Der 33-jährige Angeklagte wirkte ausgemergelt und fahl, als er am Montag zur Urteilsverkündung vor dem Amtsgericht erschien. Am 3. November 2014 hatte er in Winznau ein damals 9-jähriges Mädchen zu sexuellen Handlungen genötigt. Seither plage ihn das schlechte Gewissen, wie sein Verteidiger während der Verhandlung Anfang Dezember wissen liess.

Und wohl auch die ungeheuerliche Erkenntnis, dass er unter einer pädophilen Störung leidet. Weinend und die Hände vor das Gesicht geschlagen drückte er sich während einer Verhandlungspause in eine Ecke im Amtsgericht.

Vergehen leicht bis mittelschwer

Das gesprochene Urteil mag für ihn einer Erlösung gleichkommen, kann er so doch zumindest die auf sich geladene Schuld sühnen: Das Amtsgericht verurteilte den Mann zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe, davon ein Jahr unbedingt. Die bereits begonnene ambulante Therapie hat er vollzugsbegleitend weiterzuführen. Überdies hat er dem Opfer eine Genugtuung von 20'000 Franken zu leisten.

Das Gericht erachtete das Verschulden des Mannes als leicht bis mittelschwer. Im November 2014 hatte dieser auf dem spärlich beleuchteten Fussweg zum Winznauer Schulhaus Büelacker abends um sieben ein 9-jähriges Mädchen mit einer Softgun bedroht. Er sagte ihr, er würde sie erschiessen, sollte sie seinen Anweisungen nicht Folge leisten. Er drängte sie in die bewaldete Böschung, wo sie ihm auf sein Geheiss einen Kuss auf den Mund gab. Danach forderte er sie auf, sein entblösstes Geschlechtsteil zu streicheln und in den Mund zu nehmen. Schliesslich griff er ihr in den Hosenbund und berührte ihre Vagina.

Zugunsten des Beschuldigten hielt Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei fest, dass der Angeklagte nicht zusätzlich physische Gewalt anwendete, um das Mädchen gefügig zu machen. Auch hätten die sexuellen Übergriffe wesentlich schwerer ausfallen können. Als das Mädchen wiederholt äusserte, es müsse nach Hause und die sexuelle Handlung nicht nach den Vorstellungen des Mannes verlief, liess er von der 9-Jährigen ab.

Pädophil und persönlich unreif

Dennoch wollte der Amtsgerichtspräsident die Tat des Mannes keinesfalls verharmlosen. «Ich finde das eine Katastrophe, wenn man so in die Entscheidungsfreiheit eines Mädchens eingreift», machte er seine Meinung deutlich. Das Opfer habe zudem Todesangst ausgestanden, da es dachte, es werde erschossen.

Laut psychiatrischem Gutachten besteht beim Täter eine pädophile heterosexuelle Ausprägung. Eine leichte Strafmilderung ergab sich aufgrund einer persönlichen Unreife, die ihn in seiner Steuerungsfähigkeit leichtgradig einschränkt. Die Therapie, die er bereits begonnen hat, weckt aber laut Bericht Hoffnung.

Zusätzlich zum Tatbestand der sexuellen Nötigung und der sexuellen Handlungen mit einem Kind wurde der ehemalige Polizist der mehrfachen Pornografie angeklagt. Aufgrund frustrierender persönlicher Verhältnisse hatte er 2012 begonnen, Kinder-, Gewalt- und Tierpornografie zu konsumieren. Seine Perspektivlosigkeit schlug sich Ende 2014 in der Überzeugung nieder, dass nun nichts mehr eine Rolle spiele. An jenem Novemberabend 2014 war er mit direktem Vorsatz in Richtung Schulhaus gefahren.

Sein Vergehen kam ihm an der Verhandlung nur schwer über die Lippen.

Amtsgerichtspräsident Orfei wiederholte während der Urteilsverkündung, was er auf den Angeklagten bezogen schon während des Prozesses geäussert hatte: «Man schaut in den Spiegel und will sich nicht eingestehen, dass man da ein Monster sieht.»

Der TeleM1-Bericht zur Verhandlung: 

Auf dem Schulweg zugeschlagen

Auf dem Schulweg zugeschlagen

Ex-Polizist Ivo A. stand vor Gericht. Er hatte eine 9-Jährige mit einer Pistole bedroht und anschliessend sexuell missbraucht. Das Urteil wird am 12. Dezember bekannt.