Sie sollen bald in aller Munde sein, die Insekten. Was die meisten Schweizer bis anhin höchstens in den Ferien probiert haben, kann nun auch in der Schweiz auf den Teller kommen. Seit einer Gesetzesänderung am 1. Mai dieses Jahres können Wanderheuschrecken, Mehlwürmer und Hausgrillen verkauft werden.

Weitere Arten können hinzukommen, wenn sich ihre Unbedenklichkeit für den Menschen zeigen lässt. Neu ist es nämlich so, dass alle Lebensmittel in den Umlauf gelangen dürfen, die sicher sind und den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Bisher waren nur solche erlaubt, die explizit im Gesetz beschrieben waren.

Neues Buch gibt Orientierung

Damit man auch weiss, wie diese Insekten zuzubereiten sind, hat der in Olten wohnhafte Autor Andreas Knecht gemeinsam mit seiner Partnerin Edit Horvath ein Rezeptbuch mit dem Titel «Köstliche Insekten» verfasst. Die Idee dazu kam ihm etwa vor zwei Jahren, als er von der möglichen Gesetzesänderung hörte: «Ich habe bereits Bücher geschrieben und hatte schon länger vor, ein Kochbuch zu verfassen.»

Weil es bis anhin praktisch keine Literatur zu diesem Thema gab, mussten die beiden alles eigenhändig ausprobieren. Das Autorenduo hat die Rezepte selbst entwickelt und auch gleich die Fotos von den Gerichten geschossen. «Köstliche Insekten» ist in Kapitel aufgeteilt, die jeweils einen Gang behandeln. Es gibt also Rezepte für Snacks, Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts.

Zur Rezeptsuche sagt Andreas Knecht: «Am schwierigsten war es, gute Hauptspeisen zu finden. Weil die Insekten so klein sind, braucht man sehr viele, um bei einer Hauptspeise auch etwas davon zu haben. Beispielsweise werden 30 Heuschrecken benötigt, um den Proteingehalt eines Steaks abzudecken.» Deshalb ist er zum Schluss gekommen, dass es schlauer ist, die Insekten und somit die Proteine auf die ganze Speisenfolge zu verteilen. Knecht meint: «Gerade in Desserts machen sich kleine Insekten als Knusperfaktor erstaunlich gut.»

Damit die Insekten nicht gleich wieder vom Speiseplan verschwinden, sieht Knecht es als zwingend an, nicht nur Snacks anzubieten, da die Tiere sonst zum Partygag verkommen. Dass die Insekten dereinst Fleisch ersetzen werden, bezweifelt der Autor: «Sie werden ein Nischenprodukt bleiben. Ich kann mir aber vorstellen, dass sie Eingang in unsere Essgewohnheiten finden, wie das mit Sushi passiert ist.» Dafür müssten sie aber auch in den Läden präsent sein, zum Beispiel in einem ähnlichen Rahmen wie Muscheln.

Beschaffung wurde einfacher

Dies sei nötig, damit die Insekten nicht auf wenig empfehlenswerten Wegen bezogen werden müssen. Zu Anfangszeiten holten die Autoren die Insekten aus der Tierhandlung. Lachend erzählt Knecht, dass es damit auch andere Probleme gab. Er hätte mal in Basel lebendige Grillen gekauft, die er in seiner Tasche verstaut habe. Als er später im Zug sass, begannen die kleinen Tiere in einer enormen Lautstärke zu zirpen. «Ich wurde von allen Seiten schräg angeschaut.»

Buchpräsentation und anschliessende Degustation am Freitag, 12. Mai, um
20 Uhr sowie Insektendegustation und Signierstunde am Samstag, 13. Mai, um 15 Uhr, jeweils in der Buchhandlung Schreiber in Olten. Andreas Knecht und Edit Horvath: Köstliche Insekten, Fona Verlag 2017, 160 Seiten