Peter Schafer wollte noch einmal als Oltner Stadtrat antreten, aber die SP-Parteileitung um Präsidentin Brigitte Kissling wollte dies nicht mehr: Nun verzichtet der Vorsteher der Direktion Soziales auf eine Kandidatur für das fünfköpfige Gremium – es wäre seine fünfte Amtszeit gewesen.

«Mit seinem Entscheid stellt Peter Schafer die Interessen der SP der Stadt Olten vor seine eigenen, denn er wäre durchaus bereit und motiviert gewesen, weitere vier Jahre in der Führung der Stadt an vorderster Front mitzuwirken», heisst es in der gestern Nachmittag verschickten Mitteilung der Partei.

Der Rückzug erfolgt also unter Druck der Partei: Er ist von der Geschäftsleitung gebeten worden, nicht mehr zu kandidieren. Mitte Juni hatte der amtsälteste Stadtrat gegenüber dieser Zeitung noch verlauten lassen, dass er eine weitere Legislatur anhängen möchte und er sich sogar einen Wechsel in eine andere Direktion vorstellen könnte. Diese Aussagen waren allerdings nicht mit der Parteileitung abgesprochen.

Nun sagt er: «Ich kann damit leben, dass mich die Partei als Sesselkleber wahrnimmt.» Eine wilde Kandidatur kommt für ihn mit der neuen Ausgangslage daher nicht infrage: «Ich würde mich völlig überschätzen und mein Eigenwohl in den Vordergrund stellen, weil ich dank der Partei und nicht nur als Peter Schafer gewählt wurde.»

Und da die Parteileitung das von der Basis beschlossene Zweierticket für die kommenden Stadtratswahlen im März nicht mehr zur Debatte stellen will, schliesst dies auch eine Kandidatur neben dem bisherigen Thomas Marbet und der neu portierten Marion Rauber aus.

Er sei zwar enttäuscht, aber auch erleichtert, sagt der 54-Jährige. Letztes, weil er nun bald weniger Termine wahrnehmen müsste und ein neues Kapital in seinem Leben aufschlagen könne. Der Lokführer mit einem 50-prozentigen Teilpensum muss sich nach dem Wegfall des Stadtratsmandats beruflich zum Teil neu orientieren.

Ob er sein Lokführer-Pensum aufstocke oder in einer anderen Form sein politisches Amt kompensiere, wisse er noch nicht. Zeit dafür hat er genug: Die jetzige Legislatur endet im Juli 2017.

SP schielt aufs Stadtpräsidium

Die Gründe der Parteileitung, Peter Schafer nicht mehr zu unterstützen, sind strategischer Natur. Zum einen kam der Wunsch bei der Basis auf, dass die Partei mit einer Frau als Kandidatin bei den Stadtratswahlen antrete. Neben der neuen Bewerberin Marion Rauber soll es gemäss Parteiinsidern keine weiteren Interessenten geben.

Zum anderen schielen die Sozialdemokraten als stärkste Fraktion im Gemeindeparlament in vier Jahren aufs Präsidium, falls der bisherige Stadtpräsident Martin Wey dannzumal nicht mehr antreten sollte.

Dass die Strategie, die beiden Stadtratssitze nur mit einem Bisherigen und einer neuen Kandidatin zu verteidigen, nicht ganz ohne Risiko ist, will SP-Präsidentin Brigitte Kissling nicht abstreiten. «Der Wahlkampf wird eine Herausforderung sein, soll aber auch die Kräfte mobilisieren.