Ob es in Olten insgesamt tatsächlich an Parkplätzen mangelt, ist umstritten. Was aber im Gegensatz zu Solothurn oder Aarau fehlt, ist ein grosses, zentral gelegenes Parkhaus, das die Innenstadt für den Einkaufsbummel attraktiver machen würde. Den Plan zur Attraktivierung der Innenstadt mit einem Parkhaus unter dem Munzingerplatz und der autofreien Neugestaltung des Platzes hat das Stimmvolk im Juni 2010 mit 54 Prozent Nein-Stimmen verworfen.

Seither herrschte Funkstille. Offiziell, aber hinter den Kulissen wird schon seit einiger Zeit an einem neuen Plan für ein Parkhaus in der Innenstadt gearbeitet. Und der wird jetzt konkret, es liegt ein Projekt vor: Es sieht auf drei Tiefgeschossen und einer Gesamtfläche von 13 500 Quadratmetern 440 Parkplätze unmittelbar im Zentrum vor. Das Projekt soll rein privat finanziert werden, Investoren für den auf rund 25 Millionen geschätzten Bau sind an der Hand, das ins Auge gefasste Gelände gehört dem Kanton. Damit könnte eine Wiederholung der innerstädtischen politischen Debatte von damals weitgehend umgangen oder zumindest entschärft werden.

Dennoch ist es ein kühner Plan, denn das Parkhaus, das den Initianten vorschwebt, soll an einem überaus sensiblen Standort errichtet werden: Unter dem Garten des Kapuzinerklosters, das eben nicht dem Kapuzinerorden, sondern dem Kanton gehört.

Kapuziner: «Klipp und klar Nein»

Die Idee reift schon seit ein paar Jahren, aber jetzt gilt es ernst: Die treibenden Kräfte dahinter sind Unternehmer Marc Thommen und Architekt Massimo Hauswirth, die sich 2011 zusammengetan und (auch im Sinn einer Nachfolgeregelung für Hauswirths Architektur- und Planungsbüro) die «Aare Architektur + Design AG» gegründet haben. Am 13. November stellten sie das Parkhaus-Projekt der «Aare Architektur + Design AG» den Klosterbrüdern vor. Mit dabei war seitens der Initianten auch Markus Vitelli, Geschäftsführer der Oltner STA Strassen- und Tiefbau AG. Ebenfalls ins Kapuzinerkloster geladen waren Regierungsrat Roland Fürst und Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli.

Obwohl das Projekt detailliert ausgearbeitet ist, will Projektverfasser Massimo Hauswirth zum jetzigen Zeitpunkt gegenüber der Öffentlichkeit keine weiteren Informationen preisgeben und nicht näher dazu Stellung nehmen. Die Initianten ihrerseits hielten damit ihren Teil der Abmachungen ein, sagt er. In den Worten schwingt Enttäuschung über die Gemeinschaft der Klosterbrüder mit.

Aufgrund früherer Kontakte war man erstens davon ausgegangen, dass die Kapuziner den Plänen grundsätzlich offen gegenüber stehen. Zweitens sollte nach der ersten Präsentation ein weiteres Gespräch im Januar stattfinden, bevor es um die konkrete Diskussion der vor allem beim Kanton zu treffenden Entscheide geht und die Pläne öffentlich werden. Nun sieht es aber so aus, dass die Klosterbrüder darauf hinzuwirken versuchen, dass es gar nicht so weit kommt.

Die Oltner Kapuziner sind mit einem Schreiben bei Regierungsrat Roland Fürst (mit Kopie an Stadtpräsident Martin Wey) vorstellig geworden, in dem sie sich gegen die Parkhauspläne verwahren. Die Klostergemeinschaft sage zum Bau eines Parkhauses klipp und klar Nein, heisst es darin. Vor wenigen Tagen haben die Klosterbrüder zudem ihrerseits einige handverlesene Gemeindeparlamentarier versammelt, um diese über die Pläne ins Bild zu setzen und sich selber einen vertieften Einblick in die Parkplatzsituation in der Stadt zu verschaffen. Eingeladen waren dem Kloster wohlgesinnte CVP-Vertreter sowie Vertreter von SP und Grünen. «Es ging dabei ja nicht darum, positive Stimmen zum Parkhausprojekt zu sammeln», sagt Klosterbruder Sigisbert Regli zur Auswahl ganz offen.

Am Anfang «nicht abgeneigt»

Guardian Werner Gallati räumte auf Anfrage gegenüber dem OT ein, dass er selber sich gegenüber den Parkhausplänen zunächst tatsächlich «nicht abgeneigt» gezeigt habe, als sie im Jahr 2013 bei einem Treffen mit den Initianten im «Rathskeller» ein erstes Mal angesprochen worden waren. Das seien damals aber nur oberflächliche Gespräche gewesen, man habe sich damals noch keine konkreten Gedanken über die Konsequenzen gemacht.

Das Projekt sieht vor, dass der Klostergarten nach Abschluss der Bauarbeiten der Kapuzinergemeinschaft wieder uneingeschränkt zur Verfügung steht. Der kleine Friedhof der Mönche auf dem Areal bliebe beim Parkhaus-Bau sowieso unangetastet. Das ist auch nicht das Problem der Klosterbrüder. Ihnen geht es um die Beeinträchtigung während der Bauzeit von rund zwei Jahren. Den (vom Kantonsbaumeister eingebrachten) Vorschlag, sie könnten ja vorübergehend umziehen, halten sie für wenig verständnisvoll gegenüber ihrem Wirken. Es gehe nicht um die persönliche Ungestörtheit, sondern darum, dass das Kloster und die Klosterkirche als Ort der Stille erhalten bleiben. In der Kirche finden auch unter der Woche Gottesdienste und vor allem Abdankungsfeiern statt.

Der Entscheid, ob das Parkhaus-Projekt weiter verfolgt werden kann, liegt jetzt beim Kanton. Dazu lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, heisst es dort. «Man ist sich der besonderen Sensibilität des Ortes aber sehr bewusst», meint Bernardo Albisetti, Sekretär des Justiz- und Baudepartements.