Mein Olten
Oltnerinnen und Oltner sind Macher

Konrad Kinokoni Schibli, Olten
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Ich pflege ab und zu den Kontakt mit Branchen-KollegInnen aus anderen Städten. KinobetreiberInnen aus kleinen, mittleren und grösseren Städten wie Aarau, Baden, Solothurn, Vevey, Lugano oder Bern, Basel und Zürich. Alles liebe Menschen, die dasselbe Engagement und Herzblut für ihre Profession, das Kinomachen, und für ihre Städte, in denen sie ihre Kinos betreiben, teilen.

Der einzige Unterschied ist, ihre Kinos stehen in wirklich schönen, geschäftigen, teils pittoresken und irgendwie fertigen Städten. Die Identitäten sind geschaffen, wie in Stein gemeisselt. Ich spüre den Stolz auf ihre Städte. Der schönsten Barockstadt, der Bäderstadt, den Hauptstädten und gleichzeitig ein bisschen Mitleid mir gegenüber, aus einem nebelverhangenen Industriestädtchen zu stammen, das es immer wieder prominent schafft, negativ in den Schlagzeilen der nationalen Presse zu erscheinen – oder ist das lediglich mein Eindruck?

Ist dies genau meine Einstellung zu Olten, die ich im Aussen vertrete? Bin ich ein bisschen neidisch auf meine Kolleginnen und Kollegen, die in den «schönen» Städten wohnen?

Auf der anderen Seite sehen sie in mir den Macher, Verrückten, Einzelgänger, den, der Neues ausprobiert, Konzepte umsetzt, umfällt und wieder aufsteht, weitermacht. Und genauso sehe ich viele enthusiastische Macherinnen und Macher in unserer Stadt. Ich finde, das könnte sich zu einer neuen Identität der Stadt entwickeln. Aufbruch. Entwicklung. Entfaltung. Die Stadt ist nicht fertig, es kann, darf und soll gestaltet, kreiert und entwickelt werden, in der Wirtschaft, der Kultur, der Bildung und der Politik – wie an keinem anderen Ort.

Ich sehe in Macherinnen und Machern Menschen, die aus dem Nichts etwas gestalten und kreieren. Sie sind mutige Umsetzerinnen und Umsetzer, sie gehen bewusst Risiken ein und drücken sich nicht davor, Widerstände zu erkennen und zu lösen. Jeder Mensch, der etwas umsetzt, fühlt sich gut, und in Olten spüre ich diesen Geist. Ich fühle mich gut, weil in Olten nicht alles schon zu Ende gedacht und gemacht ist. Es eröffnen sich Möglichkeiten. Und dies jeden Tag aufs Neue.

Natürlich gibt es auch Menschen, die meist aus der Komfortzone heraus den Macherinnen und Machern Steine in den Weg legen. Aber manches Projekt ist dadurch besser geworden (...oder auch nicht). Steine gehören auf jeden Weg, das ist die Natur der Sache, das sind die Herausforderungen, die an uns herangetragen werden, für die wir reif genug sind, sie zu meistern.

Neulich wurde ich von einem Unternehmer-Kollegen in eine Whatsapp-Gruppe eingeladen. Mysteriös anmutend. Ein Datum zum Treffen wurde ausgemacht, die Koordinaten des Treffpunkts kurz vor dem Treffen verschickt. Am Treffpunkt dann die Überraschung: ein wunderbarer Apéro mit Blick auf ein Entwicklungsgebiet in Olten, das in den Oltner Köpfen eigentlich nur negativ behaftet ist. Diese jungen Unternehmer haben sich mit dem Besitzer des Geländes getroffen. Sie haben, statt die Faust im Sack zu machen, das Blatt in die Hand genommen und die Möglichkeit erhalten, etwas zu lancieren, möglicherweise ein Leuchtturmprojekt, oder zumindest darüber zu sinnieren, was alles möglich wäre! Genau diesen positiven Unternehmer-, Gründer- und Entwicklergeist liebe ich an Olten.

Freunde investieren auch mal Millionen in ihr Gewerbe, entwickeln zum Beispiel neue, zukunftsorientierte Medienformate, werden schon bald durch ein innovatives Verfahren Gewerbe-Mieter und Vermieter zusammenbringen, Planen neue Orte der Kultur oder «New Work Spaces» und machen Tausende von Menschen fit für das Morgen – auch für eine lebenswerte Stadt!

Ich danke euch allen, liebe Macherinnen und Macher – ihr macht das Oltner Leben noch lebenswerter und verleiht der Stadt die Macher-Identität!

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