Die Verpflichtung des international tätigen Thuner Violinisten Alexandre Dubach war für das Konzert des Stadtorchesters Olten ein Glücksfall. Im einzigen Violinkonzert von Johannes Brahms (1833–1897) riss er das Laienorchester mit sich, das unter dem Einfluss des Geigenvirtuosen zu einer harmonischen Einheit verschmolz.

Dubach dominierte das Geschehen weitgehend. Der Klang seiner aus dem Jahre 1727 stammenden Geige, ein Instrument den neapolitanischen Geigenbauers Nicola Gagliano, war schlichtweg betörend.

Zugabe Paganini

Brahms hat den Solopart sehr abwechslungsreich gestaltet. Teilweise hat er das Soloinstrument in den Orchesterklang eingebunden, teilweise lässt er ihm aber auch viel Raum. Zwischendurch gibt der Solist dem Orchester kurze Melodien vor, die von den Streichern aufgenommen werden. Bei den atemberaubenden Kadenzen aber schweigen die Begleitmusiker und der Klang der Violine schwingt sich in ungeahnte Höhen auf. Die wunderschönen Klänge und Tonfolgen faszinieren. Man wagte fast gar nicht mehr zu atmen.

Zu Brahms Lebzeiten galt das Konzert als fast unspielbar, heute gehört es ins Repertoire wohl jedes Stargeigers. In seiner meisterlichen Interpretation bewies Alexandre Dubach ein ausserordentliches Können und Qualitäten, bei denen er vom Stadtorchester überzeugend unterstützt wurde. Erfreulicherweise spielten Solist und Orchester den dritten Satz des Brahms-Violinkonzertes, das kompakte Allegro Giocosa, als zweite Zugabe nochmals: ein Ohrwurm für den Nachhauseweg. Zuvor allerdings gab Alexandre Dubach, der international als Paganini-Spezialist gilt, einen besonderen Leckerbissen als erste Zugabe: Ein unglaublich abwechslungsreiches, an Interpretation und Technik höchste Anforderungen stellendes Capriccio des legendären italienischen Teufelsgeigers.

Dirigent André Froelicher verfügt über die Gabe, ausserordentlich kluge Konzertprogramme zusammenzustellen. Dies war auch diesmal der Fall. Der dritte Satz der berühmten «Jupitersinfonie» Nr. 41 in C-Dur KV 551 ist in sich ein Meisterwerk. Mozart Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) stellt im letzten Satz seiner allerletzten Sinfonie vier verschiedene Themen vor, verändert sie leicht nach allen Regeln der Komponierkunst, um sie dann zum guten Schluss in der Coda in einer Art Fuge zusammenfliessen zu lassen.

Diese Kompositionstechnik war damals verwirrend neu, Brahms nahm sie dann wieder auf und Ende des 20. Jahrhunderts fand sie in heutigen Komponisten meisterliche Ausdeutung. Es ist folgerichtig, dass Froelicher die mächtige Jupitersinfonie vor das Brahmsche Violinkonzert stellte – im heutigen Konzertbetrieb beschliesst das schwierige Mozart-Meisterwerk üblicherweise ein Konzert.

Recht nervöses Laienorchester

Den Musikern des Stadtorchester tat Froelicher aber mit der Jupitersinfonie als Konzertouvertüre keinen grossen Gefallen. Der erste Satz der Sinfonie mit dem relativ schnellen Tempo, den berührenden Pianostellen und den abrupt aufbrausenden Fortissimi überfordert ein ohnehin zu Beginn eines Konzertes recht nervöses Laienorchester. Seit 18 Jahren versucht André Froelicher, die Grenzen des Stadtorchesters auszuloten und diese Grenzen sogar leicht zu erweitern.

Ein durchaus lobenswertes Unterfangen. Im 1. Satz der Mozartsinfonie hörte sich aber das Resultat der emsigen Probenarbeit recht dürftig an. Im langsamen 2. Satz atmete das Stadtorchester hörbar auf und im letzten Satz gewann es dann jene Sicherheit, die mit dem Brahms-Violinkonzert bestätigt wurde.