Persönlich
Kinderlied – Marke harmlos

Urs Huber
Urs Huber
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Meteorologische Phänomene brechen gnadenlos über uns herein.

Meteorologische Phänomene brechen gnadenlos über uns herein.

Bruno Kissling

Entsinnen Sie sich? An dieses harmlose Kinderliedchen, das den Müttern Tränen der Rührung in die Augen trieb, wenn wir als Primarschüler in seltener Eintracht «Es regnet, es regnet» vor uns hin trällerten? Manchmal gar als dreistimmigen Kanon und dann erst noch in «Schriftdeutsch», wie man damals noch sagte. Und während wir bei Regenwetter in farbigen Pelerinen durch Pfützen und Rinnsale von dannen und der Schule entgegen stampften, winkten die Mütter hinterher.

Ja, das war schön damals. «...es regnet seinen Lauf, und wenn’s genug geregnet hat dann hört’s auch wieder auf.» Genau so sang sich eine der Strophen. Woher wir damals die Gewissheit nahmen, dass es dann schon wieder aufhören würde zur richtigen Zeit, ist mir heute schleierhaft. Aber wir hatten diese naive Zuversicht. Mittlerweile ist die verflogen.

Heute habe ich den Eindruck, alles Meteorologische würde über uns hereinbrechen; ohne Scham, Furcht, Rücksicht, ja gnadenlos. Regen, Sonnenschein, Hitze, Kälte. Für harmlose Liedchen über irgendwelche Wetterphänomene ist heute kein Platz mehr. Darum: Hüten Sie sich davor, Tina Turners «I Can’t’ Stand The Rain» vor sich hin zu summen. Die Reaktion darauf könnte, so fürchte ich, verheerend sein.