OT-Leserreise

OT-Leser konnten ehemaliges Ostpreussen «vom Schiff us» bestaunen

Die historische Altstadt von Warschau wurde nach Plänen und Ansichten aus dem 17. und 18. Jahrhundert rekonstruiert.

Die historische Altstadt von Warschau wurde nach Plänen und Ansichten aus dem 17. und 18. Jahrhundert rekonstruiert.

OT-Leserreise 2013: 69 Reisende genossen auf Flüssen, Kanälen und Seen die Landschaften und Städte in Polen.

Die traditionellen OT-Leserreisen mit Hochsee- oder Flusskreuzfahrten fanden auch dieses Jahr wieder ihre Fortsetzung. Nach der letztjährigen Kreuzfahrt in die Fjordlandschaften Norwegens führte die diesjährige OT-Leserreise auf einem Hotelschiff durch Kanal-, Fluss- und Seenlandschaften an der Ostseeküste von Polen. An der durch EKO Reisen Olten organisierten und von Erika und Walter Kunz betreuten Flusskreuzfahrt nahmen 69 Reisende teil.

Reiseführer informierten auf Deutsch

Für die meisten der Reiseteilnehmer war die Ostseeregion Danzig-Elbing-Frauenburg und die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) eine bisher unbekannte Gegend. Die Hauptstadt Warschau, prächtig restaurierte historische Hansestädte sowie seerosen- und schilfbewachsene Naturparadiese: Alle Teilnehmer waren überrascht ob der Schönheit Polens.

Dazu kam, dass für sämtliche Landausflüge deutschsprechende Reiseführer oder -führerinnen engagiert wurden, die vor allem von der jüngeren Geschichte Polens vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg einfühlsam informierten. Verschiedene Konzertbesuche in Kirchen und einem Wasserschloss sorgten für die musikalischen Höhepunkte.

Zwei Tage in Warschau

Gestartet wurde die Polenreise mit einem zweitägigen Aufenthalt in der Hauptstadt Warschau. Die Stadtbesichtigung war ein Wechselbad der Gefühle. Unvorstellbar für alle, dass die Stadt mit ihrer 600-jährigen Geschichte gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1944, zu 95 Prozent zerstört war – eine Millionenstadt hatte aufgehört zu existieren.

Fast 70 Jahre später zeigt sich die Stadt in neuem Glanz, insbesondere die Altstadt. Sie ist eine detailgenaue Rekonstruktion der ehemaligen Altstadt und ist anhand von alten Ansichten und Plänen aus dem 17. und 18. Jahrhundert oder Fotos wieder aufgebaut worden. Die Warschauer Altstadt zählt mittlerweile zum Unesco Weltkulturerbe. Der emotionale Aufenthalt in Warschau endete mit einem wunderbaren Fryderyk Chopin-Piano-Recital. Konzertlokal war der prunkvolle Salon eines kleinen Wasserschlosses in einem der vielen Parks.

Kreuzfahrt auf Kanälen

Anderntags stand der Transfer mit einem Bus nach Danzig an, wo das unter deutscher Flagge fahrende Hotelschiff MS Johannes Brahms auf die Reisegruppe aus der Schweiz wartete – die Kreuzfahrt auf Kanälen und der «alten Weichsel» in Richtung Frisches Haff begann. Das flache Gewässer ist ein Teil der Ostsee südwestlich von Kaliningrad.

Das Frische Haff wird durch die Frische Nehrung, eine rund 70 Kilometer lange und zwei Kilometer breite Halbinsel von der Danziger Bucht getrennt. Informative Landaufenthalte mit Besuchen in Tolkemit und Frauenburg mit dem berühmten Dom unterbrachen die Flussfahrt. Im Dom zu Frauenburg entwickelte Domherr und Astronom Nicolaus Kopernikus (1473 - 1543) seine Theorie des heliozentrischen Weltbildes.

Quer durch das Frische Haff verläuft die Grenze zwischen Polen und der russischen Exklave Kaliningrad, dem früheren ostpreussischen Königsberg. Unter dem sowjetischen Regime wurden grosse Teile des alten Königsberg niedergerissen und auf dessen Trümmern Plattenbauten erstellt. Diese präsentieren sich zum Teil dem westlichen Betrachter als ziemlich verwahrloste Wohnsiedlungen. Die Stadt zählt 420000 Einwohner.

Russischer Folkloreabend an Bord des MS Johannes Brahms

Kaliningrad hat einen im Winter eisfreien und deshalb bedeutenden Fischereihafen und Marinestützpunkt. Erst seit der Jahrtausendwende ist Kaliningrad für westliche Besucher zugänglich. Am 23. Mai 2011 durfte übrigens das Hotelschiff MS Johannes Brahms als erstes westliches Flusskreuzfahrtschiff im Hafen von Kaliningrad anlegen. Die Besuche im Ostseebad Rauschen, der Wanderdüne am kurischen Haff und der weltweit ältesten Vogelwarte in Rositten sowie als Abschluss ein russischer Folkloreabend an Bord des MS Johannes Brahms bildeten die interessantesten Programmpunkte in Russland.

Nach dem Ablegen in Kaliningrad stand ein Besuch in Malbork, dem ehemaligen Marienburg mit ihrer weltberühmten Burg des Deutschen Ordens auf dem Programm. Stadt und Burg wurden im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Die gigantische Burganlage, die als grösstes Backsteingebäude der Welt gilt, wurde ausser der Marienkirche wieder aufgebaut und wird vorwiegend als Museum genutzt. Die Kirche ist unrestauriert und nur gegen Einsturz gesichert. So zeigt man eindrücklich die Zerstörungen, die während des Zweiten Weltkrieges stattgefunden haben. Den Kirchenraum missbrauchten in jener Zeit russische Soldaten als Pferdestall.

Danzig und ihre Sehenswürdigkeiten

Die letzte Etappe der Flusskreuzfahrt zurück nach Danzig führte auf Kanälen und Flüssen durch einmalig schöne, fast unberührte Landschaften. Unter kundiger Führung erlebten die Reiseteilnehmer die geschichtsträchtige Stadt Danzig mit all ihren Sehenswürdigkeiten. Dazu gehörte zum Beispiel nicht nur die faszinierende und lebhafte Altstadt mit ihren alten oder rekonstruierten Bürgerhäusern, sondern auch die Trabantenstädte ausserhalb Danzigs. Nicht enden wollende Plattenbauten bieten gesichtslosen Wohnraum für Hunderttausende von Polen.

Einen Zeitzeugen des sozialistischen Wohnungsbaus der schier unvorstellbaren Art konnte vom Bus aus beobachtet werden. Es handelt sich um einen wellenförmigen Plattenbau mit 12 Stockwerken und knapp unter eintausend (!) Metern Länge. 16 Hauseingänge führen zu je 120 Wohnungen, in denen insgesamt um die 6000 Personen leben. Der Koloss gilt als eines der grössten Wohnhäuser Europas. Erst in den letzten Jahren wurden die im sozialistisch tristen Dunkelgrau gehaltenen Fassaden durch etwas Farbe aufgepeppt.

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