Fragen gibt es viele. «Wo ist die Flachzange?» «Ist dieser Abschnitt da auch in Blau zu bemalen?» «Wo hab ich bloss den Winkelschleifer hingelegt?» «Chef, was kann ich jetzt machen?»

Die Bemerkungen verhallen nicht ungehört im Raum. Sie sind ausnahmslos an die Wagenbauchefs gerichtet. Wagenbauchefs, die haben das so an sich, wissen auf jede Frage eine Antwort.

«Es ist schon wichtig, dass einer den Überblick behält», sagt Urs Ulrich, seit sechs Jahren Wagenbauchef der Fröscheweid-Zunft. Mitte Oktober haben deren Vorbereitungen begonnen: Ideen sammeln, Umsetzung planen, Material bereitstellen, Einsatzplanung machen, Zünfter informieren.

«Die Arbeitsvorbereitung verstehe ich schon als eine meiner Hauptaufgaben», erklärt Ulrich. Insgesamt rund 20 Männer sind schliesslich an der Entstehung des Sujets beteiligt; auch Pensionierte.

«Die sind ganz wichtig», sagt Ulrich, «die kommen auch unter der Woche zum Einsatz, wenn die Berufstätigen verhindert sind.» Nicht unwichtig für die Fröscheweid-Zunft, die zu den Grossmeistern im Wagenbau gehört: deren Wagenbauer können die Räume das ganze Jahr über nutzen.

Da lässt sich vieles bequem lagern, denn die «Frösche» sind, wie in Wagenbauerkreisen verbreitet, Wiederverwerter. «Auf einen gewissen Grundstock an Material können wir immer wieder zurückgreifen», sagt Ulrich.

Fahrzeuge etwa, Metallrohre, Baumaterial, Werkzeuge. Dinge halt, die sich bewährten. Was sich immer bewährt: Fischkleister, mit dessen Hilfe die in Form gebrachten Drahtgittergeflechte mit Zeitungspapier eine glatte Aussenhaut bekommen.

«Fischkleister ist dafür noch immer mit Abstand das Beste», sagt einer aus der Zunft. «Uralt, aber einfach top.» Mit rund 3000 Franken weniger in der zunfteigenen Kasse (Sponsorengelder nicht eingerechnet) und rund 1800 Mannstunden später kommt am 7. Februar der Umzugstag. «Auch wenn ein Endspurt regelmässig nötig ist; bisher hats noch immer gereicht», lacht Ulrich.

Guggi-Zunft: fortgeschritten

Ebenfalls zu den Grossmeistern der hiesigen Wagenbauer gehört die Guggi-Zunft. Zu ihrem 60. Geburtstag hat sie sogar ihren einstigen Wagenbauchef Max Gruber reaktiviert. Gruber sei ein Kreativenergiebündel, sagt einer. Das sieht man.

Im Mai war das Sujet klar: Eine Dampflok mit Wagen sollte es werden. Baubeginn: 3. September. Und jetzt steht in der Werkhalle doch tatsächlich eine Lok. Signalpfeife, Antriebsgeräusche, sich am Quergestänge drehende Räder, Rauchentwicklung, alles inklusive.

Das passende Sujet: «60 Johr met Volldampf onterwägs». Es hatte sich gegen «60 Johr Luusbuebe» durchgesetzt. «Wir haben uns mit der Lok so etwas wie einen Bubentraum verwirklicht», gesteht Gruber.

Ihrer fünf sind die eigentlichen Leithammel beim Wagenbau. Finden Lösungen für knifflige Materialprobleme oder technische Fragen. Zwischen 2000 und 2500 Mannstunden werden insgesamt ins Projekt einfliessen», weiss der Chef, der seine Augen überall hat.

Ihm entgeht nichts, und die Suche nach der eingangs erwähnten Flachzange beendet er mit einem schnellen Griff auf den hinter ihm liegenden Holzstapel. Bei der Guggi arbeitet Mann mit Holz, ist Gruber als gelernter Schreiner der Pfiffikus für alle Fälle.

Runde 2000 Franken schiesst die Zunft für den Wagenbau ein, Sponsorengelder nicht eingerechnet. Mächtig stolz sind die Männer auf die Lok; und hin und wieder sieht man sie selbst darob staunend vor dem Gefährt stehen.

Und weil die Fahrzeuge am Umzug jeweils prämiert werden, stellt sich die Frage nach dem Wettkampffieber. Nein, von einem «Kampf der Giganten» will man nichts wissen. Ein möglichst perfekter und aufwendig gebauter Wagen liege einfach im Anspruch eines jeden Einzelnen, sagen Guggis und Fröschweider unisono.

«Das Verhältnis unter uns ist unkompliziert», findet Ulrich. Man kenne keine Geheimnisse. Und Gruber hilft manchmal auch auf fremden Territorien mit Rat und Tat aus.

Vordere Hälfte

Etwas bescheidener treten die Höckeler auf. Etwa 200 Stunden und ein rundes Dutzend Männer investiert die Zunft in ihren Wagen. «Mir ist wichtig, dass der Zuschauer am Umzug auf den ersten Blick unser Sujet ‹Schellen-Ursli› erkennt», sagt Wagenbauchef Hans Bruderer.

Rund 3000 Franken kostet das Projekt, das Mitte Dezember begonnen hat. Das sei dem frühen Fasnachtsstart geschuldet, so Bruderer. Und die Prämierung? «Für uns steht das nicht im Zentrum, wir möchten aber in der ersten Ranglistenhälfte figurieren.» Im Übrigen stehe das Gesellige im Vordergrund.

Nicht nur «rätschen»

«Wir können uns natürlich nicht mit den ambitionierten Wagenbauern messen.» Fränzi Zerilli und Madeleine Graber, Rätschwyber des Wagenbaus, nicken. Eine Handvoll Frauen arbeitet gerade am Wagen.

«Mehr sinds eigentlich auch nie», sagen beide. Während sechs bis acht Samstagen, manchmal auch unter der Woche, treffen sich die «Wyber». Nicht zum Rätschen, sondern zum Bauen.

«Mir zwitschere eis», heisst ihr Sujet, und schon heute wissen die Frauen, dass lediglich ihrer zwei auf dem Wagen werden mitfahren können. «Auf einer Vogelschaukel nämlich», lacht Fränzi Zerilli.

«Und nur die leichtesten beiden kommen dafür infrage, der Statik wegen», räumt Madeleine Graber ein – und niemand weiss, ob das ihr wirklicher Ernst ist. Der einzige Mann im Team, Andi Wirz, wirds allenfalls schon richten.

«Er ist unser Korrektiv und weiss stets einen Rat, verrät das Wagenbau-Chefduo. 3000 Franken wollen die Rätschwyber für ihren Wagen ausgeben. Alles inklusive, auch die Give-aways, unter denen vielleicht sogar Kinderüberraschungseier zu finden sein werden.