Olten/Rickenbach
Pflegeheim Haus zur Heimat soll aufs Land zügeln

Das Haus zur Heimat nutzt den Oltner Standort zu betreuten Alterswohnungen um. In Rickenbach ist auf der grünen Wiese ein Neubau für 35 Millionen Franken vorgesehen.

Fabian Muster
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Auf dieser Wiese in Rickenbach soll das neue Pflegeheim des Vereins Haus zur Heimat entstehen.

Auf dieser Wiese in Rickenbach soll das neue Pflegeheim des Vereins Haus zur Heimat entstehen.

Bruno Kissling

Es ist ein grosser Wurf, den der Verein Haus zur Heimat laut einer Medienmitteilung plant. Das Pflegeheim, das derzeit mit 75 Betten gleich neben dem Vögelipark in Olten auf der rechten Aareseite betrieben wird, soll aufs Land umziehen. In Rickenbach, rund fünf Kilometer und zehn Autominuten westlich vom bisherigen Standort, ist auf der grünen Wiese ein Neubau für 35 Millionen Franken vorgesehen. Damit soll für die Pflegebedürftigen und die Mitarbeiter ein optimales Umfeld auf dem rund 9000 m2 grossen Grundstück entstehen, das der Gemeinde Rickenbach gehört.

Neben den neu 78 vom Kanton bewilligten Pflegebetten (inklusive 3 Ferienzimmern) gibt es eine Abteilung für Demenzkranke mit Sinnesgarten und ein Restaurant, das auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Weitere Dienstleister wie eine Physiotherapie oder ein Kiosk, wo sich die Betreiber auch eine Postagentur vorstellen könnten, sind geplant. Vorgesehen sind auch 12 Alterswohnungen, in denen Dienstleistungen des Pflegeheims bezogen werden können und welche vor allem für die Einheimischen zur Verfügung stehen.

Das bisherige sechsstöckige Gebäude in Olten hingegen wird zu 40 Alterswohnungen umgenutzt, weil es nur noch bedingt für die Nutzung mit Pflegebedürftigen geeignet ist. Ein grosser Umbau sei laut dem Geschäftsführer Marco Petruzzi allerdings nicht nötig. Die rund 20 m2 grossen Zimmer sollen pro Monat 1200 Franken kosten und damit vor allem Senioren mit eher bescheidenen finanziellen Mitteln ansprechen.

Die Leistungen der hauseigenen Spitex werden zusätzlich verrechnet, die Betreuung darf aber eine Stunde pro Tag nicht überschreiten. Das Mittagessen soll obligatorisch sein und wird von der Küche in Rickenbach zubereitet, Frühstück und Abendessen sind freiwillig. Interessant dabei ist auch, dass die Mieter der Alterswohnungen künftig einen Platz im neuen Pflegeheim in Rickenbach garantiert haben.

24 neue Vollzeitstellen

«Die Vision», wie es im Infoblatt heisst, soll bis 2021 umgesetzt sein. Das heisst, bis dann soll der Neubau in Rickenbach stehen und die geografische Trennung zwischen Pflege in Rickenbach und Alterswohnen in Olten verwirklicht sein. «Zudem bin ich heute ein Gegner von gemischten Wohnformen: Mit einer konsequenten Trennung zwischen Pflegeheim und Alterswohnen entfällt das Altersheim», sagt Geschäftsführer Petruzzi.

Der Verein Haus zur Heimat geht davon aus, dass beim Umzug zwischen 60 bis 70 Prozent der bisherigen Oltner Bewohner nach Rickenbach zügeln. Damit sind im neuen Pflegeheim bereits zwei Drittel der Betten belegt. 20 Bewohner könnten in die Alterswohnungen umziehen, sodass auch hier bereits fast die Hälfte der 46 angebotenen Betten vergeben wären. Laut dem Businessplan werden die Alterswohnungen bis 2025 voll ausgelastet sein. Mit dem Ausbau werden auch neue Arbeitsplätze geschaffen: Zu den bisher 56 Vollzeitstellen kommen deren 24 dazu.

Die Strukturen müssten mit den zwei Standorten ebenfalls angepasst werden. Vorgesehen ist, dass eine gemeinnützige Aktiengesellschaft gegründet wird, in der beide Häuser eingebracht und der Verein als einziger Aktionär auftreten würde. Die beiden Betriebe würden zwar sehr eng miteinander zusammenarbeiten und von Synergien profitieren, doch trotzdem in zwei getrennten Rechnungen ohne Querfinanzierung geführt, wie es im Infoblatt heisst.
An der Generalversammlung des Vereins am 8. Juni sollen die Mitglieder das Vorhaben absegnen.

Vier Tage später müssen auch die Rickenbacher an ihrer Gemeindeversammlung über das Grundstück befinden, auf dem das neue Pflegezentrum gebaut werden soll. Der Gemeinderat schlägt vor, dieses im Baurecht abzugeben. Für den Gemeindepräsidenten Dieter Leu hat das Projekt für die Gemeinde nur Vorteile: Die Bewohner können im Alter stufengerecht weiterhin im Dorf wohnen bleiben und es entstehen neue Institutionen wie etwa ein öffentliches Restaurant. Noch diese Woche soll die Bevölkerung mit einem Brief über das Projekt informiert werden.