Olten
Philosophie unterhaltsam erklärt in der Schützi

Ein Philosoph, der die grossen Themen verständlich erklären kann – das ist der deutsche Richard David Precht. Am Dienstag war er in der Schützi.

Fabian Muster
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Der Philosoph Richard David Precht auf der Schützi-Bühne im Gespräch mit Nicola Steiner, der Moderatorin des SRF-Literaturclubs. Auf dem Tisch vor ihm steht ein Gugelhupf als Geburtstagstorte für 90 Jahre Buchhandlung Schreiber.

Der Philosoph Richard David Precht auf der Schützi-Bühne im Gespräch mit Nicola Steiner, der Moderatorin des SRF-Literaturclubs. Auf dem Tisch vor ihm steht ein Gugelhupf als Geburtstagstorte für 90 Jahre Buchhandlung Schreiber.

Bruno Kissling

Wer glaubt, die grossen Fragen der Philosophie wie «Was kann der Mensch wissen?» oder «Wie soll er handeln?» würden nur Studenten und ihre Professoren interessieren, wurde am Dienstagabend in der Oltner Schützi eines besseren belehrt: Zum einen wollten rund 300 Leute, die Jubiläumsveranstaltung der Buchhandlung Schreiber sehen.

Zum anderen ist der Deutsche Richard David Precht ein Philosoph, der dem Publikum Unverständliches verständlich erklären kann. Mit seiner eigenen TV-Sendung «Precht» im ZDF wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt, und er weiss sich auch in Schlagworten auszudrücken: Die Bibel sei etwa keine historische Quelle, sondern nur «Fanliteratur»; die Erscheinungen in Platons berühmten Höhlengleichnis seien «wie primitives Kino» oder Politiker würden «pro Tag zehn Minuten nachdenken und sich nachher 16 Stunden vermarkten».

Doch der 51-Jährige, der mit seinem populärwissenschaftlichen Sachbuch «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?» 2007 einen Bestseller landete, hat viel mehr drauf, als die Zuschauer nur mit süffisanten Bemerkungen zu unterhalten. Spricht er etwa über die beiden grossen griechischen Philosophen Platon oder Aristoteles, wird klar, dass hier einer den Stoff so gut kennt, um ihn nicht nur nachzubeten, sondern auch überraschende Verknüpfungen herstellen kann zu anderen Denkern oder sogar zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Er zeichnete etwa den Siegeszug des griechischen Begriffs für Vernunft nach («Logos») – vom griechischen Denker Heraklit über den ersten Satz im Johannes-Evangelium («Im Anfang war das Wort») bis hin zum heute teilweise noch herrschenden Bild der Frau, sie besitze keine Vernunft – und stellte so sein über die Jahrhunderte reichendes Wissen zur Schau. Damit unterscheidet sich der Generalist Precht von den Spezialisten-Philosophen an der Universität, die in ihren Elfenbeintürmen abseits der Öffentlichkeit an einem Detail-Problem vor sich hindenken. Philosophie sei «kein Fach und keine Wissenschaft».

In diesem Sinne schrieb Precht auch seinen ersten von drei Bänden zur Geschichte der Philosophie, deren Themen er im Gespräch mit der SRF-Literaturclub-Moderatorin Nicola Steiner ausbreitete. Zuweilen musste sich Steiner als Stichwortgeberin begnügen, während Precht in bis zu zehnminütigen Monologen über eine Frage dozierte. Und es zeigte sich, dass der an zwei deutschen Unis Lehrende auch den weltlichen Genüssen nicht abgeneigt ist: Den Abend hat er mit einem Glas Prosecco begonnen, auf der Schützi-Bühne schenkte er sich mehrmals Rotwein nach.

Richard David Precht Erkenne die Welt: Geschichte der Philosophie I,
Goldmann-Verlag 2015, 576 Seiten