Olten
«Oltner Wetter» steht auf Messers Schneide

Die Tradition der Wetteraufzeichnungen für Olten ist 150 Jahre nach ihrem Start stark gefährdet. Es fehlt an zum einen an Geld und zum andern an Nachfolgern.

Urs Huber
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«Oltner Wetter» steht auf Messers Schneide

«Oltner Wetter» steht auf Messers Schneide

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Über 150 Jahre erstreckt sie sich, die Reihe der Wetteraufzeichnungen für Olten, den meisten in der Region besser bekannt unter der Bezeichnung «Oltner Wetter». Karl Frey, heute 97- jährig und einer der dienstältesten «Wetterchronisten» hat die Auswertungen zwischen 1986 und 2007 vorgenommen.

Fortführung gefährdet

Nun ist die Fortführung dieser Aufzeichnungen gefährdet, was den Senior umtreibt. Zum einen will die Stadt den Dienst finanziell nicht mehr alimentieren, zum andern fehlt eine Nachfolge: Roger Lütolf, der ab 2008 in Freys Fussstapfen getreten war, hat die Arbeit Mitte letzten Jahres weggelegt; er macht dafür hauptsächlich die wegfallenden Mittel geltend. «Es ist schon so; ohne das Geld der Stadt ist die Arbeit, das Vorlegen der Jahreschronik mit allen Statistiken in gebundener Form nicht wirklich interessant», sagt Lütolf.

Vor allem aber habe ihn enttäuscht, dass die Stadt so quasi «von heute auf morgen» aus ihrem Engagement ausgestiegen sei, fügt er hinzu. Das gespart werden müsse leuchte ihm ein, aber wenigstens bis zum Jahresende 13 hätten die Zahlung aufrechterhalten können. Beim städtischen Beitrag handelt es sich übrigens um eine mittlere vierstellige Summe. Bilanz: Die Tradition der Wetterauswertungen steht also auf tönernen Füssen; und das im 150. Jahr ihrer Existenz.

Anfänge im Jahr 1860

Begonnen hatte alles im Jahre 1860. Damals gab ein gewisser Professor Franz Lang den Anstoss zur Errichtung von Wetterstationen in Solothurn und auf dem Weissenstein. Zudem ermunterte er den Oltner Bezirkslehrer Hermann Frei (1836-1888) einen entsprechenden Versuch auch in Olten zu wagen.

Hermann Frei wagte den Versuch: Er gelangte mit einem Gesuch an den Oltner Gemeinderat, ihm einen Beitrag von 150 Franken zur Anschaffung von Instrumenten zu gewähren: ein Barometer für 80 Franken, einen Luftfeuchtigkeitsmesser für 40 Franken und einen Regenmesser für 30 Franken. Dieser Kredit wurde am 26. Juli 1860 bewilligt. In diesem Jahr begannen auch die Oltner Wettermessungen.

Vier Jahre später, per 1. Januar 1864 wurde eine Oltner Wetterstation bei der alten Brücke an das schweizerische Wetterbeobachtungsnetz angeschlossen. Erster Wetterbeobachter war Theodor Munzinger (1806-1907), ein Sohn von Stadtammann Ulrich Munzinger. Er betreute während 43 Jahren sehr gewissenhaft die Oltner Wetterstation und erhielt schon im Jahr 1888 vom damaligen Direktor der meteorologischen Zentralanstalt, in Anerkennung seines Einsatzes eine Dankesurkunde.

Riggenbach – ein Wetterfreund

Im Jahr 1892 schenkte der Wetterfreund Nikolaus Riggenbach (1817-1899) der Stadt Olten eine Wettersäule am Amtshausquai. Mit einer Festlichkeit wurde damals die Oltner Wettertradition aufrechterhalten.

Im Jahr 1986 beendete die meteorologische Zentralanstalt die Unterstützung und Auswertung der Oltner Wetterstation. Wie weiter also? Stadtrat Robert Buser unterstützte die Bemühungen von Karl Frey zur Weiterführung der Oltner Wetterstation und trug auch das Seinige dazu bei, dass 1991 eine moderne vollautomatische Wetterstation beim Pumpwerk Gheid im Gheid eingerichtet werden konnte. Frey übernahm die Auswertung der Messresultate, belieferte das «Oltner Tagblatt» mit Wetterinformationen und erstellte jährlich eine Oltner Wetterchronik, die auch die gesamtschweizerische Wetterentwicklung beschrieb.

Nichts Vergleichbares

Auch Bibliotheken und «Meteo CH» hatten Interesse an diesen Zusammenstellungen, wie Frey weiss. Im Jahr 1997 schrieb der damalige Direktor «MeteoCH»: «Diese wunderschönen Dokumentationen stellen in ihrer Art etwas Einzigartiges dar, denn unseres Wissens existiert nichts Vergleichbares in der Schweiz.»

Freys Nachfolger Roger Lütolf als Bearbeiter der Oltner Wetterdaten führte, so Frey, «diese wichtige Arbeit, die unter anderem auch der objektiven Erfassung des Klimawandels dient, in musterhafter Weise weiter.» Obwohl die Stadt Olten gegenwärtig von einer umfassenden Sparwelle heimgesucht werde, dürfe die nun 150 jährige Oltner Wettertradition nicht aufgehoben werden. «Vorläufig werde ich», so Frey entschlossen, «die wichtigsten Merkmale des Oltner Winters 2013 und der Jahreszeiten 2014 beschreiben und publizieren, ohne das Budget der Stadt zu belasten.» Freys grafische Darstellungen des Oltner Wetters 1927 bis 2014 in 17 Heften, ab 1950 auch mit dem Schweizer Wetter, will der Meteorologie-Experte später dem Stadtarchiv übergeben.