Es gab zu Beginn dieses montäglichen Symposiums mit rund 80 Teilnehmenden aus Bank-, Immobilien- und Planungswesen sowie der Bevölkerung ein paar klare Worte des Stadtpräsidenten Ernst Zingg.

Auf dem Gelände Olten SüdWest, im Zelt von «Karls Kühner Gassenschau», erklärte das Stadtoberhaupt die Gründe, welche den eingeschlagenen Weg zur städtischen Wohnpolitik zu verdeutlichen suchten: Olten sei nicht wie gewünscht gewachsen, verharre in einem undynamischem Wohnungsmarkt, brauche vermehrt finanzstarke Bewohner. Ergo richte die Stadt ihre Wohnpolitik auf gute Steuerzahlende aus und strebe bis ins Jahr 2023 ein Bevölkerungswachstum von 3000 Personen an.

Wie zum Ziel kommen?

Soweit – so gut. Bloss: Wie gedenkt man solche Ziele zu erreichen? Und mit wem? Eva Gerber, Leiterin Stadtentwicklung, legte hiezu einige Massnahmen vor: Verstärktes Wachstum versprechen sich Politik und Planung vor allem von gewonnen Zu- und Wegpendlern. Die Förderung von Wohnungen mit gutem Ausbaustandard an zentralen Wohnlagen, die Unterstützung von zentrumsnahen Wohnungen für Kleinhaushalte, die Stärkung der als «Pullfaktoren» bezeichnenden Aspekte wie Kinderbetreuung (gute Schulen, Tagesstätten, Mittagstisch), sowie Aufwertungsmassnahmen im öffentlichen Raum gehören ebenfalls zum Strategiepaket, welches Olten auf verändertem Niveau «popularisieren» und positionieren helfen soll.

Ein breites Spektrum an Lebensorten bietet für alle was: Wohnen in der Innenstadt, Wohnen am Garten, am Wald, am Wasser, in Olten SüdWest.

Warum boomt Olten nicht?

Positive Standortfaktoren, die eigentlich allesamt bekannt sind. Und trotzdem boomt Olten nicht. Warum nicht? Der Beantwortung dieser Frage versuchte sich Jörg Koch, CEO Pensimo (Anlagestiftung, von Pensionskassen gegründet und nach unternehmerischen Grundsätzen geführte Anlageorganisation für Immobilien) anzunähern: Quintessenz: Es gibt – aus wirtschaftlicher Sicht für Investoren der Immobilienbranche – den Nachfragebedarf gar nicht, um in Olten grosszügig zu investieren: Der Wertschöpfungsgehalt bei Immobilien derzeit ist vergleichbar mit jenem von Biel oder Visp. Olten ist - eben nicht Boom-Town.

Koch brachte nebenher – wenn auch in hochdiplomatischem Stil – noch ein paar städtebauliche und andere «Tolggen» zur Sprache: Unfreundlicher Empfang am Bahnhof, unattraktive Verbindungen zur Altstadt, Stadtbild geprägt von Autoverkehr, wenig städtebauliche Dichte («eine Badi mitten in der Stadt), Altstadt zu wenig eingebunden in den Stadtkörper. Olten weise auch eine kleinteilige Eigentumsstruktur auf. Weitere Hemmnisse also. Und so nebenher erwähnte der CEO auch, dass im Planverfahren jeweils verordnete Gewerbeflächen in aller Regel vorprogrammierte Leerbestände generierten. Immerhin: Der Pensimo CEO lobte die Bemühungen des Stadtrates; diese zielten in die richtige Richtung. Dass mit der kommenden Neugestaltung des Areals Bahnhof West, der Entlastung Region Olten, der vom Volk beschlossenen Attraktivierung des Aareraums Indizien einer Neuorientierung seien, liess Zingg im Nachgang zu Kochs Vortrag nicht unerwähnt.

Olten – ein Markt für wen?

Im finalen Podium unter der Leitung von Paul Knüsel, Umweltnaturwissenschafter und Journalist, gab es weitere pointierte Stimmen zu einer möglichen Entwicklung der Stadt. Bernard Staub, Leiter Amt für Raumplanung Kanton Solothurn, räumte der Stadt aufgrund ihrer grossen Bauzone absolute Entwicklungschancen ein und lobte das Bestreben, sich dem verdichteten Bauen zuzuwenden. Markus Graf, CEO Swiss Prime Site, plädierte für eher organisches Wachstum und stellte den Sinn eines Bevölkerungszuwachses von 20 Prozent innert zehn Jahren – wie vom Stadtrat angestrebt – infrage.

In die gleiche Richtung zielte Kees Christiaanse, Architekt/Planer. Die Zersiedelung präsentiere sich für ihn in einem durchaus noch vertragbaren Masse. Und zudem stellte er die Frage: «Warum soll Olten so schnell wachsen?» Um gleich die Antwort zu liefern: «Es gibt eigentlich gar keinen Grund dafür.»

Im Umkreis von 20 Kilometern

Regula Buchmüller, Stadtberner Stadtentwicklerin, plädierte ebenfalls für kleine Schritte und eine enge Begleitung. Eine Bemerkung, die Bernhard Ruhstaller, Immobilienmarketing acasa und in Olten SüdWest aktiv, zu der Aussage antrieb, mit der engen Begleitung dürften nicht ein Haufen Stolpersteine für den Investor einhergehen. «Wenn jemand an Olten Interesse zeigt, ist kooperatives Verhalten der Behörden wünschenswert.»

Im Gegensatz zum Stadtrat sieht der Mann nicht im Pendlermarkt Basel-Bern-Zürich mit Zentrum Olten das Potenzial für Neuzuzüger, sondern in Oltens näherem Umkreis. «20, 30 Kilometer», so definierte Ruhstaller den Einzugsradius. Olten ist – so scheints – eine Braut, die noch keine Freier so richtig haben will. Aber wie endet doch das hässliche Entlein? Genau, als stolzer Schwan.