Mit dem Titel «Ich. Du. Die Anderen – Künstler porträtieren» zeigt das Oltner Kunstmuseum eine Ausstellung, die ohne Zweifel Furore machen wird. Dorothee Messmer und Katja Herlach mit ihrer Crew ist es gelungen, eine vielschichtige Ausstellung zum Thema «Porträt» aufzubauen. Ferner wurde der Projektraum «Wir sind Olten» geschaffen. Im Verlauf der Ausstellung wird unter Einbezug von Bevölkerung und Besuchern ein vielschichtiges Porträt der Dreitannenstadt von heute entworfen.

Eindrucksvoll, eigenwillig

Zum Blickfang werden rechter Hand beim Betreten der Ausstellung Martin Ziegelmüllers Porträts von bekannten Künstlerfreunden aus Olten und der Region. Eindrucksvoll ist vor allem die malerische Komponente dieser Porträts, attraktiv arrangiert in den Farben von dunklem Grau-Braun bis hin zu goldigem Gelb.

Linker Hand entdeckt man eine Reihe von Bildern, die in feinen Verfremdungen in einer Art von Hinterglastechnik Porträts von Chantal Michel präsentieren, die das Wesen des Menschen in ein vielschichtiges Licht rücken.

Interessant sind die Begegnungen der Künstler Otto Morach, Arnold Brügger, Fritz Baumann, aber auch Cuno Amiet, die sich gegenseitig malten. Im hinteren Raum erlebt man eine hautnahe Begegnung mit Cuno Amiets berührendem Bild «Die Hoffnung», das sich mit dem Tod auseinandersetzt. Eigenwillig ist Thomas Moors Serie, die er in China im Grossformat nachmalen liess, auch Ingeborg Lüscher spielt mit bekannten Künstlerpersönlichkeiten.

Verschiedenste Umsetzungen

Interessant ist, dass diese Ausstellung auch Fotografie, Videos, Neue Medien und komplexe Mischverfahren zum Tragen bringt. Dadurch entsteht eine völlig neue Ausrichtung, die in Kombination mit den alten Sammelstücken Kontraste setzen.

Eindrucksvoll sind die Fotografien von André Albrecht von bekannten Oltner Kunstschaffenden. Gefesselt wird man auch von Jörg Binz Bildern, er ist wohl einer der begabtesten Porträtisten unserer Region.

Franz Anatol Wyss bekommt dabei Bedeutung, als Künstler wird er in den Mittelpunkt gerückt und belebt die Wände auf einmalige Weise. Von besonderer intimer Zartheit sind die Fotografien im hinteren oberen Raum von Simone Kappeler, die ihre langjährige Freundin Heidi fotografierte, ebenfalls eine Künstlerin, in zarten, berührenden, sehr verletzlich wirkenden Bildern.

Monica Germann und Daniel Lorenzi zeigen ihre versponnenen Square Heads – eine Serie von Porträts von Künstlern und Kulturtätern. Skurril und witzig ist die fotografische Reflexion von Cecile Weibel, die ihre Familie in einer verfremdeten Art präsentiert, mit Masken, Kopfbedeckungen und eigenwilligen Kleidern.

Anna Halm Schudel setzt sich mit Porträts auseinander, indem sie sich zur unsichtbaren Person macht. Alexandra Meyer präsentiert eine Videoarbeit mit einem zweiten Selbst als gegenüber.

Rudolf Steiner und Barbara Meyer Cesta, Haus am Gern, fesseln mit ihrer Spiegelinstallation «Multiplikator» und Kurt Caviezel steigt in Webcam-Images ein und geht seinen eigenen Recherchen nach.

Aus Kleidern wird Kunst

Besonders gelungen ist die zwölfteilige Serie über Regierungsrätin Esther Gassler, gemalt von Marie-Theres Amici. Jedes Porträt ist eine Aufnahme von einer anderen Situation. Amüsant sind die «Oltner Wickel» von Daniela Keiser, die sie aus Kleidungsstücken von bekannten Oltnern geschaffen hat.

Interessant ist auch die Installation von Carol Baumgartner, Anagramme, Buchstaben und Laute sind ihre Kunst, fein gezeichnet in spielerischer Leichtigkeit. Auch der faszinierende Zeichner und Revoluzzer Martin Disteli aus dem Disteli Kabinett ist anzutreffen mit seiner Familie Munzinger, gemalt von Franz Anton Leu. Die Helm-Installation von Olivier Hamaker entführt in eine neue Dimension. Als Besucher geht man auf eine Reise, die auf immer wieder neue Art das Wesen des Menschen erschliesst, denn ein Porträt ist immer mehr als nur ein Abbild.

Öffnungszeiten Di bis Fr 14 bis 17 Uhr, Do 14 bis 19 Uhr, Sa/So 10 bis 17. Bis 5. Oktober. Heute Fronleichnam geöffnet.