Derzeit sammelt das Komitee «Lebendiges Olten» Unterschriften gegen das Parkierungsreglement, das Ende September vom Gemeindeparlament abgesegnet wurde. Mit Argumenten unterstützt wurde die vierköpfige Gruppe auch vom Schweizer Detailhandelsverband Espace Mobilité, dem unter anderem Coop und Migros angehören. Weil schweizweit aktiv nimmt die Organisation vor allem bei Vernehmlassungen teil, welche die Umwelt-, Raumplanungs- oder Verkehrspolitik auf Kantons- und Bundesebene betreffen. Gelegentlich äussert sich Espace Mobilité aber auch auf lokaler Ebene, wie dies beim Mobilitätsplan und beim Parkierungsreglement in Olten der Fall war. Geschäftsführer Thomas Schaumberg, der selbst in Olten wohnt, sagt, was er vom Parkierungsreglement hält.

Herr Schaumberg, warum ist aus Ihrer Sicht das jetzige Parkierungsreglement der falsche Weg?

Thomas Schaumberg: Beim Reglement wird ein grundsätzlicher methodischer Fehler gemacht: Das Hauptkriterium darin ist die Qualität des öffentlichen Verkehrs beim Zielort, also in diesem Fall an einem bestimmten Ort in Olten. Das entscheidende Kriterium für den Kunden ist hingegen die Qualität des Bus- und Bahnverkehrs am Startort, also an seiner Wohnadresse. Und dies wird darin nicht berücksichtigt.

Veranschaulichen Sie dies an einem Beispiel.

Nehmen wir eine Familie aus dem Dorf Wisen, wo der Bus höchstens einmal pro Stunde fährt und die Haltestelle 750 Meter zu Fuss vom Wohnhaus entfernt ist. Sie tätigt den Wocheneinkauf mit dem Auto in Olten. Mit dem neuen Parkierungsreglement werden in Olten auch für Einkaufszentren mit mehr als 50 Kundenparkplätzen gleich von Beginn weg Parkgebühren erhoben. Zudem sollen künftig weniger Kundenparkplätze möglich sein. Die Familie hat aufgrund dieser Parkplatzeinschränkungen jedoch keinen Anreiz, den Wochenendeinkauf, der mit einem Transport von mehreren Einkaufstaschen verbunden ist, mit dem Bus zu tätigen. Im Gegenteil: In der Regel kommt es wegen der Parkgebühren und dem kleineren Parkplatzangebot zu einem Ausweichverhalten: Die Familie könnte animiert werden, beispielsweise in den Gäupark zu fahren, wo noch keine Gebühren bezahlt werden müssen und ausreichend Parkplätze vorhanden sind. Dies wäre für Olten nicht wünschenswert und führte zudem zu längeren Fahrtwegen und damit zu höheren Schadstoffemissionen.

Sie schreiben in einem Fachbeitrag zudem, dass Menschen nicht nur nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip entscheiden, sondern auch andere Faktoren wichtig sein können.

Laut einer neuen Studie (siehe Box unten) trifft der Mensch auch in der Mobilität seine Entscheidungen äusserst selten nach den klassischen Zeit- und Kostenfaktoren. Gemäss Vorher-Nachher-Untersuchungen haben Parkplatzgebühren oder deren Erhöhungen nicht zur beabsichtigten Verhaltensänderung bei den Verkehrsteilnehmern geführt. Das heisst aber auch, dass die Qualität des öffentlichen Verkehrs nur eines von verschiedenen Entscheidungskriterien ist. Es kommt auch auf die Einkaufsmenge, das Wetter oder darauf an, ob man nach dem Einkauf noch eine weitere Aktivität vorhat. Für die meisten Leute ist das Auto daher das zweckmässigste Verkehrsmittel für den Einkauf, weil es mit einem Warentransport verbunden ist. Es macht daher keinen Sinn, Menschen zu einem Entscheid zwingen zu wollen, der ihnen widerstrebt.

Was müsste aus Ihrer Sicht beim Reglement anders sein, damit es akzeptabel wäre?

Wir von der Interessensgemeinschaft des Detailhandels sind dagegen, dass der Staat öffentlich zugängliche Parkplätze auf privaten Grundstücken reglementiert. Die privaten Eigentümer wie beim Sälipark sollen selbst bestimmen können, ob sie Parkgebühren erheben wollen oder nicht. Das kann zum Beispiel nützlich sein, um Fremd- oder Langzeitparkierer zu vermeiden. Daher bräuchte es aus unserer Sicht gar kein Reglement für Parkplätze auf privatem Grund.

Sie sind selbst in Olten wohnhaft: Wie schätzen Sie die Parkierungssituation hier ein?

Ich mache meinen Wocheneinkauf im Sälipark mit dem Auto und sehe oft, wie dort am Samstag alles überfüllt ist. Es dürften dort sicher keine Parkplätze abgebaut werden. Das führte nur zu verärgerten Kunden oder zu erhöhtem Suchverkehr in der Umgebung respektive zum vorher beschriebenen Ausweichverhalten. Das gleiche gilt für die grösstenteils öffentlichen Parkplätze in der Innenstadt, weil es dort bei einzelnen Geschäften wirklich ums Überleben geht.