Weg von der Atomkraft, mehr alternative Energiequellen, weniger fliegen, kein Plastik mehr, Wasser abstellen beim Zähneputzen. Die Liste für nachhaltigeres Leben ist endlos. Von grösseren, nationalsystemischen Massnahmen wie dem Energieumstieg bis hin zu individuellen Ansätzen wie dem Wasserverbrauch gibt es unzählige Wege, unserer Umwelt mehr Sorge zu tragen und dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Mit dieser Thematik setzte sich die Klimakonferenz im polnischen Kattowitz (Katowice) während der letzten zwei Wochen auseinander. Ziel dieser Uno-Klimakonferenz ist, die Pariser Klimaziele doch noch zu erreichen. In dem Abkommen hatte die internationale Gemeinschaft Ende 2015 vereinbart, die Erderwärmung auf 1,5 Grad einzudämmen.

"Wir haben keine Wahl"

Für viele ist der Inhalt dieser Konferenz zu umfassend, das Problem zu abstrakt und Polen zu weit weg. Doch der Oltner Mischa Kaspar war vor Ort und kann so das Thema für alle greifbarer machen. «Hunderte fliegen dahin um darüber zu streiten, wie man das Klima am besten schützen kann. Am Buffet gibt es viel Fleisch und neben dem Buffet viel Larifari.» Kaspar spricht die Gedanken vieler aus: Was bringt die Klimakonferenz überhaupt?

«Vieles», ist der Oltner überzeugt. Öffentlicher Druck sei möglich und notwendig. Schliesslich sei das Pariser Abkommen ebenfalls aus so einer Dynamik entstanden. «Dieses ist mittlerweile ein Meilenstein im Bekämpfen der Erderwärmung, obschon Klimakonferenzen oft als nutzlos abgetan werden.» Ob Gespräche, Demonstrationen oder Vorträge, jeder Einzelne könne etwas dazu beitragen, das Klimaziel zu erreichen.» «Denn schliesslich haben wir keine andere Wahl, oder?», fragt der Oltner. Wenn wir das Klimaziel nicht erreichen, dann haben wir ein Ghetto.»

3000 Jugendliche engagieren sich

Der 27-Jährige hat Umweltwissenschaften studiert, arbeitet bei einer Klimaschutzorganisation, fliegt äusserst selten, fährt kaum Auto. Die Umwelt liegt ihm am Herzen. «Ich will die Welt retten», sagt Kaspar lachend. «Aber das kann ich nicht alleine.» Deshalb ist er Mitglied des Nachhaltigkeitsprojekts Faires Lager, ein Projekt, das unter anderem von der Pfadibewegung Schweiz, der Jubla und Fastenopfer getragen wird.

«Wir vermitteln nicht nur trockene Fakten», erklärt der Oltner. «Bei uns setzen sich Kinder und Jugendliche in einer lebhaften Umgebung mit den Themen Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit auseinander.» Das Gelernte können sie dann in ihren Sommerlagern sogleich umsetzen. So engagieren sich 3000 Kinder und Jugendliche jährlich für den nachhaltigen Konsum in der Schweiz.

Die Jugendlichen erhielten nun die Chance, als Teil der Delegation von Fastenopfer vom 6. bis 10. Dezember nach Kattowitz zu reisen um an einem Netzwerktreffen von Coopération Internationale für Développement et la Solidarité (CIDSE), eine Dachorganisation für katholische Entwicklungsorganisationen, im Umfeld der Klimakonferenz teilzunehmen.

Hoffnung schweisst alle zusammen

«Wir hatten keine Ahnung, was uns da erwartet», erzählt Kaspar am Montagnachmittag, einen Tag nach diesem Erlebnis und gleich nach der Rückkehr aus Kattowitz. Als einer von zehn Schweizer Jugendlichen von Faires Lager erhielt er einen Einblick in die Arbeit von diversen Non-Profit-Organisationen und Klimaaktivisten.

«Wir haben beispielsweise eine Einwohnerin des Amazonas getroffen, deren Lebensraum von Abholzung bedroht ist», erzählt Kaspar. «Ein sogenannter Climate Warrior aus Samoa hat erzählt, wie jedes Grad Erwärmung den Meeresspiegel so stark ansteigen lässt, dass immer mehr Inseln zu verschwinden drohen.» Doch es ginge bei diesen Vorträgen nicht nur um Angstmacherei, das sei so oder so der falsche Weg. Es gehe dabei vor allem um eines: Hoffnung. «Es war eindrücklich zu sehen, wie dieses Gefühl so viele Menschen zusammenschweisst», sagt Kaspar. «So können wir alle zusammen wirklich etwas bewirken.»

Grosses Netzwerk aufgebaut

Nebst Vorträgen und Gesprächen mit Klimaaktivisten nahm das Schweizer Projekt auch an einer Demonstration teil. Diese fand rund um das Internationale Konferenzzentrum und die Spodek Arena statt, wo der Hauptteil des Klimagipfels ausgetragen wurde. «Dort wird über die Zukunft unserer Welt entschieden», so Kaspar. «Es ist ein spannendes Gefühl, direkt daneben zu stehen und Teil davon zu sein.»

Nach vier intensiven Tagen war das Erlebnis für die Schweizer wieder vorbei, mit dem Nachtzug ging es zurück in die Heimat. Obwohl vier Tage nur eine kurze Zeit sind, bleiben die Eindrücke bestehen. «Ich persönlich kann sicher vieles für meinen Beruf mitnehmen», so Kaspar. «Wir lernten andere Organisationen kennen, konnten unser Projekt vorstellen, erhielten Insider-Informationen aus dem grossen Klimagipfel.» Der Oltner schwärmt. «Das Wichtigste ist, dass wir uns ein so grosses Netzwerk aufbauen konnten.»