Olten
«Oute? – Oute!»: So stolz sind die Oltner, Oltner zu sein

Das Kunstmuseum entwirft unter Einbezug der Bevölkerung ein Porträt der Dreitannenstadt – und stellt fest, dass viele Oltner insgeheim stolz darauf sind, Oltner zu sein.

Anja Lanter
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Kunstvermittlerin Daniela Müller kann sich ab und zu ein Schmunzeln nicht verkneifen. Fotos: hr. aeschbacher

Kunstvermittlerin Daniela Müller kann sich ab und zu ein Schmunzeln nicht verkneifen. Fotos: hr. aeschbacher

«Du bist ein Oltner, eine Oltnerin, wenn du in Trimbach aufgewachsen bist und es in die ‹City› nebenan geschafft hast.» Ist Olten der Nabel der Welt, wie es dieses Zitat eines Einwohners irgendwie suggeriert? Oder doch etwas ganz anderes? Lassen sich Eigenheiten dieser Stadt und ihrer Bewohner überhaupt benennen? Das Kunstmuseum versucht unter Einbezug von Bevölkerung und Besuchern die typischen Merkmale und Qualitäten der Dreitannenstadt (voilà, da haben wir bereits eine gängige, aber vielleicht etwas langweilige Definition) aufzuspüren und festzuhalten.

Facetten Oltens ausleuchten

Schauplatz hierfür ist der Projektraum «Wir sind Olten», in dem sich ungefähr im Turnus von drei Wochen verschiedene Ausstellungen zu diesem Thema abwechseln. Seit dem 8. Juli und noch bis zum 4. August sind Zitate, Fotografien und Bilder ausgehängt, die im Rahmen der Aktion «Du bisch en Outnere, en Outner, wenn . . .» gesammelt wurden. «Ziel ist es, verschiedene Facetten von Olten zu zeigen und die Stadt als solche zu porträtieren», erklärt Kunstvermittlerin Daniela Müller.

Zu diesem Zweck hat das Museum unter anderem dazu aufgerufen, ihm Fotografien der Stadt zuzusenden, die nun im Projektraum hängen. «Ich habe die Auswahl so getroffen, dass eine möglichst grosse Vielseitigkeit ersichtlich ist», meint Müller mit Blick auf die Aufnahmen. Dies ist ihr auch gelungen: Die Alte Brücke in Schwarz-Weiss, ein Kreisel, Stadthaus und Historisches Museum in der Froschperspektive, die Badi oder ein schillerndes Panoramabild – die Fotografien zeigen Olten aus ganz originellen Blickwinkeln. Und damit erfüllen sie auch die einzige existierende Vorgabe: «Es muss», sagt Müller lakonisch, «einfach Olten sein.»

«Einfach Olten» – ja, was versteht man denn darunter? Mit der Umfrage «Du bisch en Outnere, en Outner, wenn . . .?», an der hauptsächlich Besucher des Kunstmuseums teilgenommen haben, versuchte man, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Resultat ist ein buntes Sammelsurium an Zetteln mit entsprechenden (teils auch klischeehaften) Definitionen. Jetzt, wo sie schön angeordnet im Projektraum präsentiert werden, ist das vorausgegangene Kopfzerbrechen nicht mehr zu erahnen. Doch in Wahrheit war es für die Umfrageteilnehmer eine ziemliche Herausforderung, einen prägnanten Satz zu formulieren: «Viele haben Mühe damit bekundet, eine einzige spezifische Eigenschaft Oltens auszuwählen und niederzuschreiben.»

Kirchgasse kommt gut weg

Doch nicht nur Erwachsene sollten an der Ausstellung beteiligt sein, sondern auch Kinder. Deshalb durften sie während der Kunstlupe, einer monatlich stattfindenden Veranstaltung im Kunstmuseum, gleich zwei Projekte in Angriff nehmen: Einerseits skizzierten die Kinder aus Olten und Umgebung Porträts, andererseits wurden sie mit einem Aufnahmegerät ausgerüstet, um auf der Kirchgasse Meinungen zu verschiedenen Fragen rund um die Dreitannenstadt einzuholen. Aufschlussreiche Antworten inklusive: So hat sich etwa durch ihre Befragung herauskristallisiert, dass eine Vielzahl der Interviewten die Kirchgasse als ihren Lieblingsplatz bezeichnet.

Ferner seien die Begriffe Schokolade («Wie riecht Olten?»), grün («Welche Farbe hat Olten?») oder Badi («Was ist dein Lieblingsplatz?», «Was ist dir wichtig an Olten?») öfters gefallen. «Natürlich erfüllt die Aktion nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, aber ein Grundtenor ist mittels dieser Aussagen dennoch auszumachen», bilanziert Daniela Müller. Ein durchaus positiver sogar (siehe Zitate rechts). Erstaunlich – geben sich doch die Oltner selbst häufig herablassend oder resigniert in Bezug auf ihre Stadt. Vielleicht nur unehrliches Gerede? Nicht ausgeschlossen: «Die Leute würden es zwar nie zugeben, aber vor allem in Gesprächen ist deutlich geworden, dass sie stolz sind, Oltner zu sein», sagt Müller. Umso überraschender, wenn sich jemand doch getraut und gar eine Art Hommage an Olten macht: «Du bist ein Oltner, eine Oltnerin, wenn du weisst, dass du überall hinkommst, aber nie mehr weg willst.»

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