Die Russen, das Dschungelcamp, die Amerikaner, die Schneemänner, der Tod, die Veganer und wieder die Russen: Nichts, aber auch gar nichts wird vom Schauspieler-Duo Marion Bach/ Hans Günther Pölitz in ihrem diesjährigen Programm (Regie: Rainer Otto) unberührt gelassen.

Zum zwanzigsten Spieljubiläum der Magdeburger Zwickmühle ziehen sie alle Register. Hans-Günther Pölitz fürchtet sich weniger vor der Islamisierung, als vor der «Amisierung» des Abendlandes, ärgert sich über Selfie-Sticks, genmanipulierten Mais und das Freihandelsabkommen TTIP.

«Ich frage mich ja, wie es wäre, zum Islam zu konvertieren», meint Marion Bach, «Für mich wäre das ja nichts», fügt sie an, sie fürchte sich vor der Unterdrückung der Frauen.

Dafür brauche sie aber nicht zum Islam zu konvertieren, entgegnet Pölitz. «Dafür reichen unsere christlich-abendländischen Praktiken voll und ganz aus.»

Dabei zitiert er «Jesus Ghostwriter» Martin Luther, welcher keinen grossen Verlust darin sah, wenn eine Frau im Kindbett verstarb.

Invasion der Schneeflocken

Die Thematik der Angst vor dem Fremden zog sich durch das ganze Programm. In einer glühenden Rede warnte Pölitz vor der schleichenden Unterwanderung der schönen Heimat durch Schneeflocken:

«Autos verschwinden, Eisverkäufer werden arbeitslos, sie besetzen alle Bänke im Park – Taut ab!» Für Kinder, die etwas lernen wollen, gab es in der «Sendung mit der Maus» detaillierte Informationen über Waffenexporte und wer auf der Welt mit wem verfeindet ist.

«Ein Feind, ein guter Feind, ist bei der Wirtschaft sehr beliebt» tönte die musikalische Untermalung dazu.

Ihr musikalisches Können bewiesen die Magdeburger im Laufe ihres Programmes immer wieder, Hans-Günther Pölitz am Klavier begleitete Marion Bach, welche mit ihrer facettenreichen Stimme das Publikum begeisterte.

Die heitere, gelöste Stimmung hielt jedoch nur bis kurz vor der Pause an, als Bach das Lied einer Mutter anstimmte, die mit ihrem Kind auf einem Flüchtlingsboot nach Europa sitzt und am Schluss ertrinkt.

Als Pölitz nach der Pause – sichtlich beschwipst – die Bühne betrat, merkte man, dass diese Figur bei allen treuen Zwickmühle-Besuchern bekannt, jedoch nicht bei allen gleich beliebt ist.

Der Betrunkene stolperte, passend zum Thema Griechenland-Krise, mit einer Flasche Ouzo in der Gegend herum. «Der Klügere kippt nach», wiederholte Pölitz immer wieder, und füllte Glas um Glas.

Rentner bei der Polizei

Von der Trunkenheit weiter zu den Ordnungshütern: Was passiert, wenn man Einbrecher im Haus hat, es bei der Polizei jedoch aus Spargründen nur noch «Fussstreifen» gibt und der nächste verfügbare «Beamte» ein Rentner ist, der ab und zu mal aushilft?

Marion Bach versuchte verzweifelt, dem Polizeibeamten am Telefon die Ernsthaftigkeit ihrer Situation klarzumachen, was schliesslich dazu führte, dass Rentner Willi eintraf, als die Einbrecher schon verschwunden waren.

Nachdem Marion Bach als Frau Hauptmann Schulze gegen Ende des Programms nur knapp dem Tod entronnen war – dieser hatte sich im Namen geirrt – endete der Theaterabend mit einem Appell an die Liebe.

Was die Zuschauer neben der Erinnerung an einen gelungenen Abend aus dem Stück mitnehmen konnten: «Wenn alles ringsum sinkt und kracht, Humor ist, wenn man trotzdem lacht!»