg nach Hause zu holen, ist immens.»

Der Vorbehalt, dass Frankreich aufgrund der Finalteilnahme im eigenen Land stark unter Druck stünde, lässt der Gunzger nicht gelten: «Damit müssen sie umgehen können.» Um dies besser bewerkstelligen zu können, würde ein frühes Goal guttun, wie gegen Deutschland im Halbfinal, ist sich Koch sicher. Genau dieser Heimvorteil werde der Mannschaft zum Sieg verhelfen. Koch glaubt, dass auch die Fans im Stadion ihren Teil zum Gelingen der Mission Europameister beitragen werden.

Zudem habe Frankreich weniger Individualisten, die sich in den Vordergrund stellen wollen und meint damit zweifellos Portugals Superstar Ronaldo mit der Nummer sieben. Das Austragungsland Frankreich ist laut Manuel Koch, trotz Zwischenfällen mit Hooligans, in Feierlaune. «Frankreich feiert seit knapp einem Monat ein Fest.»