Sie gehörte noch vor Jahrzehnten zur Silvesterparty wie das Amen in die Kirche: die Tischbombe. Und noch immer ist sie einigermassen en vogue, jedenfalls beim jüngeren Publikum, dem der Sinn für Nutzloses noch nicht abhandengekommen ist.

Allerlei Tand speit die Bombe nach der Explosion jeweils in die Luft, den man nachher zusammenklauben, verteilen und bespielen darf: Klebeschnurrbärte, rote Clownnasen, bunte Luftschlangen, Halblarven, Ballone, Sudokus, Papierhütchen mit Gummizug, Papierperlen samt Blasrohr und Spassbrillen, gellende Tröten und Spielzeugkreisel, Mundsirenen und Trickspiele.

Bei solchen Ingredienzien lässt sich vermuten: Vielleicht taugen Tischbomben als Stimmungsmacher erst was, wenn die Atmosphäre ohnehin schon ordentlich heiter daherkommt.

Vier mal die Clownnase

Wer also Sinn hat für Tand, der kommt dabei auf die Rechnung. Aber was aus diesem Sammelsurium von Nippes bevorzugen nun Oltens Volksvertreterinnen und -Vertreter, so sie denn davon Gebrauch machen müssten?

Myriam Frey Schär (Grüne) zögert keine Sekunde: «Ich würde auf jeden Fall die Clownnase wählen. Und zwar aus einem einfachen Grund: Das auslaufende Jahr war aus demokratischer und weltweiter Sicht ein äusserst negatives. Dagegen lässt es sich nur mit Satire angehen. Und eine Clownnase ist für mich Symbol dafür», so die 44-jährige, die durchaus auf Tischbombenerfahrung zurückblicken kann. «Die gabs früher zu Silvester», meint sie. Und auch heute kämen solche wegen der eigenen Kinder schon mal zum Einsatz.

Auch Deny Sonderegger (FDP) würde als Erstes zur Clownnase greifen. «Halt darum, weil sie als Zeichen dafür steht, das Leben nicht immer nur ernst nehmen zu müssen», wie er sagt. Oder auch «um dem Kind im Manne Ausdruck zu verleihen», sinniert er.

Der 39-Jährige hat übrigens eine Affinität zur Tischbombe. «Ich bringe zur Silvesterparty eigentlich immer eine solche mit; so zum Spass.» Zudem hat der Mann seine Hochzeiteinladung per Tischbombe verschickt, was einer unter den potenziellen Gästen nicht richtig verstand und der Ansicht war, die Bombe erst zu Silvester hochgehen zu lassen. Sonderegger half ihm schliesslich auf die Sprünge.

Wenig anfangen mit Tischbombenware kann Sonja Bossart Meier (CVP). «Die Dinger gehen gerade noch durch bei Kindergeburtstagen für 6-jährige», meint sie belustigt. Aber wenn die 42-jährige müsste, so würde auch sie die Clownnase wählen. «Ich glaube, die ist noch am lustigsten», gibt sie zu verstehen.

Das würden wohl auch die Kinder so empfinden, meint die Parlamentarierin obendrein, die als Kind der Grossmutter zur Hand ging, die ihrerseits noch Schnurrbärte aus Haar für Tischbomben richtete. Die heutigen Modelle bestehen lediglich noch aus bedrucktem Karton und rückseitig angebrachtem schmalen Klebstreifen.

Auch Renata Pfeiler (SP) hat am meisten Sympathie für die Pappnase. «Irgendwie als Zeichen wider den tierischen Ernst» gibt die 48-Jährige zu verstehen. Die letzte Tischbombe in ihrer Gegenwart zündete Silvester 2015. «Und das nach einer Pause von mindestens 25 Jahren», lacht sie. Zu ihren Kinderzeiten aber sei das sicher schon mal vorgekommen, dass eine Tischbombe daheim explodierte.

Wie Bohrer bei Zahnarzt

Eine ganz andere Wahl trifft Philippe Ruf (SVP), der sich nach einer minimalen Denkpause für die Mundsirene entscheidet, deren Sound er sich am Telefon vorführen lässt. «Die tönt exakt so, als würde der Zahnarzt gerade den Bohrer in Gang setzen. Sicher nur für die wenigsten ein angenehmes Geräusch», scherzt der 27-jährige weiter.

Warme Farbe

Noch einmal eine andere Wahl trifft der grünliberale Christian Ginsig: «Ich glaube, ich würde den rotfarbenen Ballon nehmen», meint er. «Das ist eine warme herzliche Farbe.» Zu Tischbomben hat der Mann aber keine Beziehung. «Ich wüsste nicht, wann ich die Letzte gezündet hätte», räumt der 43-jährige ein.

Der Effekt des Knallkörpers ist ihm zu kurzatmig. Viel lieber hebt sich der Parlamentarier jeweils einen Zuckerstock vom 1. August sorgsam auf und lässt diesen dann an Silvester Funken speien. «Davon hat man viel mehr», meint Ginsig lachend.

Marlène Wälchli Schaffner von der EVP überlegt eine kleine Weile und erklärt dann: «Also ich wähle den Hut und

verziere den mit einer Spassbrille.» Aber dann fällt ihr ein, dass die Hüte jeweils eben nur Hütchen sind. Also muss was anderes her. «Dann wähle ich den Schnurrbart; denn irgend was Auffälliges muss es schon sein.»

Und sie erklärt so ganz nebenbei, Schnurrbärte auch jenseits der eigentlichen Tischbombe, also in natura durchaus zu mögen. «Vor allem jene, die nach oben gezwirbelt sind», sagt die 58-jährige heiter.

Trickspiele, Tröten, Blasrohre und Luftschlangen finden also bei der kleinen, nicht nur ernsthaften Umfrage kein Gehör. Der Favorit hingegen ist klar: Die rote Clownnase vereinigt eine parlamentarische Mehrheit und bringt zumindest die grossen Parteien im Parlament für einen Moment zusammen.