Beim zweiten Wahlgang für die offenen zwei Sitze im Oltner Stadtrat kommt es zu keinen Allianzen zwischen den verschiedenen Parteien. Weder die Bürgerlichen noch die Linken geben sich gegenseitig Wahlempfehlungen ab. Damit kämpfen am 23. April die drei Kandidatinnen Iris Schelbert (Grüne), Marion Rauber (SP) und Monique Rudolf von Rohr (FDP) ohne Unterstützung einer zusätzlichen Partei als der eigenen um ein Mandat im fünfköpfigen Stadtrat.

Als einzige aller Parteien hat die SVP, die ihre eigene Kandidatin Ursula Rüegg nach der Schlappe im ersten Wahlgang zurückgezogen hatte, die Basis über eine allfällige Wahlempfehlung für die zweite Runde abstimmen lassen. An der Parteiversammlung vom Mittwochabend durften sich die drei verbliebenen Stadtratsanwärterinnen einem Hearing stellen. Jede Kandidatin hatte fünf Minuten Zeit, sich vorzustellen und musste sich danach kritische Fragen von SVP-Parteipräsident Philippe Ruf gefallen lassen. Nach der halbstündigen Übung wurden die drei Kandidatinnen verabschiedet und die Parteiversammlung diskutierte über eine allfällige Wahlempfehlung. Der Antrag der Parteileitung auf Stimmfreigabe wurde dabei einstimmig gutgeheissen.

Dass die beiden linken Kandidatinnen Schelbert und Rauber nicht von der SVP empfohlen werden, war absehbar – «damit würden wir quer in der Landschaft stehen», so Gemeinderat Christian Werner. Überraschend deutlich fiel bei den rund 25 Anwesenden allerdings auch die einzige bürgerliche Kandidatin Rudolf von Rohr durch. Ihr wurde zum einen ein Leserbrief mit dem darauf folgenden Interview zum Verhängnis, beides erschienen im November 2015 in dieser Zeitung. Die damals frischgebackene FDP-Parteipräsidentin sagte, dass «Schulterschlüsse mit der SVP des Freisinns Tod» seien und man bei Wahlempfehlungen für SVP-Kandidaten «sehr vorsichtig» sein müsse.

Zum anderen wurde ihr in verschiedenen Voten vorgehalten, dass sie eigentlich eine «Linke» sei respektive «eine linksliberale Haltung» habe. Das Gegenvotum des Gemeinderats Ernst Eggmann, die SVP solle sich für Rudolf von Rohr «durchringen», weil man mit der FDP im Parlament viele Geschäfte durchgebracht habe, fand keinen Anklang.

FDP-Knapp reagiert erstaunt

Ebenfalls nicht offiziell unterstützt wird Rudolf von Rohr von der CVP, wie Co-Parteipräsident Christoph Fink auf Anfrage sagte. «Wir bekamen von der FDP kein Gesuch oder Antrag. Daher werden wir von uns aus nicht aktiv und fühlen uns nicht angesprochen.» Zudem müsste eine solche Wahlempfehlung die Basis entschliessen.

FDP-Fraktionspräsident Urs Knapp ist auf Anfrage erstaunt über diese Aussagen: «Manchmal ist das Gedächtnis gewisser Parteileute doch sehr kurz.» Er spricht dabei die bürgerliche Allianz an, die bei den letzten Stadtpräsidiumswahlen 2013 griff: CVP-Kandidat Martin Wey wurde von der FDP empfohlen, im Gegenzug unterstützte Wey FDP-Stadtrat Benvenuto Savoldelli in dessen Bestreben, Vizepräsident zu werden und die Direktion Finanzen zu übernehmen. Knapp erhofft sich nun, dass zumindest einzelne Exponenten hinstehen, um Wahlempfehlungen für die FDP-Kandidatin abzugeben.

Auch bei den beiden linken Parteien gibt es keine gegenseitige Unterstützung. SP-Fraktionspräsident Ruedi Moor: «Wir haben miteinander keine intensiven Gespräche geführt.» Stadtratswahlen seien Personenwahlen, da sei es schwierig zu sagen, ob das der eigenen Kandidatin überhaupt nütze. Ähnlich tönt es bei den Grünen von Gemeinderätin Myriam Frey: «Wir sehen keine Veranlassung zu einer solchen Wahlempfehlung.» Entscheidend sei ein guter Wahlkampf. Frey geht davon aus, dass Schelbert nun noch ein Komitee gründen werde.