Olten

Oltner Musiker bekommt für Komposition einen Preis

Heinz Schoenenberger komponierte dank seiner Frau (siehe Fotos an Wand) «Green Granit».

Heinz Schoenenberger komponierte dank seiner Frau (siehe Fotos an Wand) «Green Granit».

Heinz Schoenenberger erhielt in Deutschland einen Preis für die Komposition «Green Granit». Das Stück nimmt die Hörer mit auf eine Reise ins Berner Oberland und erzählt ihnen von Naturphänomenen.

Am Schulfestumzug passierte es: Als der Dreikäsehoch Heinz Schoenenberger die in der Sonne glänzenden Trompeten der vorbeimarschierenden Jugendmusik Olten sah, da wars um ihn geschehen. «Von diesem Moment an wollte ich Trompete spielen und fing dann auch als Neunjähriger damit an», erinnert sich der heute 51-jährige Oltner Musiker.

Richtig professionell wurde sein Trompetenspiel aber erst nach seiner Lehre zum Maschinenschlosser: Schoenenberger studierte am Basler Konservatorium Trompete und Dirigieren (Abschluss: «cum laude»), wobei das Freifach Komponieren die Ausbildung komplettierte – der Grundstein für seine Musikerkarriere war gelegt.

Diese war und ist geprägt von Ungeplantem, das sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht: «Vieles, was ich suchte, habe ich nie erhalten. Im Gegenzug bekam ich anderes, was ich ruhen liess», meint er und zieht als Beispiel ausgerechnet das Komponieren heran – eine Disziplin, die er erst 1991 so richtig für sich entdeckte.

«Probierte ohne Hintergedanken»

Damals wollte er zusammen mit der späteren Oltner Stadträtin Madeleine Schüpfer, der Tanzpädagogin Ursula Berger, dem Kunstmaler Christof Schelbert und drei Komponisten die Theater- und Ballett-Produktion «Sagen-haftes Solothurn» realisieren. Da es im Bereich der Musik nur schleppend voranging, setzte sich Schoenenberger einmal voller Ungeduld ans Klavier und spielte drauflos, was bei der zuhörenden Schüpfer auf Resonanz stiess: Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an ihre Worte («Jetzt musst du es nur noch niederschreiben, es gefällt mir sehr gut») sowie die Anfänge seiner Komponistentätigkeit. «Es sprudelte damals nur so aus mir heraus. Aber nicht, weil ich es suchte und wollte, sondern einfach weil ich ohne Hintergedanken probierte.»

Damit die Gedanken nur so sprudeln, bedarf es Impulsen: «Die Natur und ruhige Momente, die Raum fürs Sinnieren lassen, sind meine Inspirationsquellen.» Dazu scheint auch die Region als Ideengeberin zu fungieren: Das Stück «The Mask of the Night», 1999 uraufgeführt in San Louis Obispo/USA, etwa handelt von einer Sage aus der Hägendörfer Teufelsschlucht, die er für seine Kinder vertonte. Ebenfalls stammt das Festspiel «d Stadt Olte stoht im Ring», geschrieben im Rahmen des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 1991, aus seiner Feder.

Renaissance des Komponierens

Für seinen neusten Wurf «Green Granit» wurde ihm kürzlich vom Landesmusikverband Nordrhein Westfalen in Soest der Kompositionspreis verliehen. Das Stück widerspiegelt nicht nur Naturphänomene, sondern symbolisiert auch fast ein wenig die Renaissance des Komponierens im Leben Schoenenbergers: Dieser Tätigkeit hat er für einige Zeit aufgrund einer schwierigen Lebensphase abgeschworen. – Dies bis zu jenem Tag im Sommer 2010, an dem er mit seiner heutigen Frau einen Ausflug ins Berner Oberland unternommen hat. «Mit der steilsten Standseilbahn Europas fährt man zum Gelmersee im Grimselgebiet, dessen mintfarbenes Gletscherwasser in der Abendsonne fast unwirklich scheint, schwärmt Schoenenberger und berichtet begeistert über die raue, steinige Gegend dort, die wegen der grün schimmernden Felsfarbe eine gewisse Wärme ausstrahlt.

«Meine Frau gab mir an diesem für mich bewegenden Ort den Anstoss, wieder zu komponieren. Die Partitur schenkte ich ihr dann zu Weihnachten 2010.» Dass diese Komposition für ihn selbst ein Geschenk bedeutet, bemerkte er erst zwei Jahre später: Sein Verleger war von ihrer Wettbewerbstauglichkeit überzeugt und bewog Schoenenberger dazu, das Stück – nachdem es 2011 in einer viel kürzeren und einfacheren Version uraufgeführt wurde – zu überarbeiten.

Rausgekommen ist ein «publikumsnahes Stück» für sinfonisches Blasorchester, das die imposante Bergwelt, die holprige Bahnfahrt (im ungeraden 5/8-Takt) sowie in einem langsameren Teil den romantischen Sonnenuntergang behandelt. «Das Anhören von ‹Green Granit› ermöglicht einen gefühlten Kurzurlaub in der Schweiz, in einem einzigartigen Naturerbe», zitiert Schoenenberger die Worte des Moderators bei der Preisverleihung.

Alex Capus hat recht ...

Während er in Deutschland gelobt wird, hat die Stadt Olten punkto Aufmerksamkeit das Motto «Geiz ist geil» für sich gepachtet, wie seinen Aussagen zu entnehmen ist. Was bei ihm früher noch Enttäuschung auslöste, habe für ihn heute einen realsatirischen Unterhaltungswert, so Schoenenberger: «Ich kann Alex Capus’ Aussage unterstützen, dass Städte wie Solothurn gegenüber Künstlern ein ganz anderes Verhältnis haben als Olten.» In Solothurn sei er – im Gegensatz zur Dreitannenstadt – als Komponist und Dirigent eine respektierte Persönlichkeit, konkretisiert er.

Sein Engagement beschränkt sich hier auf das Amt als Jurymitglied des von ihm gegründeten OT-Jugendmusikwettbewerbs. Ausserhalb Oltens setzt er auf mehrere Standbeine: «Ich vergleiche meine verschiedenen Tätigkeiten als Dirigent, Solist, Orchestermitglied, Komponist, Musikschulleiter und Lehrer mit einem Zehnkampf.» Es sei wie im Sport eine Energie beanspruchende Herausforderung, sich überall in der Professionalität zu bewegen. Dass er diese Hürde im Bereich des Komponierens erfolgreich genommen hat, beweist der Preis allemal.

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