Oltner Stadtratswahlen 2021
Marion Rauber, Thomas Marbet und Raphael Schär-Sommer im ersten Wahlgang gewählt

Die Überraschung ist perfekt: Rot-grün sichert sich bei den Stadtratswahlen gleich im ersten Wahlgang die linke Mehrheit. Der bisherige Benvenuto Savoldelli muss in den zweiten Wahlgang.

Fabian Muster und Urs Huber
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Bruno Kissling

Die Überraschung ist perfekt: Rot-grün sichert sich bei den Oltner Stadtratswahlen die linke Mehrheit schon im ersten Wahlgang: Gewählt sind Marion Rauber (SP) mit 3123 Stimmen, Thomas Marbet (SP) mit 2750 Stimmen und neu der Grüne Raphael Schär-Sommer mit 2641 Stimmen, der das absolute Mehr um 6 Stimmen überwand. Das absolute Mehr lag bei 2635 Stimmen, die Stimmbeteiligung bei 47,1 Prozent.

Im ersten Wahlgang nicht gewählt ist Benvenuto Savoldelli (FDP) mit 2309 Stimmen. Er muss in einen zweiten Wahlgang. Noch vor ihm platzierte sich auf dem vierten Rang Nils Löffel von Olten jetzt!, der das absolute Mehr nur um 19 Stimmen nicht schaffte. Ebenfalls vor Savoldelli kam Beat Felber (CVP) zu liegen, der 2329 Stimmen holte. Auf Platz sechs dann wie erwähnt Savoldelli. Auf Platz sieben landete Parteikollege David Plüss (FDP) mit 2056 Stimmen. Auf den letzten beiden Rängen folgen Thomas Rauch (unabhängig) mit 1703 Stimmen und Rolf Sommer von der SVP mit 1125 Stimmen.

Thomas Marbet und Marion Rauber geben sich auf Anfrage einfach nur «happy», wie die beiden unisono sagen. «Ich glaube, wir haben unsere Arbeit nicht so schlecht gemacht und haben es verstanden, uns pragmatisch ins Szene zu setzen», so Marbet. Das Duo sei ja nicht als Radikale bekannt. Für Marion Rauber könnte auch ein gewisser Frauenbonus gespielt haben, der für sie zum besten aller Resultate geführt hat. «Man weiss ja nie wirklich, wo die Gründe dafür liegen», gibt sie zu verstehen. «Aber die Frauenfrage könnte schon eine Rolle gespielt haben.»

«Ich bin masslos enttäuscht», gibt der bisherige Stadtrat Benvenuto Savoldelli zu verstehen. Die Gründe für sein eher unerwartet bescheidenes Abschneiden kann er sich nicht erklären. «Ich habe den Eindruck, eine gute Arbeit abgeliefert zu haben in der letzten Amtsperiode», gibt er zu Protokoll. Ob er zum zweiten Wahlgang antreten werden, hänge auch mit der FDP zusammen. «Dort wird man darüber befinden.» Der Freisinnige gibt sich grundsätzlich auch erstaunt ob dem bescheidenen Wahlerfolg der eigenen Partei. «Nein, wirklich erklären kann ich mir das alles nicht», wiederholt der Anwalt die Bilanz seiner Analyse. Auch für David Plüss ist das Abschneiden der Freisinnigen beim ersten Wahlgang eine «riesige Enttäuschung», wie er sagt. Über die Gründe könne viel diskutiert werden, aber letztlich würden sie im Dunkeln liegen.

Auch wenn’s nicht gereicht hat für Beat Felber, den Mann der CVP, der den Sitz des scheidenden Stadtpräsidenten Martin Wey zu verteidigen hat; er ist trotzdem recht zufrieden, wie er auf Anfrage sagt. «Jetzt weiss ich in etwa, wo ich im bürgerlichen Lager situiert bin», meint er. Und das sei gar nicht mal so schlecht. «Ich werde sicher zum zweiten Wahlgang antreten», so Felber weiter.

Für Olten Jetzt! hat Nils Löffel ein grandioses Wahlresultat eingefahren. Zwei Handvoll Stimmen mehr und der 31-Jährige hätte die absolute Sensation geschafft. «Das Resultat ist natürlich grandios», sagt Löffel. Mit 1500 Stimmen habe er maximal gerechnet. «Und damit wäre ich schon mehr als zufriedden gewesen», wie er sagt. Den Grund seines Erfolges kennt er auch nicht mit letzter Sicherheit. Sie hätten mit Olten Jetzt! bestimmt einen guten Wahlkampf auf Social Media gemacht und sicher zu mobilisieren verstanden. «Es ist auch möglich, dass mit Olten jetzt! auch ein Wählersegment angesprochen wird, welches sonst nicht zur Urne gehen würde», mutmasst der Neuling weiter. Und vielleicht verdeutliche das Ergebnis auch den festgestellten Trend, dass sich die Städte grundsätzlich Richtung rot-grün bewegen würden. Ganz sicher aber ist: Nils Löffel wird zum zweiten Wahlgang antreten.

Keinen Achtungserfolg gabs für den in Olten parteiunabhängigen Kandidaten Rolf Sommer, der deutlich die Ziellinie verpasste. Er wird damit nicht zufrieden sein. Wenige Tage zuvor nämlich war er 68-Jährige noch der Überzeugung gewesen, das Ding laufe für ihn. Er war am Sonntagabend nicht zu erreichen. Ein anderer Wilder, nämlich Thomas Rauch, war von seinen Resultat auch nicht zwingend angetan. «Das entspricht durchaus meinen Erwartungen», meinte Rauch, der sich im Vorfeld der Wahlen auch als möglicher Kandidat fürs Stadtpräsidium empfohlen hatte. Nun will er sich überlegen, ob er zum zweiten Wahlgang antreten will. «Ich denke schon», sagt er auf Anfrage und meint zum Wahlergebnis grundsätzlich: «Ich hätte mir im Grund genommen schon zwei freisinnige Mandate gewünscht.»

Der Grüne Raphael Schär-Sommer war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der zweite Wahlgang findet am 25. April 2021 statt; Anmeldefrist ist am Montag, 15. März 2021, um 17 Uhr. Für die zweite Runde gesetzt ist, wer am ersten Wahlgang teilgenommen hat, sofern er oder sie die Kandidatur nicht bis am kommenden Dienstag, 9. März, um 17 Uhr zurückzieht.

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