Ja, wie die Zeit vergeht. Sind es doch schon 31 Jahre her, seit es in Olten einen ganz besonderen Ausstellungsort gab, der 15 Monate sogar national für Furore sorgte: Der 1984/85 bereits heruntergekommene, vor dem Abriss stehende Hammersaal im Hammer-Gebäudekomplex wurde von Künstlern in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein und dem Kunstmuseum Olten als zwischengenutzter Kunstort auserkoren.

War der «Hammer» mit seiner wechselreichen Geschichte seit Mitte der 1890er (zu Friedenszeiten) immer wieder als Zentrum für das öffentliche und kulturelle Oltner Leben genutzt worden, erlebte er später als Hotel eine neue Blütezeit – bis unrühmliche Zeiten zum endgültigen Aus führten. Es müssen spannende und lebendige, ja ver-rückte Momente gewesen sein. Denn mit einem Ausstellungsmanifest wurde ein Zeichen gesetzt, um «all diesen freien Raum» für die zeitgenössische Kunst als gesellschaftliches Ereignis zu erobern. Und es war vor allem das Ergebnis eines breit gefächerten und begeisternden Engagements zahlreicher Freunde der Kunst, die das Projekt des von Jörg Mollet ins Leben gerufenen Initiativ-Komitees ebenso enthusiastisch mittrugen, wie es von den städtischen Behörden und dem Immobilienbesitzer zugestanden wurde.

Alois Lichtsteiner, ohne Titel. «159 Farbroller, 3 Backsteine in Papier eingepackt».

Alois Lichtsteiner, ohne Titel. «159 Farbroller, 3 Backsteine in Papier eingepackt».

Es waren Mitglieder der GSMBA, des neu gegründeten Vereins «Kunst im Hammer», der Konservator des Kunstmuseums, der Vorstand des Kunstvereins, zahlreiche Helfer und Sympathisanten, die mit grossem Einsatz den Saal und die Aussenfassade in eine Kunsthalle verwandelten. Die damals teilnehmenden Kunstschaffenden aus der Region, dem Kanton, der gesamten Schweiz lesen sich heute wie ein Almanach Schweizer Kunstschaffender. Und die Ausstellungen fügten sich zu einem erlebnisreichen und kreativen Kunstmarathon: In 15 Monaten fanden 12 Ausstellungen statt, insgesamt nahmen 70 Kunstschaffende teil. Kunst als spezieller «Spirit» einer kunstintensiven Zeit. Den Abschluss dieses Experiments bildete 1985 die 5. Biennale der Schweizer Kunst unter der Ägide von Peter Killer.

Vom Hammer ins Stadthaus

Ebendiesen Spirit für die Kunst spürt man auch in der aktuellen Ausstellung «Kunst im Hammer Olten, 31 Jahre danach», die erste Ausstellung im Stadthaus nach der Sanierung. Und so blickt man beim Mäandern durch die bis heute autonomen Bildsprachen zwischendurch vom 10. Stock direkt auf das ehemalige Hammer-Gelände. Auch wenn sich die äussere Blickachse geändert hat, die innere wird spätestens im Bildband sichtbar. Für diese Ausstellung wurden 13 Kunstschaffende aus der Region, dem Kanton, schweizweit eingeladen, die bereits 1984/85 mit dabei waren. Die Auswahl wurde mit Bedacht getroffen. Der Blick auf die aktuellen Bildinhalte ist sparsam konzipiert, sodass die Betrachtenden Zeit und Musse haben, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, mitunter sich zu erinnern: Eva Szecsödy zeigt mystisch-orange Tierfiguren im blau leuchtenden Bildgrund. Unverkennbar sind Christof Schelbert mit seiner Zeichensprache, Franz Anatol Wyss mit dem metaphysisch-kulissenartig verschachtelten Bildgeschehen, Vreny Brand-Peier mit ihren fragilen Gipsobjekten und Zeichnungen zum Thema Zeit.

Das Gegenständliche vertreten Bendicht Fivian, der seinen Inhalten eine Pop-Art-Note unterlegt, und Hans Rudolf Fitze, der mit seinen Bildimaginationen zwischen vertraut und irreal die Wahrnehmung irritiert. Popartig, ja beinahe grafisch treten die Skulpturen von Markus Wyss in einen stillen Dialog mit Thomas Schaubs strengen, zeichenhaften Eisenstelen. Alois Lichtsteiner steigert das markante Spiel von Schnee und Schatten, Weiss und Schwarz in die reine Malerei, während Max Matters grafisch anmutende «Nächste Welle» ein sich autonom gestaltender Bildwerdungsprozess aus Farbe und Bildträger ist. Ein wenig versponnen wirkt die Installation von Adelheid Hanselmann, die mit kleinen Zeichnungen einen magisch-kontemplativen Kreis bildet. Jörg Mollet, Mann der ersten Stunde der Kunst im Hammer, zeigt hier philosophisch-verfremdete Bildatmosphären. Während die fotografischen Gebirgsausschnitte von Arno Hassler eine altmeisterliche Spannung hinterlassen. Alles in allem unvergängliche künstlerische Haltungen, Spirit einer Epoche, der Raum lässt zum Schauen, Staunen, Schwelgen.