Olten
Piano Quartet und ein 3-Gang-Dîner

Piano4 mit dem Gershwin Piano Quartet gastierte im Oltner Konzertsaal und verwöhnte mit einem 3-Gang-Dîner die Sinne.

Kurt Heckendorn
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Das Gershwin Piano Quartet gastierte im Konzertsaal Bruno Kissling

Das Gershwin Piano Quartet gastierte im Konzertsaal Bruno Kissling

Bruno Kissling

Wahrlich ein seltenes Bild! Vier Konzertflügel standen am Mittwochabend auf der Bühne des Konzertsaals Olten! Angesagt war ein Konzertabend mit dem weltweit gefeierten Gershwin Piano Quartet; und kulinarisch auf das Schönste bereichert wurde der aussergewöhnliche Abend zudem durch einen gepflegten Apéro und durch ein – an festlich geschmückten Tischen sorgfältig serviertes – 3-Gang-Dîner. Ein Abend, der die verschiedensten Sinne ansprechen konnte!

Das Gershwin Piano Quartet – 1996 von André Desponds gegründet – präsentierte sich mit einem abwechslungsreichen Programm, in dem sich Bearbeitungen für vier Klaviere und Solowerke sinnvoll gegenüberstanden. Souverän, frei von jedem Notentext gestalteten die vier exzellenten Pianisten André Deponds, Stefan Wirth, Benjamin Engeli und Mischa Cheung den anregenden Konzertabend.

Ouvertüre mit Strawinsky

Zur fulminanten Ouvertüre geriet bereits die «Petruschka-Suite» von Igor Strawinsky in einer faszinierenden Bearbeitung für vier Klaviere. Welch farbenprächtiger Klangteppich wurde da ausgebreitet: Irisierende Klänge, prägnante Rhythmen und köstlich aufscheinende feine liedhafte Intermezzi; spannend und brillant gestaltet von vier phänomenalen Pianisten, die sich zum idealen Ensemble gefunden haben.

Ein erster Ruhepunkt mit Alexander Skrjabins Etude Fis-Dur op. 42 Nr.4, deren träumerische, spätromantischen Klänge von Stefan Wirth voll ausgekostet wurde; und raffiniert arrangiert – gewürzt mit kleinem Schlagzeug, das ebenfalls in das vielschichtige polyphone Geschehen einbezogen wird – eine vitale Fuge über ein Thema von Astor Piazzolla, die Stefan Wirth dem Quartett «auf den Leib» geschrieben hat.

Sensible Pianissimo-Klänge mit feinen Anklängen an die Folklore Südamerikas, aber auch motorisch vorwärts drängende Passagen in «Danzas Argentinas» von Alberto Ginastera, die von Mischa Cheung bravourös zelebriert wurden; und sehnenden Klängen folgte ein schier ins Masslose gesteigerter Rundtanz in Benjamin Engelis genialer Bearbeitung für vier Klaviere von Sergeij Rachmaninows «Vocalise und Tarantella».

Amerikanisch – nach der Pause

Mit drei Stücken aus «Leutnant Kishé» von Sergej Prokofiev – in einer klangprächtigen Bearbeitung von Mischa Cheung – wurde nach der Pause zum amerikanischen Teil des Programms übergeleitet. Feinste Flagolett-Klänge prägten den Beginn des neo-klassizistischen ersten Satzes, während im zweiten Teil Elemente der U-Musik aufschienen und im rhythmisch vertrackten Schlusssatz sogar ein verblüffendes Solo auf einer Melodica aufhorchen liess.

Fern jeder Banalität, mit luftigem Anschlag gestaltete Bejamin Engeli Blues Klänge von Aaron Copland und wiederum angereichert mit diskreten Schlagzeugzeug-Akzenten und Dank virtuoser Kultur des Anschlags erklang – weit über dem Klangbild gängiger U-Musik – Cole Porters «Night’n’ Day».

Mit einer sehr persönlichen Improvisation adelte André Desponds den Evergreen «Autum Leaves» von Joseph Kosma; und zu einem musikalischen Feuerwerk, voll faszinierender Klangvariationen und mitreissender Rhythmen, wurden - perfekt im ausgeklügelten Zusammenspiel und geprägt von unbändiger Spiellust - Leonard Bernsteins unvergleichliche Songs and Dances from «West Side Story».

Mit einer fulminant hingelegten eigenen Bearbeitung von George Gershwins «I got Rhythm» bedankte sich aussergewöhnliche Ensemble für den stürmischen Beifall und liess den Abend mit Anklängen an Johann Sebastian Bach - d-moll Toccata und Badinerie - witzig ausklingen.

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