29. Oltner Kabarett-Tage
Österreichischer Kabarettist bekommt «Saures»

Der Schweizer Kabarett-Preis Cornichon geht heuer an den Österreicher Alfred Dorfer. Der Mann gilt hierzulande noch immer als Geheimtipp. An den Kabarett-Tagen vom 18. bis 29. Mai ist er in Olten zu geniessen.

Urs Huber
Drucken
Teilen
Alfred Dorfer, Cornichon-Preisträger 2016.

Alfred Dorfer, Cornichon-Preisträger 2016.

Hubert Mican

Zum 29. Mal wird Olten zum Schmelztiegel der gesamten deutschsprachigen Kabarett-Bühne: die Kabarett-Tage, das elftägige Festival ohne Unterbruch mit über 50 Künstlerinnen und Künstlern, zehn verschiedenen Spielorten in der ganzen Stadt und der Region als Attribute. Einer der Höhepunkte: die Verleihung des Kabarett-Preises Cornichon 2016 am 18. Mai im Stadttheater Olten.

Preisträger: Der österreichische Kabarettist Alfred Dorfer, der zwar noch immer als Geheimtipp gilt, aber doch vielen hierzulande als einer der Hauptdarsteller (Herr Weber) aus der Sitcom MA 2412 bekannt sein dürfte. Die Jury untermauert ihren Entscheid damit, dass mit Dorfer einer der vielseitigsten Satiriker der deutschsprachigen Bühnen das Cornichon 2016 erhalte.

In Olten tritt der Wiener mit einer adaptierten «Gurkerlversion» des Stückes «bisjetzt» auf, seinem bislang sechsten Kabarett-Programm.

In Episoden, Bruchstücken und Erinnerungen erweckt Dorfer europäische Geistes- und Mentalitätsgeschichte zum Leben – verpackt in einer Bühnen-Biografie, die in den letzten Jahrzehnten sowohl in Wien wie Berlin, Bern oder Olten entstanden sein könnte. Also: Alfred Dorfer mache «Kabarett der Extraklasse», erklärt die Jury. Dorfer tritt mit seiner «Gurklversion» am 18. und 19. Mai im Stadttheater in Erscheinung.

Platz für Politisches

Wie immer bei den Oltner Kabarett-Tagen wird dem politischen Kabarett viel Platz eingeräumt. Neben Dorfer zeigen die Kabarett-Tage mit Anny Hartmann eine der wenigen Frauen, die Polit-Kabarett in Reinform lebt, mit Hagen Rether den rhetorischen Scharfrichter aktueller Zustände schlechthin. Und Robert Griess steht Letzterem mit seinen gnadenlos zynischen Rundumschlägen in nichts nach.

Und es gibt wie immer Neues zu entdecken: René Sydow gilt als der aktuell am lautesten geflüsterte Geheimtipp im politischen Kabarett Deutschlands, aber auch Simon Enzler gilt es neu zu entdecken. Der Ostschweizer schlägt in seinem ersten Soloprogramm deutlich politischere Töne an als bisher.

Horst Evers schliesslich, dessen fantastische Alltagsgeschichten nur selten auf Schweizer Bühnen zu hören sind, gibt sich und der Dreitannenstadt die Ehre.

Nicht fehlen darf die Musik: Hochkarätiges Musik-Kabarett zeigen Simon & Jan, Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises 2016, Lars Reichow, Die Wellküren (am Kabarett-Brunch, Sonntag, 22. Mai), Michael Feindler, Blues Max sowie die Neuentdeckungen Betty O. aus der Steiermark oder das deutsche Liedermacher- und Frauenpowerduo Suchtpotenzial.

Slam-Kabarett mischt auf

Der frische Wind, der seit Jahren auf den Bühnen weht, bläst auch durch Olten. Slam-Poeten und Spoken-Word-Autoren, die ihre Kunst mit Kabarett zu «Slam-Kabarett» verschmelzen lassen, sind zahlreich vertreten: Interrobang, das Schweizer Duo und der amtierende Deutsche Meister im Poetry Slam, Renato Kaiser als Turmredner am Ildefonsplatz Die Eltern (mit Matto Kämpf, Sandra Künzi, Simon Chen, Stefanie Grob und Gerhard Meister) sowie sieben Sieger der vergangenen Oltner Trilogie-Slams (u.a. Christoph Simon).

Besonderes Gewicht hat auch die Nachwuchsförderung. Im Zentrum steht neben der Sprungfeder das 5. Oltner Kabarett-Casting. Die Sieger dreier Ausscheidungsabende treffen sich am 24. Mai zum Finale im Schwager-Theater. Der letztjährige Gewinner dieses Castings und des Förderpreises über 10 000 Franken, Dominik Muheim, misst sich bei der Sprungfeder mit den Nachwuchstalenten Hazel Brugger und Aydin Isik.

Nicht weniger als fünf Salzburger-Stier-Preisträger geben sich am 25. Mai, 19.45 Uhr, im Stadttheater das Mikrophon in die Hand. Radio SRF 1 trägt unter der Prämisse «Best of Zytlupe» Beiträge des gesamten aktuellen Zytlupe-Teams in die Schweiz hinaus. Mit dabei: Franz Hohler, Alfred Dorfer, Simon Enzler, Thomas C. Breuer, Bänz Friedli, Simon Chen und Stefanie Grob.

Aktuelle Nachrichten