André Albrecht, Initiator des neuen Fotozirkels Photostream, begrüsst das zahlreich erschienene Publikum im Coq d'Or in Olten. Ihm, dem Vollblutfotografen, hat in Olten eine Szene gefehlt, wo sich Künstler treffen. Jeweils am ersten Montag im Monat wird die Bühne frei für Fotografen, die Arbeiten präsentieren. Erwünscht sind nicht nur Professionelle, sondern alle, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen.

Einblick in Arbeitsweisen
Während der Beamer erste Porträts an die Wand projiziert beginnt Emanuel Per Freudiger, seit 2 Jahren Fotograf bei der AZ, zu erzählen. Er schätzt die vielfältigen Begegnungen, die sein Beruf bringt. Seine Aufnahmen sind alles andere als oberflächlich; Hintergrund, Körpersprache und Blick der Porträtierten sind je nach Person gezielt gewählt und erzielen eine starke Wirkung.

Eindrücklich sind auch die Bilder, die er in einer ausgedienten Hero-Fabrik machen durfte, bevor sie überbaut wurde. Per Freudiger schwärmt von diesem Nachmittag, davon, ganz alleine mit der Kamera unterwegs zu sein und sich treiben zu lassen.

Keine Regieanweisung
Flavia Schaub hat sich mit Musikerporträts einen Namen gemacht. Da sie Grössen wie Jan Delay oder Katie Melua fotografiert, müssen die Bilder sehr schnell entstehen; manchmal hat man nur Zeit für 2, 3 Schüsse, und dann muss der Künstler ab auf die Bühne. Daher ist es besonders wichtig, sich im Vorfeld gut zu informieren: Wie gross ist die Person, wie bewegt sie sich, wie muss das Licht eingestellt werden.

Flavia Schaub möchte den Menschen hinter der Musik zeigen, darum sagt sie den Leuten nie, wie sie sich verhalten sollen. Wenn jemand die Bierflasche in der Hand oder die Sonnenbrille anbehalten will, ist das okay. So entstehen natürliche, nahe Bilder, oft mit dunklem Hintergrund.

Geplante und zufällige Bilder
Hansruedi Riesen aus Solothurn zeigt Fotografien aus seinem Buch «Kammgi» über die Kammgarnspinnerei Luterbach, die 1874 eröffnet wurde.

Es ist ein Zeitdokument über Industriearchitektur und das Leben der Arbeiter. Fotografiert wurde mit einem Equipment, das, wie Riesen sagt, «heute jeden Amateur in Depressionen stürzen würde».

Die Bilder beeindrucken trotzdem, und es ist toll, die Begeisterung und das Hintergrundwissen Riesens zu erleben. Überraschend kommen am Schluss neuere Aufnahmen, die zufällig auf Spaziergängen entstanden sind. Wolkenbilder, der Schattenwurf eines Drahtzauns, eine Albino-Spinne; Hansruedi Riesen sieht Kunst mitten im Alltag und bringt das Publikum zum Staunen und Lachen.