Die Beine übergeschlagen, sitzt Hansruedi Aeschbacher leicht nach vorne gebeugt an seinem Arbeits-Bürotisch. Kein typisches Journalisten-Pult mit Stapeln von Blättern und Zeitungen. Aber auch nicht eines, das man einem Fotografen zuordnen würde. Fotos sind praktisch keine aufgehängt. Nur ein älteres Werbeplakat der Oltner Tanztage, ein Schnappschuss von ihm. Bei der Stehlampe lächelt ihm eine EHCO-Figur aus Steinen entgegen, gleich daneben steht ein VW Käfer aus Keramik. Hansruedi Aeschbacher zieht mit der PC-Maus seine Fotos der letztjährigen Classionata aus einem grossen Ordner in einen kleineren und beschriftet ihn mit dem Schlagwort «Classionata».

«Äschbi» – so wird er am liebsten genannt – versucht seit einigen Monaten Ordnung in seine digitale Bildersammlung zu bringen. «In diesem Chaos habe im Moment nur ich den Überblick», sagt er. Bisher war sein digitales Chaos kein Problem. Aber Ende Dezember geht der Pressefotograf nach 38 Jahren beim Oltner Tagblatt offiziell weg, in Pension. Jetzt macht er Ordnung im Auftrag des Chefs.

Die Anzahl der Fotos, die Äschbi gemacht hat, kann man nicht zählen. Bereits als 11-Jähriger knipste er mit einer Plastik-Rollfilmkamera an Schulausflügen seine Gspänli ab. Während seiner Lehre als Drucker fotografierte er als Hobby weiter. Irgendwann mal für kleinere Publikationen und dann für das Oltner Tagblatt. Als er beim OT begonnen hat, war alles noch ziemlich anders. Das Fotografieren an sich war schwieriger, da die Kamera noch keinen Autofokus hatte. Am anspruchsvollsten war aber die Entwicklung der Fotos. Diese geschah noch in einer Dunkelkammer. «Es war halt eine andere Zeit, die jedoch auch ihre schönen Seiten hatte», sagt der Nostalgiker, der zu Hause neben alten Fotokameras auch Flipper-Kasten, eine Jukebox und Schallplatten aufbewahrt. Sein Fazit: «Es schon ein gutes Gefühl, wenn ein gutes Bild auch in der Zeitung richtig zur Geltung kommt», sagt Äschbi, der in den letzten vierzig Jahren für seine Fotos diverse Preise gewonnen hat. Den Medienpreis Aargau-Solothurn, zum Beispiel.

Er nimmt ein Plastik-Mäppchen hervor, gefüllt mit Zeitungsberichten über ihn; als Labor-Foto-Entwickler, als Aussteller in einer Fotogalerie, als Preisträger. Jetzt sitzt er selber in der Fachkommission Foto/Film des Solothurner Kuratoriums für Kulturförderung, um Nachwuchs-Fotografen und -Filmer zu fördern sowie gestandene Lichtkünstler dabei zu unterstützen, die Karriere voranzutreiben. Ja, das werde er auch nach der Pensionierung machen. Und auch weiterhin wohl das eine oder andere Action-Bild für das Oltner Tagblatt, die Solothurner Zeitung und das Grenchner Tagblatt schiessen.