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Oltner Sparkurs: Zwei Stadträte würden auf Teil ihres Lohnes verzichten

V.l.: Benvenuto Savoldelli, Thomas Marbet, Urs Huber, Martin Wey, Iris Schelbert und Peter Schafer stellten sich am Polit-Anlass «Coq politique» in der Schützi den Fragen des Publikums.

V.l.: Benvenuto Savoldelli, Thomas Marbet, Urs Huber, Martin Wey, Iris Schelbert und Peter Schafer stellten sich am Polit-Anlass «Coq politique» in der Schützi den Fragen des Publikums.

Zwei Oltner Stadträte sind aufgrund der schlechten finanziellen Lage der Stadt bereit ihren Lohn zu kürzen. Das Volk solle nun aber mitdenken, wird gefordert.

Quo vadis Olten? Oder besser: Was hat der Stadtrat mit der Dreitannenstadt genau vor? Das war am Polit-Anlass «Coq politique» vom Mittwochabend in der Schützi die grosse Frage, die der Stadtrat versuchte zu beantworten. Mit Betonung auf versuchte. Welche Strategie verfolgt der Stadtrat genau? Gibt es überhaupt eine? Gibt es ein lustvolles Sparen?

Die Fragen aus dem Publikum von über 100 Personen und von Moderator und OT-Redaktor Urs Huber provozierten. Die Stadträte und die Stadträtin verteidigten sich, versuchten sich zu rechtfertigen, wie Angeklagte vor einem grossen Geschworenengericht, das die Antwort auf die Gretchenfrage kennen will.

Private Geldgeber sollen helfen

«Wir müssen den Cashloss minimieren», erklärte der Finanzdirektor Benvenuto Savoldelli die Sparstrategie der Stadt. Die Stadt muss weniger Geld ausgeben und sparen. Aber wer genau wird das nächste Sparopfer sein, wollte das Publikum wissen, das aus jungen wie alten Interessenvertretern bestand. Es wollte Namen und Zahlen hören und «eine klare Strategie». Ein Anwesender meinte, es sehe so aus, als picke der Stadtrat bei seinem Sparkurs willkürlich aus der Menge heraus und warte dann auf die Reaktionen des Volkes, wie beispielsweise beim Kunstmuseum oder dem Provisorium 8. Wehrten sich die Einwohner genug, sehe der Stadtrat von der «Beute» wieder ab und krebse zurück.

Laut Iris Schelbert versuche man grundsätzlich alle Besonderheiten der Stadt, sprich Kulturinstitutionen wie beispielsweise das Stadttheater und Museen, zu erhalten. «Um zum Beispiel das Angebot der Tagesstätte Sonnegg oder des Cultibos weiterführen zu können, sind wir auf Private zugegangen», sagte Thomas Marbet. Das sei auch generell die Strategie, um trotz leeren Kassen nicht auf Wichtiges verzichten zu müssen: private Geldgeber, Sponsoren vermehrt einbinden.

Schlechte Kommunikation

Mehrmals warfen Publikumsgäste dem Rat vor, er könne nicht kommunizieren. «Vielleicht wollt ihr es aber einfach nicht verstehen», sagt die Polizeidirektorin und sorgte für Entrüstung, aber auch für Applaus im Publikum. Es gebe nicht viel zu erklären: «Wir haben einfach kein Geld mehr. Punkt.» Olten habe schon viel härtere Zeiten überstanden, wie zum Beispiel im Ersten Weltkrieg. «Die Leute kamen mit wenigem aus und schätzten alles.» Man sei kreativ geworden und habe die schlimme Zeit überstanden. Heute erlebe die Stadt eine nicht einfache Zeit, trotzdem könne man versuchen, das Beste daraus zu machen. Und sparen müssen man halt auch. «Auch im Stadtrat?», wollte jemand aus dem Publikum wissen.

Und der Moderator fragte: Welcher Stadtrat oder -rätin ist denn bereit den eigenen Lohn zu kürzen? Ein ganz klares Nein kam seitens Peter Schafers und Iris Schelberts. «Nur wenn Sie Ihren Lohn auch kürzen und in die Staatskasse geben», warf die Polizeidirektorin die Antwort irritiert ins Publikum. Stadtpräsident Martin Wey, der als Einziger im Stadtrat im Vollamt angestellt ist, deklarierte, auf 10 Prozent seines Lohns zu verzichten. Auch Benvenuto Savoldelli erklärte sich bereit, den eigenen Lohn zu kürzen. Thomas Marbet sagte, er verrechne dafür keine Spesen.

Chance, kreativ zu werden

Der Spardruck ist laut Wey als Chance wahrzunehmen. «In dieser schwierigen Zeit haben sich viele Leute zusammengetan und halten zusammen.» Das sei ja auch eine positive Entwicklung und eine Chance kreativ zu werden. Als Vorbild könne die deutsche Stadt Altenburg genommen werden, wo Bürger beispielsweise selber für den Unterhalt der Pärke sorgen. So appellierte er auch an die Eigeninitiative der Einwohner. Mehr Innovation und Kreativität erwartete das Publikum hingegen gerade vom Stadtrat. Dieser brauche endlich eine Vision; ein konkretes Ziel, das er auch dem Volk klar kommunizieren müsse.

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