Mit der 23. Auflage von JugendArt gleitet die Reihe so langsam ihrem Jubiläum entgegen und kein Mensch in der Schützi zieht in Zweifel, dass in zwei Jahren nicht ein Vierteljahrhundert JugendArt gefeiert werden kann. Die einwöchige Veranstaltung mit breitem Rahmenprogramm spült heuer Werke von 19 Ausstellenden (zwei mehr als in den vergangenen beiden Jahren) an die Oberfläche.

Kein Wunder bedeutet die 23. Auflage so etwas wie Teilnahmerekord. So viele Bewerbungen um einen Ausstellungsplatz habe es seit Jahren nicht mehr gegeben, liessen die Organisatoren im Vorfeld der Veranstaltung verlauten.

Keine Obligatorien

Es gab so gut wie keine gesellschaftlichen Obligatorien am Eröffnungstag und von Vernissagereden um 11 Uhr keine Spur. Von gesellschaftlichen Zwängen zeigt sich die JugendArt unberührt. Sonst aber unterscheidet sie sich vom etablierten Kunstbetrieb nicht mehr heftig. Küsschen da und Huldigungen dort; man kennt sich; betriebswirtschaftlich relevante Aufgeregtheit an einigen Stellwänden: Da wollen «Personality Cards» adrett aufgelegt sein und akkurat an den Gast gebracht werden.

«He jo, s’isch no glatt» sagt die eine Besucherin zu ihrem Pendant und zeigt mit dem halb ausgestreckten Arm auf eine Fotoserie in schwarz-weiss. Diese könnte genau so gut in einer Fotogalerie hängen. Irgendwie zu perfekt für JugendArt; fast erwachsen eigentlich. Aber im Grunde genommen bilden just dies Verwerfungen zwischen Perfektion und spontanem Tun den Reiz der JugendArt. Sie ergeben ein Panoptikum der Jugend, auch wenn die Summe der Exponate halt schon sehr erwachsen – oder wäre professionell ein besseres Wort – daherkommt.

Monochromie perfektionieren

«Fertig bin ich nie.» Der das sagt ist der Jüngste unter den Ausstellenden, kommt aus Gunzgen, heisst Artem Zakirov, besucht die neunte Klasse der Kreisschule Untergäu und beginnt im Sommer eine Lehre als Elektroinstallateur. «Man kann immer noch etwas aus einem Bild herausholen, den Schattenwurf vervollkommnen, die Monochromie einer Fläche perfektionieren.» Artem Zakirov gesteht das unumwunden zu. Er präsentiert an der JugendArt ein halbes Dutzend Porträts, mit Bleistift der unterschiedlichsten Härtegrade in naturalistischem Genre gehalten. Es dränge ihn zu zeichnen, sagt er. Früher etwa Autos, jetzt Porträts, die er im Internet als Fotografien runterlädt und dann – abzeichnet. Ganz simpel eigentlich, aber mit überraschendem Effekt. Vor Jahren habe er noch ein Gitterraster über die Bilder gelegt, um den Proportionen gerecht zu werden. «Heute habe ich das einigermassen im Griff», sagt der Oberstufenschüler ganz nüchtern, der eine Zeit lang an einem eher künstlerischen Beruf rumstudiert hat, sich aber schliesslich andersrum entschied. «Zeichnen», erklärt er, «das ist ein Hobby von mir. Da steckt kein Zwang dahinter, höchstens ein Innerer. Aber wenn das zum Beruf wird: Wer weiss?» fragt er noch.

Artem Zakirov braucht keine grossen Gesten, er wirkt wie der Junge von nebenan. Aber er bedankt sich artig dafür, dass er zwei, drei Fragen gestellt bekommen hat. Auch das ist JugendArt.