Es ist ein hartes Duell: Im Finale des ersten Open List Slam im Coq d’Or in Olten stehen sich zwei hartnäckige Gegner gegenüber. Mit Texten über das schwierige Dasein als «Langsamesser» und einer etwas anderen Reflexion über «die heutige Jugend» versuchen die beiden Poetry-Slammer «Ponyhofbesucher» und «Vive Le Charme» die Zuschauer für sich zu gewinnen. Sie haben sich tapfer durch zwei Runden und fünf weitere Konkurrenten getextet und sich als Zuschauerfavoriten erwiesen.

Neues Format in Olten

Die Teilnehmer kommen von überall aus der Schweiz her, um ihre Texte vor Publikum zu performen. Sie sind Lehrerinnen, Schüler, Pflegefachmänner im Alter von 18 bis 40 Jahren und haben eine gemeinsame Leidenschaft: das Schreiben. Manche schon seit ihrer Jugend, manche aber haben erst vor einem Jahr damit angefangen und treten an diesem Abend zum ersten Mal auf einer Bühne auf.

Die neue Poetry-Slam Reihe soll aber genau ihnen die Möglichkeit bieten, vor kleinem Publikum ihre Texte zu testen und Selbstvertrauen zu gewinnen. Das Ganze wird von der Kunst- und Kulturplattform Art.i.g. in Olten in Zusammenarbeit mit dem Coq d’Or organisiert und von der 2011 Poetry-Slam Schweizermeisterin Lisa Christ moderiert. Als Gastmoderatorin ist an diesem Abend zusätzlich die Slammerin Marguertite Meyer anwesend, die mit einem ihrer Texte den Abend eröffnet.

Wie bei jedem Slam gelten auch an diesem Abend fünf goldene Regeln: Die Texte müssen alle selbst geschrieben sein und die Performance, bei welcher keinerlei Requisiten verwendet werden dürfen, nicht länger als fünf bis sieben Minuten dauern. Es darf ausserdem auch nicht gesungen werden, zumindest keine vollen sieben Minuten lang. Die letzte Regel gilt für das Publikum und lautet: Respektiert den Dichter. Niemand, der sich auf die Bühne traut, darf ausgebuht werden, egal wie schrecklich sein Text ist.

In diesem Rahmen treten jeweils zwei Slammer gegeneinander an und das Publikum entscheidet mit seiner Applauslautstärke, wer weiterkommt.

Einzigartige Auftritte

Die ersten zwei Slams des Abends handeln vom Wetter und einem Drucker an der Universität in Thüringen. Es folgen Texte über Gesellschaft und Andersartigkeit, über Menschenhass und die SBB, über das Leben und seinen Wert, über Krafttiere und die Absurdität, Bedeutung in Symbolen zu suchen.

Die Themen sind genauso unterschiedlich, wie die Teilnehmer selber. Aber bereits in der ersten Runde fallen «Ponyhofbesucher», bürgerlich Fredi Greub (37), und der Oltner «Vive Le Charme», auch bekannt als Vivek Sharma (39), mit ihrer Performance und ihrer Fähigkeit, das Publikum zu begeistern, auf. Beide schreiben und veröffentlichen seit einiger Zeit eigene Texte online auf ihren Blogs, treten aber erst seit einem Jahr bei Poetry-Slams auf. Sie liefern bis zum Finale eine hervorragende Performance ab. Das letzte Wort aber hat das Publikum und dieses entscheidet sich für den Finalisten Fredi Greub.

Nachdem am Ende tosender Applaus seinen Sieg verkündet hat, nimmt «Ponyhofbesucher» etwas fassungslos aber dennoch stolz seinen Siegerpreis, eine Flasche Whiskey, entgegen. Der vorher so wortgewandte 37-Jährige ist plötzlich sprachlos. «Ich bin zum ersten Mal durch die erste Runde gekommen, und dann gewinne ich gleich den Slam – das ist unglaublich!», meint er begeistert und ergänzt: «Wenn du auf der Bühne bist, dann gibt es nur dich und deinen Text und wenn du merkst, dass die Leute lachen und deinen Text mögen, bereitet das unglaublich grosse Freude.»

Bis Ende April 2019 finden drei weitere Open List Slams im Coq d’Or statt. Es bietet sich also auch in Zukunft die Möglichkeit für Neulinge, in kleinem Rahmen Bühnenluft zu schnuppern und dieselbe Freude zu erleben.