Solarwärme- und Solarstromanlagen, sogenannte Photovoltaikanlagen, werden nicht nur finanziell gefördert. Seit Mai 2014 ist für Solaranlagen auf Dächern in der Bau- und Landwirtschaftszone keine Baubewilligung mehr notwendig. Sie sind lediglich der zuständigen Behörde zu melden, im Kanton Solothurn ist dies die Baubehörde der Standortgemeinde.

Im Unterdorf in Kappel war es dennoch kürzlich nicht möglich, auf dem Dach eines neu erstellten Mehrfamilienhauses eine Photovoltaikanlage zu installieren. Das Haus liegt in der Ortsbildschutzzone. Dafür ist im Kanton Solothurn eine Baubewilligung erforderlich. Die zuständige Baukommission lehnte das entsprechende Baugesuch ab. Sie begründete die Ablehnung damit, dass die schwarzen Flächen von der Strasse aus gut wahrnehmbar wären und dies nach ihrer Ansicht aufgrund der Farbgebung eine wesentliche Störung des einheitlichen Strassenbildes bedeuten würde. Die grossen Dachflächen mit naturroter oder brauner Ziegeleindeckung seien ein besonders prägendes Element des geschützten Ortsbildes, hiess es weiter.

Markus Schmid, zuständig für den Bereich Ortsbildschutzzonen beim kantonalen Amt für Denkmalpflege, teilte in seiner Empfehlung die Einschätzung der Baukommission einer wesentlichen Beeinträchtigung. Jeder Fall sei ein Einzelfall, und in der Regel kontaktierten ihn die beauftragten Planer einer Anlage bereits im Vorfeld eines Baugesuches, sodass die Anforderungen und Möglichkeiten besprochen und bei Bedarf Anpassungen vorgenommen werden können. Die Mehrheit der Baugesuche in Ortsbildschutzzonen würde denn auch bewilligt. Der schweizerische Verband für Solarenergie Swissolar kennt die Problematik und empfiehlt in seinem Leitfaden ebenfalls eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit den zuständigen Behörden.

Im Fall Kappel ist dies nicht geschehen. Bauherr Piero Costa ist zumindest um eine Erfahrung reicher. Er schliesst nicht aus, allenfalls einen weiteren Anlauf zu nehmen und mit einem neuen Projekt den Dialog mit den Behörden zu suchen. Die Anschlüsse für eine Photovoltaik-Anlage wären bereits vorhanden. Auf einem anderen Gebäude an der Dorfstrasse in Kappel war es jedenfalls möglich, eine Anlage anzubringen, obwohl dieses ebenfalls in der Ortsbildschutzzone liegt. Rund die Hälfte der Solothurner Gemeinden verfügt heute noch über Ortsbildschutzzonen.

Dann ist Baubewilligung nötig

Auf eidgenössischer Ebene schreibt das Raumplanungsgesetz vor, dass nach wie vor eine Baubewilligung notwendig ist, wenn es sich beim Bauprojekt um ein Kultur- oder Naturdenkmal von kantonaler oder regionaler Bedeutung handelt. Kulturgüter sind in diversen Inventaren des Bundes sowie in Schutzverzeichnissen über historische Kulturdenkmäler der Solothurner Denkmalpflege aufgelistet, auch die Juraschutzzone fällt darunter. Das Kriterium ist, dass Solaranlagen ein solches Denkmal nicht wesentlich beeinträchtigen dürfen. Dies wird in der Praxis streng gehandhabt, mehrfach gestützt durch das Bundesgericht.

Auch Stephan Blank, Leiter Solothurner Denkmalpflege, bestätigt eine restriktive Bewilligungspraxis. Seine Haltung ist klar: Es gelte, ebenbürtige und legitime Interessen gegeneinander abzuwägen, nämlich Energiezukunft und Denkmalpflege. Er gibt zu bedenken, dass lediglich 1,1 Prozent des gesamten Baubestandes geschützt sind. «Beide Anliegen haben ihre Berechtigung und einen gemeinsamen Nenner, nämlich den schonenden Umgang mit Ressourcen und die Nachhaltigkeit», führt er weiter aus.

Problematisch sind dabei in erster Linie das Material, die Farbe und der Spiegelungseffekt, welche oft im Widerspruch zum Charakter eines historischen Gebäudes stehen. Doch gibt es auch Beispiele, wo die Bewilligung für eine Solaranlage auf geschützten Kulturdenkmälern erteilt wurde, wie etwa dem Sälischulhaus in Olten oder auf einem Nebengebäude des Sennhofs in Wisen. In Metzerlen konnte auf einem Haus in der Juraschutzzone eine Photovoltaik-Anlage installiert werden.

Das Potenzial ist riesig

Auch im künftigen Richtplan des Kanton Solothurn, welcher gemäss dem Raumplanungsgesetz die Kriterien für die baubewilligungspflichtigen Solaranlagen festhalten wird, sind nebst den Schutzverzeichnissen für historische Kulturdenkmäler und der Juraschutzzone weiterhin die Ortsbildschutzzonen aufgeführt. Dies bestätigt Rolf Glünkin vom Amt für Raumplanung. Dabei ist generell die Vorgabe des Raumplanungsgesetzes zu beachten, dass die Interessen an der Nutzung der Solarenergie auf bestehenden oder neuen Bauten grundsätzlich Vorrang vor ästhetischen Anliegen haben.

In dieselbe Richtung stösst auch das teilrevidierte Energiegesetz, welches der Solothurner Regierungsrat im Juli verabschiedet hat. Das Potenzial für Solaranlagen insgesamt ist nach wie vor riesig und bei rund 90 Prozent aller Gebäude unproblematisch. Nebst den Wohnhäusern sei da vor allem auch an die grossen Flächen der Industrie- und Gewerbebauten gedacht.