Olten
Photostream Nummer acht stellte die Menschen in den Brennpunkt

Hansruedi Aeschbacher, Philipp Künzli und Sabrina Christ standen im Coq d’Or mit ihren fotografischen Werken im Mittelpunkt und präsentierten ihre Werke an der achten Ausgabe von «Photostream Olten».

Urs Amacher
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Von links Sabrina Christ, Organisator André Albrecht, Hansruedi Aeschbacher und Philipp Künzli

Von links Sabrina Christ, Organisator André Albrecht, Hansruedi Aeschbacher und Philipp Künzli

Urs Amacher

Der Fotograf André Albrecht initiierte mit «Photostream Olten» einen Fotozirkel. Im «Coq d’Or» schuf er damit eine Bühne, auf welcher Berufsfotografen ihre Werke präsentieren können.

Albrecht holt stets Berufskollegen mit verschiedenartigsten Arbeitsweisen nach Olten. An der achten Ausgabe von «Photostream Olten» am Montag lud er Sabrina Christ, Hansruedi Aeschbacher und Philipp Künzli ein.

Zirkusleben

Die in Selzach aufgewachsene Sabrina Christ (31) absolvierte den gestalterischen Vorkurs und daran anschliessend eine Ausbildung als Fotografin in Solothurn, welche sie 2008 erfolgreich abschloss.

Seither arbeitet sie als freischaffende Fotografin. Nach dem Lehrabschluss 2008 begegnete sie in Amsterdam Leuten, die in Wagen leben. Dort entstand eine Bilderserie von ungebunden lebenden Menschen, die in kein Kästchen passen.

Sie verfolgte das Projekt weiter mit einem Kunstschaffenden-Kollektiv auf einem Fabrikgelände in Rennes und Obdachlosen in Frankreich. Mit ihrem Weitwinkelobjektiv ist sie nahe dran.

Ein zweites Schwergewicht legt Christ auf die Zirkuswelt. Seit 2009 begleitet sie den «Cirque de loin», wo Artistik, Musik und Theater verschmelzen. Sie dokumentiert mit ihren analog aufgenommenen Bildern das Leben hinter der Kulisse, die Arbeit der Leute beim Zirkus, wo alle alles machen. Farbig sind nur die Fotos von den Vorstellungen, der Alltag ist bei Christ schwarz/weiss.

Gespenstisches

Philipp Künzli begann seine Präsentation mit dem Kurzfilm «di wyssi Frou», einem filmischen Essay über die gespenstische Erscheinung im Belchentunnel. Der 1976 in Wangen geborene Künzli lernte zuerst Radio- und Fernsehelektriker, anschliessend Cutter und Kameramann.

Er lebt seit 2009 in Zürich und arbeitet als professioneller Filmkameramann. Immer aber beschäftigte er sich auch mit der Fotografie. Im Anschluss an einen Ausbildungsaufenthalt in den USA besuchte er in amerikanischen Städten wie Tell City, Helvetia oder New Glaris mehrere Schweizer Emigranten, lichtete sie ab und befragte sie zu ihrem Verhältnis zur Schweiz und zur Auswanderung.

Aktuell verfolgt er ein Langzeitprojekt «95%»: Nur ganze fünf Prozent der Menschen verfügen über einen Lebensstandard, der dem «westlichen» entspricht. Künzli dokumentiert mit seinen Fotos die Verhältnisse, Armut, Perspektivelosigkeit, in welcher die grosse Mehrheit der Menschen zu leben gezwungen ist. In einer zweiten Bilderserie «forced» (gezwungen) gibt er zwangsumgesiedelten Menschen in Aserbaidschan ein Gesicht.

Autodidaktisches

Hansruedi Aeschbacher (1951) arbeitet seit 35 Jahren beim Oltner Tagblatt als Fotograf. Das Fotohandwerk eignete sich der gelernte Drucker autodidaktisch an. An Photostream zeigte er eine farbige Bilderserie der Oltner Tanztage, wo es galt, die Bewegungen auf der Bühne einzufangen, ohne sie einzufrieren.

Beeindruckend waren auch seine älteren Reportagen, etwa von der hundertjährigen Frau, die noch schreiben lernte, oder aus der Grossschlachterei, wo Schweine industriell am Fliessband getötet und verarbeitet werden.