Nach der Herausgabe des Kunstbandes «Otto Morach Bildersammlung» durch Christian und Marlis Pflugshaupt, entstand in Zusammenarbeit mit dem Neffen des Künstlers Hugo Stüdeli nun der zweite Bildband «Plakate und Zeichnungen».

Er setzt sich vertieft und höchst originell mit Morachs Plakatkunst und seinen Zeichnungen auseinander, aber auch mit seinen bis anhin unbekannteren Skizzenbüchern, Holzschnitten, Marionetten und Textilien.

Christian Pflugshaupt führte an der Vernissage vom vergangenen Sonntag durch den Abend und stellte die Autorinnen und Autoren Bettina Richter, Marie-Louise Hieronymus-Schaller, Eva Korazija, Medea Hoch, Kristin Haefele Hauser, Rudolf Koella und den Künstler Kurt Hediger sowie Hugo Stüdeli vor.

Er dankte für die gelungene Zusammenarbeit und die spannenden Texte sowie für die aufwendige Buchgestaltung durch Josef Rippstein. Dieser zweite Kunstband präsentiere den Maler Otto Morach (1887–1973) von einer ungemein vielseitigen und höchst unterhaltsamen Seite.

Eindrucksvoll waren an der Vernissage die musikalischen Darbietungen durch Gabriel Wernli, Cello, und Gabriel Walter, Klavier, mit Musikstücken von Janacek, Pärt und Piazolla.

Plakatwelt und Zeitgeschichte

Dieser neue Bildband von Otto Morach ist ein Gesamtkunstwerk von grosser Faszination. Man taucht in eine spannende Plakatwelt ein, die Zeitgeschichte geschrieben hat. Die von Ferdinand Hodler Anfang 1900 aktivierte Plakatkunst, beleuchtet von Bettina Richter und Marie-Louise Hieronymus-Schaller, bekam in den 1930er-Jahren in Basel ihre vermehrte Bedeutung, und zwar mit Niklaus Stoecklin, und entwickelte sich zu einem faszinierenden Unterfangen.

«Es gibt für uns nicht den Unterschied von sogenannter freier, dekorativer oder kunstgewerblicher Kunst. Wir glauben nur an eine Kunst.» Dies war die Parole dieser begabten Künstlerelite, die es meisterlich verstand, den Plakaten Ausdruck und Schönheit zu geben.

Die Vielfalt der Motive überrascht. Bekannte Markenartikel, Ausstellungen und Themen des Tourismus spielten eine Rolle, besonders gelungen dünkt einen das Kleinplakat «Hotel Bellevue Hohfluh 1050 M ü M», bei dem man durch eine Art Fenster in die Bergwelt schaut.

«Es wirkt wie eine Momentaufnahme für einen Gast in einem Zimmer», schreibt Marie Louise Hieronymus Schaller dazu. Viele interessante Bleistiftskizzen und Entwürfe von grosser Schönheit gibt es zu diesen Plakaten.

Gestalterische Kraft

In Otto Morachs Holzschnitten erkennt man gestalterische Kraft. Der expressionistische Holzschnitt setzt sich von den Jugendstilspielereien ab und besticht durch seine Klarheit.

Eva Korazija beschreibt dies in ihrem Artikel höchst interessant und schafft auch Vergleiche mit anderen Zeitgenossen. Bekannt sind die Arbeiten von Ignaz Epper, aber auch die von Eduard Gubler, Gregor Rabinovitch oder Helen Dahm.

Morach beschäftigte sich auch mit Kriegsthemen, ebenso wie mit dem Rhythmus in der Natur, schuf grandiose Porträts, Figuren und Träumereien am Luganersee. Von Faszination sind seine Marionetten und Bühnenbilder, wie dies Medea Hoch in ihrem interessanten Artikel erzählt.

Morach liebte das Theater, das Wechselhafte, das Reale und Surreale. Er schuf zudem Textilien mit besonderen Motiven. Kristin Haefele Hauser präsentiert in ihrem Text diese Liebe zum Textilen.

Faszinierend ist der Text vom Künstler Kurt Hediger, der dem Zeichnen Otto Morachs auf die Spur geht. Er erkennt die Klarheit in der Linienführung, das Leidenschaftliche, das sich in diesen Zeichnungen, aber auch in den Aquarellen kundtut.

Am Schluss kommt Rudolf Koella zu Wort und schildert unterhaltsam die Begegnung mit dem Galeristen J. E. Wolfensberger und Hugo Stüdeli erzählt von Morachs Ehefrau Hermana (1899–1974), seiner Patin, die eine begnadete Bildhauerin war und viel Anerkennung fand.

Zusätzliche Attraktivität

Durch Stüdelis grosszügige Schenkung von Morach Bildern und durch diese gehaltvollen Kunstbände erhält das Oltner Kunstmuseum zusätzliche Attraktivität und Bedeutung, dies nicht nur auf schweizerischer Ebene, sondern auch international.