St.Martin Olten
Pfarrer verlässt Olten: «Er brachte ein bisschen Himmel in die Stadt»

Hanspeter Betschart feierte seinen Abschiedsgottesdienst. Nach 17 Jahren als Stadtpfarrer findet seine Lebenslinie eine neue Kehre: Er verlässt Olten und wird Guardian des Klosters Wesemlin in Luzern.

Urs Huber
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Pfarrer und Kapuziner Hanspeter Betschart erntete bei seinem Abschiedsgottesdienst in St.Martin Applaus auf offener Szene.

Pfarrer und Kapuziner Hanspeter Betschart erntete bei seinem Abschiedsgottesdienst in St.Martin Applaus auf offener Szene.

Bruno Kissling

Er überlegt nicht lang auf die Frage, was er eigentlich sonst noch hätte werden können: «Wirt wär’ noch was gewesen», sagt Hanspeter Betschart (64) und lächelt erst süffisant, später fast schallend. Auf jeden Fall habe er was mit Menschen zu tun haben wollen. Mit gutem Grund: Dass er am Samstag vor vollem Haus und mit Applaus auf offener Szene verabschiedet wurde, bei seinem Einzug in St. Martin gar schon die ersten Klatschlaute zu vernehmen waren, die der Stadtpfarrer mit beschwichtigender Handbewegung aber noch unterdrückte, zeigte darüber hinaus, dass auch die Menschen etwas mit ihm zu tun haben wollen.

Eines von Betscharts Geheimnissen? Er verkörpert einen Humor, in welchem sich sein Gegenüber wiederfindet, und er versteht diesen Humor zu zelebrieren. Denn in welcher Kirche brechen die Gläubigen eigentlich noch in herzhaftes Lachen aus, wenn der Pfarrer gesprochen hat? In St. Martin war das nicht nur am Samstag so.

Das komplette Geheimnis Betscharts? Vielleicht gar nicht so schwierig zu ergründen: Der Mann ist umtriebig, aus einem Guss. Wer von Kirchgemeinderatspräsident Theo Ehrsam unter anderem als «begnadeter Seelsorger» umschrieben und von Oltens Stadtpräsident Martin Wey als einer bezeichnet wird, der «ein bisschen Himmel in die Stadt gebracht hat», der braucht sich ums eigene Renommee nicht mehr gross zu kümmern. «Ich glaube, ich habe aus kirchenpolitischer Sicht immer in etwa einen Mittelweg verfolgt», sagt Betschart. Er sei nicht spektakulär gewesen als Pfarrer. Aber: Er habe seine Person, sein Wesen dabei auch nie wirklich unterdrücken müssen. «Der Mittelweg und das eher unpolitische Wirken entsprechen meinem Naturell», schiebt er nach.

Der geborene Pfarrer also? Betschart lächelt. Die Eltern hätten die Berufsabsichten ihres Ältesten (Betschart ist der erste von sechs Buben) jedenfalls mit gewissem Gleichmut zur Kenntnis genommen: «Mach uns keine Schande!», hätten sie gesagt. Und Hanspeter aus Hochdorf machte den Eltern keine Schande. Nach der Matura in Luzern folgte das Theologiestudium in Freiburg, im Anschluss daran, 1977, der Ordenseintritt. Die Mutter übrigens habe seinerzeit auf dem Modevornamen Hanspeter bestanden, den er später, als Priester, gelegentlich den Eltern eines Täuflings unterjubeln wollte, wie er bei seinem Abschiedsgottesdienst verriet. Allerdings nur bis zu jenem Zeitpunkt, als eine junge Mutter dem Pfarrer entgegenhielt, man müsse bei der Namensgebung «auch Rücksicht aufs Kind» nehmen. Wer so im Gottesdienst berichtet, kann auf eine Fangemeinde zählen.

Nun hat Betschart Abschied genommen. Die Frage, ob er darob gerührt sein und eine Träne vergiessen werde, verneinte er wenige Tage vor dem Abschiedsgottesdienst. Und jetzt? Der Mann kennt sich. Betschart genoss die Feier, ohne sichtbare Träne jedenfalls. Momente, die zu Rührung Anlass gegeben hätten, gab es viele beim Abschiedsgottesdienst. Etwa als ihn das Ministrantenkorps verabschiedete, unter anderem mit einem «Bhüet di Gott», was selbst den Schreibenden noch fast gar im Halse würgte. Aber was sagt Betschart von sich: «Ein Geniesser bin ich schon.» Bonvivant dagegen will er nicht sein. Der Begriff scheint ihm zu einseitig besetzt. Betschart wählt auch hier – den Mittelweg.

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