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Peter André Bloch: Am Freitag wird der Oltner Weltbürger 80-jährig

Peter André Bloch, so etwas wie der Doyen der Kulturszene, wird am Freitag 80-jährig.

Peter André Bloch, so etwas wie der Doyen der Kulturszene, wird am Freitag 80-jährig.

Peter André Bloch wird am Freitag 80-jährig. Er gilt als der Kulturvermittler schlechthin. «Ich würds wieder genau gleich machen», sagt der Mann mit Wohnsitz Olten im Rückblick.

Sein Palmarès: lang, sehr lang. Kaum ein Jahrzehnt seit den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts, in welchem er nicht eine Rolle spielte; als tragende oder mittragende Figur in irgendeinem Bereich der Kultur, die für ihn im selben Atemzug wie Bildung genannt werden will. Und dies über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus.

Spätestens jetzt kommen nicht nur Insider drauf: Die Rede ist von Peter André Bloch, der am Freitag 80-jährig wird, in beneidenswerter Verfassung übrigens. «Ich bin gesund, mir tut nichts weh; das empfinde ich als eine Gnade», sagt der Mann mit Wohnsitz Olten.

Gnade – die sakrale Wortwahl passt irgendwie: Bloch, Katholik, geboren in Balsthal, mit familiären Wurzeln in der Schälismühle Oberbuchsiten, kennt reihenweise Pfarrerkarrieren in der verzweigten Verwandtschaft.

Aber: «Eine solche für mich? Undenkbar», meint er schon fast kategorisch. Eigentlich eher unüblich für einen, der die Klaviatur der subtilen Töne beherrscht, auch wenn er zugibt, durchaus eruptiv sein zu können. «Was will man machen, ist halt eine Eigenart von mir», erklärt er und sieht die Ursache dafür in seiner Sensibilität, wie er meint.

Stichworte müssen genügen

Aber eben, sein Palmarès: Stichworte und eine willkürlich getroffene Auswahl müssen genügen. In erster Linie war er ja, das geht bei ihm leicht vergessen, Gymnasiallehrer mit den Fächern Deutsch und Französisch und als solcher Initiant vieler Schultheateraufführungen, sodann Mitarbeiter im Kleintheater Zielemp (1966), Berufung zum Leiter des Begegnungszentrums Waldegg (1974), Lehrtätigkeiten an verschiedenen französischen Universitäten (seit 1979), Stiftungsratspräsident von pro Olten (1988-1998), Gründung Palais Besenval als Kultur-, Dokumentations- und Informationszentrum (1990), Gründungsmitglied Kulturzentrum Schützenmatte und Stiftungsratspräsident Schloss Wartenfels (1995), Ernennung zum Ritter des Ordens Palme Académique (2004), Mitglied der Académie d’Alsace (2008) und seit 37 Jahren Redaktor der Oltner Neujahrsblätter. Dazu kommen ungezählte Publikationen.

Ein Schelm, der ihn ob solchem Tun Kulturpapst heisst? Peter André Bloch schliesst für zwei, drei Momente die Augen. Dann hebt er an: «Ach, ich hör’ das nicht so gern, denn eigentlich habe ich immer in Gruppen gearbeitet, und war nie von autokratischen Mechanismen getrieben.»

Etwas anderes treibt ihn heute um. Der Umstand nämlich, dass der Kulturbetrieb sofort unter Druck gerät, wenn die öffentliche Hand den Schalter aufs Sparen umlegt. «Das ist beelendend», meint er.

Und der Schmerz darob legt sich beim Mann, der nicht nur Bilder Cuno Amiets oder Roman Candios im Haus hängen und Skulpturen Paul Gugelmanns stehen hat, für ein paar Momente aufs Gesicht.

Freundschaft mit Dürrenmatt

«Fernab aller Ideologien sehe ich mich als philosophischen Beobachter dieser Welt, der Menschen und der Kräfte, die in dieser Konstellation wirken», sagt er dann, wieder Freudigerem zugewandt. «Andersrum hätte ich gar nicht in so vielen Bereichen aktiv sein können.» Solches bedinge ein gewisses Aussenseitertum, das mache auch ein bisschen einsam, weiss Bloch um seine Stellung.

Das Schicksal eines Weltbürgers mit regionalem Cachet vielleicht, der sich stets bemüht, verständlich zu bleiben, dem Regionalen seinen Platz zu geben, dem Abgehobenen zu widersagen. Bloch gehörte zum Freundeskreis Friedrich Dürrenmatts, den er schätzte und mit dem er sich, neben Friedrich Nietzsche intensiv auseinandersetzte und austauschte. Dass Dürrenmatt dieser Welt mit optimistischem Pessimismus begegnete, hat Bloch nie gestört. «Dahinter steckte so was wie Schalk», erklärt er heiter.

Gefallen hat Bloch auch, dass sich der Berner und Pfarrerssohn nie instrumentalisieren, nie explizit den organisierten politisierten Staatsbürger erkennen liess. «Ich hab Dürrenmatt mal gefragt, ob er nicht der Gruppe Olten, einer Schriftstellervereinigung, beitreten wolle. Seine Antwort war: Ich bin Schriftsteller und nicht Unterschriftsteller», lacht Bloch.

Wer so lange wie der 80-Jährige auf dem Kulturweg schreitet, muss Freunde und Feinde haben. «Feinde?», fragt Bloch und spitzt die Lippen. Natürlich gebe es Menschen aus dem Kulturraum, für die er sich – nach deren Ansicht – zu wenig oder gar nicht eingesetzt habe. Er geht relativ gelassen damit um. Aber verkneifen kann er sich den entschuldigenden Satz «Ich kann ja nicht überall sein» dann doch nicht.

Ein leises Indiz dafür, dass sich der dreifache Familienvater und Grossvater doch als heimlicher Triangulationspunkt der lokalen Kulturszene sehen könnte? Zumindest als deren Fürsprecher. «Kultur und Bildung sind Menschenrechte», hat er im Laufe des Gesprächs ein bisschen trotzig erklärt und mehrfach wiederholt. Trotzig glaubhaft für einen Kulturvermittler, als den er sich sieht und auf den er sich beschränkt. «Selbst Kulturschaffender zu sein, daran hätt’ ich mich nie gewagt», gibt er zu verstehen.

Ein Rückblick in Minne

Jetzt feiert Peter André Bloch seinen 80. Geburtstag; mit Freunden aus Europa, Verwandten, Bekannten. «Ich freue mich darüber, von vielen Menschen Glückwünsche entgegennehmen zu dürfen», sagt er. Gefeiert wird, es liesse sich erahnen, auf Schloss Wartenfels, wo die gleichnamige Stiftung so etwas wie ihre geografische Heimat hat und der Bloch seit mehr als 20 Jahren vorsteht.

«Wissen Sie, bei allem Engagement darf ich sagen, dass die grösste Bereicherung meines Lebens die Gründung einer eigenen Familie war. Zusammen mit meiner Gattin Elisabeth, die mir grösstmögliche Freiheiten liess, die mich nie vom Schreiben abhalten wollte und auch nie dagegen war, wenn ich, zum wiederholten Mal, ein spezielles Buch oder auch immer wieder Bilder oder Zeichnungen erwarb, entwickelten wir gemeinsam die Verantwortung füreinander, in beglückender Selbstverständlichkeit und Wärme. Ich bin so etwas wie ein Glückspilz», sagt Bloch und die Frage, was er beim Blick zurück denn bei aller Zufriedenheit anders machen würde, beantwortet er simpel und einfach: «Ich würds wieder genau gleich machen.»

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Autor

urs huber

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