Olten

Ouvertüre der Schauspielsaison sorgt für Amüsement

Künstlerischer Beirat plus von links Andreas Egli, Madeleine Schüpfer, Margrit Sengebusch (TOBS), Ulrike Brambeer (Landgraf), Regula Grossen und Herbert Schibler.

Künstlerischer Beirat plus von links Andreas Egli, Madeleine Schüpfer, Margrit Sengebusch (TOBS), Ulrike Brambeer (Landgraf), Regula Grossen und Herbert Schibler.

Schon fast traditionsgemäss steht eine französische Komödie am Anfang der Schauspielsaison Saison 2017/18.

Eigentlich wird jede Vorstellungsrunde einer kommenden Stadttheatersaison zum Glanzlicht: für Herbert Schibler, dem Geschäftsführer der Stadttheater Olten AG und für die potenziellen Nutzer des kulturellen Angebots. Für die vergangene Saison noch galt die Prämisse «Kultur ist kein Sahnehäubchen, sondern so etwas wie die Hefe im Teig der Gesellschaft.» Heuer hält Goethe als einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung her. Denn wie heisst doch das Motto der diesjährigen Spielzeit in Anlehnung an dessen «Faust»? Richtig: «Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden nach Haus.» Dafür sorgen unter anderem auch langjährige Partner des Stadttheaters wie das Euro-Studio Landgraf (Titisee-Neustadt) und das Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS). Mit Letzterem habe man die Zusammenarbeit intensiviert; wegen «ausgezeichneter Qualität», wie Schibler vor der Presse meinte.

Dealen mit weichen Drogen

So viel zur Ausgangslage der kommenden Spielsaison. «Schon fast traditionsgemäss eröffnet eine französische Komödie die Schauspielsaison», sagte Schibler an der Pressekonferenz. Genau: Paulette, die verbitterte und bösartige Oma mutiert in der Komödie zur erfolgreichen Geschäftsfrau; dank Deals mit weichen Drogen. Ein amüsantes Stück, welches auch die soziale Frage streift und nach dem gleichnamigen Kinohit produziert wurde.

Eher ernstes Genre

Dann aber wirds über die ganze Schauspielsaison gesehen doch eher ernst: Der Klassiker «Tod eines Handlungsreisenden» (Arthur Miller) oder «Entartete Kunst» (das Stück von Ronald Harwood nimmt sich des Schicksals Cornelius Gurlitts, dem leisen Vertreiber von Kunst aus angeblich unbekanntem Besitz, an) tippen Psychogramme gesellschaftlicher Randfiguren an. Und «Er ist wieder da» (beschreibt die Rückkehr Adolf Hitlers in die Gegenwart) oder «Biedermann und die Brandstifter» (Max Frisch) hieven die Unabwendbarkeit des eigenen oder kollektiven Unglücks auf die Bühne. Schwere Kost auch «Geächtet» von Ayad Akhtar. Darin wird die labile Friedfertigkeit einer multikulturellen kleinen Gesellschaft thematisiert, nachdem Vorurteile und zurückgehaltene Ideologien aufbrechen. «Es ist unsere Aufgabe, solche Stücke zu zeigen», kommentierte Schibler Letzteres. Dagegen wirken «Prost Onkel Erich» (ein Kästnerabend), Konstellationen (Nick Payne) oder Tell (nach Schiller, von Daniela Janjic) wie reizvolle, weil kalorienarme Schokokugeln.

Hair ist ein Evergreen

Die Musiktheatersaison eröffnet mit Rossinis «Barbier von Sevilla», einem Opernklassiker, dem – natürlich – ein Musicalklassiker folgen muss. «Hair» nimmt diese Aufgabe wunderbar wahr und den allermeisten halbwegs bewanderten Zeitgenossen wird auch Franz Lehárs Operette «Die lustige Witwe» ein Begriff sein. Auch so was wie ein Evergreen nämlich.
Darüber hinaus lässt die Saison mit «Backbeat» die Beatles hoch leben und mit «Blue Moon» kommt eine musikalische Hommage an Billie Holiday, einer der bedeutendsten US-amerikanischen Jazzsängerinnen auf die Bühne. Retro-Feeling also, wohin man schaut. Und die «Sweet Soul Music Revue» lässt Funk- oder Soul-Ikonen wie Ray Charles, James Brown oder Stevie Wonder aufleben. Da dürfte «Hairspray» noch die unbekannteste Produktion sein, auch wenn der Musical Chor der Kantonsschule Olten im Sommer 2011 das Stück auf die Bühne brachte.

Konzertreihe aufgestockt

Sechs statt wie üblich fünf Konzerte bestimmen heuer die Konzertreihe. Bernd Glemser lädt am Klavier mit den Heidelberger Sinfonikern zum Mozartabend. Wer schöne Stimmen mag, kommt bei «Sacred Duets» mit Nuria Rial und Valer Sabadus auf die Rechnung und Reinhold Friedrich und Dorothee Mields geben mit dem Mendelssohn Kammerorchester Leipzig das Weihnachtskonzert. Weiter dürfen die Festival Strings mit Renaud Capuçon, das Quartetto di Cremona sowie die Cappella Gabetta mit Andrés Cabetta (Violine) und Mario Stefano Pietrodarchi (Bandoneon) mit «Tango Seasons» nicht fehlen. Letztere ist die Lieblingsformation von Andreas Egli, Mitglied des künstlerischen Beirats. Richtig los aber gehts bereits mit «Best of Swing» am 15. September. Aber das wissen Insider sicher schon.

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