Olivier Annaheim ist im Schuss. «Ich komme gerade von einer Mitarbeiterinformation, und es gab viele Fragen zu beantworten», begründet der CEO der Mungo Befestigungstechnik AG in Olten die leichte Verspätung für unseren Gesprächstermin. In diesen Tagen verheissen solche Veranstaltungen meistens nichts Gutes, vielfach stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. In diesem Fall gibt der 38-jährige Firmenleiter aber Entwarnung. Es gehe um die Lancierung neuer Produkte, die Umgestaltung des Eingangsbereiches am Firmenhauptsitz und um Investitionen in den Maschinenpark. «Wir wollen ausbauen und nicht abbauen. Mit der Ergänzung des Maschinenparks wollen wir den Ausstoss unserer Produkte erhöhen.» Der Personalbestand werde bis Ende Jahr tendenziell steigen und nicht sinken. Aktuell beschäftigt Mungo in Olten 75 Mitarbeitende, weltweit sind es inklusive mehrerer technischer Vertriebsniederlassungen 120 Beschäftigte.

Die 1968 gegründete Mungo AG (siehe Kasten) produziert technische Produkte, die in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Metall- und Nylondübel sowie weitere Produkte der Befestigungstechnik sind keine sichtbaren Konsumprodukte. Dabei sind die Anforderungen sehr hoch, teilweise handelt es sich um Hightech-Entwicklungen. Die Dübel sorgen für die Tragkraft und hohe Sicherheit von Bauten. Der Trend hin zu vorgefertigten Bauelementen verstärke den Einsatz von zuverlässiger Befestigungstechnologie, beobachtet Annaheim. Die Dübel kommen im Stahl- und Metallbau, Holz-, Hoch- und Tiefbau sowie im Fassaden- und Gerüstbau zur Anwendung. Einige Beispiele: Wolkenkratzer und Brücken in asiatischen und arabischen Metropolen, Stützwände rund um den Simplontunnel oder im neuen Sportstadion (Tissot Arena) in Biel. Die Stahlbolzen müssten erdbebensicher und korrosionsbeständig sein. Ein einziger Dübel könne Nutzlasten bis zu mehreren Tonnen «tragen».

15 Millionen Stahlbolzen pro Jahr

Auf einer riesigen Anlage im Kaltumformwerk in Olten werden fast rund um die Uhr Stahlbolzendübel gefertigt. Gefüttert wird die Anlage mit Draht, am anderen Ende kommt der fertige Stahlbolzen heraus. «Über 15 Millionen Stück produzieren wir pro Jahr», sagt Annaheim auf dem Betriebsrundgang. Dazu würden 1500 Tonnen Draht verarbeitet. Auf den Bereich Stahldübel entfallen rund 35 Prozent des Umsatzes, ebenso gross ist der Bereich Nylondübel. Im Gegensatz zu den Metallbolzen werden diese in der Ostschweiz bei einem Auftragsfertiger produziert. Die für die Nylon-Produktion benötigten Werkzeuge werden aber in Olten entwickelt und durch spezialisierte Formenbauer in der Schweiz hergestellt. Bei den Nylondübeln sind die Stückzahlen noch höher. Über 100 Millionen sind es jährlich, welche die Hochpräzisions-Spritzgiessanlagen jährlich ausspucken. Den Rest des Umsatzes erwirtschaftet die Mungo AG mit chemischen Befestigungen und anderen Handelsgütern.

Da drängt sich die Frage auf, wie sich die Fertigung solcher Massengüter auf dem vergleichsweise teuren Werkplatz Schweiz rechnet. «Die Produktion ist hochautomatisiert», antwortet Annaheim trocken. «Ansonsten wären wir tatsächlich nicht mehr in Olten.» Dies bedinge eben hohe Investitionen in den Maschinenpark. So ist die Halle mit der Produktionsstrasse für die Stahldübel fast menschenleer. Der Anteil der Löhne mache einen sehr geringen Prozentanteil des gesamten Kostenblockes aus. Weniger als die Hälfte der Beschäftigten in Olten sei in der Produktion und in der Logistik tätig. Neben der Entwicklung und Forschung sei dagegen auch das Verkaufs- und Beratungsteam gut dotiert. Allein in der Schweiz würden 13 technische Berater den Kunden beistehen. Obwohl klein und unsichtbar, seien die Anwendung und der korrekte Einsatz der Dübel für die Umsetzbarkeit der Bauten und deren Beständigkeit entscheidend.

Einziger Schweizer Dübel-Hersteller

Bei einem Exportanteil von über 70 Prozent – die wichtigsten Einzelmärkte neben der Schweiz sind Deutschland, Italien, Russland und die Niederlande – spüre man den starken Franken selbstredend. Aber der Einfluss sei dank der Automatisierung nicht so schmerzhaft. Es gelinge, preislich mit den Konkurrenten mithalten zu können. Im vergangenen Jahr sei es gar gelungen, die Bruttomarge zu steigern, dank Optimierungen bei der Zulieferkette. Der Dübelmarkt für den professionellen Einsatz sei zudem übersichtlich und Mungo sei gut positioniert. Die Oltner sind der einzige Dübel-Hersteller in der Schweiz und liegen nach eigenen Angaben unter den zehn bedeutendsten Herstellern weltweit auf Rang fünf. An der Spitze sind die Liechtensteiner Hilti- und die deutsche Fischer-Gruppe.

«Wir wachsen um sechs Prozent»

Mit dem Verlauf in seinem «ersten Geschäftsjahr» ist Annaheim zufrieden. Zusammen mit zwei Schweizer Privatinvestoren hat er das traditionsreiche Unternehmen von Firmengründer und Inhaber Arnold Schefer auf Anfang 2016 übernommen (wir berichteten). Annaheim schloss das Studium der Betriebswirtschaft ab und war vor seiner jetzigen Funktion als CEO seit Oktober 2014 als Director Sales und Marketing bei der Mungo AG tätig. «Wir erwarten im laufenden Jahr ein Wachstum von rund sechs Prozent.» Der Umsatz liege «im höheren zweistelligen Millionenbereich». Die Oltner Dübel werden in 50 Ländern mit Ausnahme von Afrika und Südamerika überall abgesetzt. Ziel sei unverändert, unabhängig zu bleiben, den Standort Olten und somit die Arbeitsplätze zu sichern, betont Annaheim.