Olten/Wien

Oltnerin begeistert am Burgtheater Wien

Therese Affolter in der Rolle von Edith (im Rollstuhl) am Akademietheater Wien mit Sarah Viktoria Frick in der Rolle der Petra. Georg Soulek/Burgtheater Wien

Therese Affolter in der Rolle von Edith (im Rollstuhl) am Akademietheater Wien mit Sarah Viktoria Frick in der Rolle der Petra. Georg Soulek/Burgtheater Wien

Therese Affolter aus Olten ist schon allen bedeutenden Bühnen des deutschsprachigen Raumes aufgetreten. Sie wurde bereits zweimal vom Kanton Solothurn ausgezeichnet.

Mit der Uraufführung des neuen Stückes «räuber.schuldengenital» des viel diskutierten österreichischen Autors Ewald Palmetshofer feiert die in Olten aufgewachsene Schauspielerin Therese Affolter am Akademietheater in Wien einen weiteren Erfolg ihrer beachtlichen, nun schon langen Karriere, die sie auf alle bedeutenden Bühnen des deutschsprachigen Raumes geführt hat. Eingebettet in ein homogenes Ensemble und sensibel geführt von einem fantasievollen Regisseur (Stefan Kimmig) gelang ihr eine eindrückliche Gestaltung der Hauptrolle der Edith.

Schon kurz nach ihrer Ausbildung am renommierten Max-Reinhard-Seminar in Wien beeindruckte Therese Affolter als Gretchen in der legendären «Faust»-Inszenierung von Claus Peymann am Staatstheater Stuttgart, wie kurze Zeit später auch am Schauspielhaus Bochum, wo sie 1979 die Titelrolle in Bertold Brechts «Die heilige Johanna der Schlachthöfe» spielte.

Geniale Gestalterin

Von 1980 bis 1983 trat Therese Affolter am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Residenztheater München, am Schauspielhaus Köln und Thalia Theater Hamburg – lauter erste Adressen – auf und während der Direktion von Claus Peymann gehörte sie zum illustren Ensemble des Wiener Burgtheaters. Mit ihrem faszinierenden Spiel prägte sie da viele denkwürdige Aufführungen; so als Hausmädchen Herta in der Uraufführung von Thomas Bernhards «Heldenplatz» oder als unvergessene Mutter Courage in der Inszenierung von Konstanze Lauterbach.

Zusammen mit Claus Peymann, mit dem sie gerne und oft zusammenarbeitete, ging sie nach dessen Weggang vom Wiener Burgtheater im Jahr 2000 zum Berliner Ensemble; aber auch bei Gastspielen in Tübingen, in Graz oder am Volkstheater Wien wurde sie als geniale Gestalterin klassischer, wie zeitgenössischer Rollen gefeiert; aber auch als Ulrike Meinhof im Film «Stammheim» (1986) unter der Regie von Reinhard Hauff machte Therese Affolter auf sich aufmerksam.

Wakerpreis und Kunstpreis

Der Kanton Solothurn förderte ihr vielversprechendes Talent bereits 1977 mit einem Werkpreis und 2001 wurde sie für ihr vielseitiges Wirken in Zusammenarbeit mit den besten Regisseuren der Zeit – Tabori, Zadek, Peymann und andere – mit dem Kunstpreis des Kantons Solothurn ausgezeichnet.

Aktuell gehört Therese Affolter wieder dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an. So war sie am 20. Dezember 2012 bei der Uraufführung von «räuber.schuldengenital» – in dem der Konflikt zwischen den Generationen auf beklemmende Weise zu erleben ist – am Akademietheater Wien (der Zweitbühne des Burgtheaters) als Edith, der Nachbarin im Rollstuhl, in einer neuen Rolle zu erleben. Eindrücklich gelangen ihr all die vielen Facetten ihrer vielschichtigen Rolle: Von einer oberflächlichen Party-Szene bis hin zu den traumatischen Begegnungen mit ihrer Tochter Petra (Sarah Viktoria Frick). Schade, dass man dieser grossen Künstlerin nicht auch einmal auf heimischen Bühnen begegnen kann; und wärs auch «nur» bei einer Dichterlesung!

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