Unauffällig
Oltner machen sich Sorgen um den Obdachlosen

Seit Tagen bewegt ein Obdachloser die Gemüter in der Stadt − er lehnt jede Hilfe ab. Inzwischen ist er bei der Polizei, beim Stadtpräsidenten und auch bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde bekannt.

Urs Huber
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In den letzten Tagen in Olten anzutreffen: Ein Obdachloser, der sich partout nicht helfen lassen will. Leserbild: Ruedi Leuenberger

In den letzten Tagen in Olten anzutreffen: Ein Obdachloser, der sich partout nicht helfen lassen will. Leserbild: Ruedi Leuenberger

zvg

Als eigentlich «ganz gut beieinander» wird er beschrieben, der Hochdeutsch sprechende Mann, der in Olten seit Tagen unter freiem Himmel schläft. Er gebärdet sich im Übrigen ganz unauffällig, lehnt aber relativ rabiat jede Hilfeleistung ab. Diesen Schluss jedenfalls lässt der kürzlich ausgestrahlte Beitrag von Tele M 1 zu.

Gestern blieb der Mann, der sich partout nicht helfen lassen will und dessen Identität gemäss Melanie Schmid von der Kantonspolizei Solothurn inzwischen festgestellt wurde, aber weitgehend ungesehen. Ist er in einem Heim untergebracht worden? «Uns wäre nicht bekannt, dass der Mann behördlich betreut würde oder gar in Obhut genommen worden wäre», so die Polizeisprecherin.

Am Dienstagmorgen, so berichten Augenzeugen, war der Mann vor dem Coop City anzutreffen, in Gegenwart einer Polizeipatrouille. Aus dem dortigen Gewerbe ist zu erfahren, dass er gelegentlich auch Kleinigkeiten einkauft; aber nicht nur mit Münzen, sondern auch mit Banknoten bezahlt.

Üblicherweise würden Bettelnde mit kleinen Münzen hantieren, ist im benachbarten Kiosk zu erfahren, wo man mit einem Augenzwinkern auf den gar strengen Körpergeruch hinweist, den der zwischen 40- und 50-jährige Mann verbreitet. Bekämpft wird dessen Duft jeweils mit einem kleinen Sprühstoss aus dem eigens dafür beschafften Parfümflacon.

Und sonst? Eine gewisse Sorge treibt die Passanten durchaus um. «Er trägt lediglich ein T-Shirt, so hab ich mir überlegt, ob ich nicht noch irgendwo warme Pullover in Reserve habe», erklärt eine Passantin.

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb verweist auf Anfrage nach dem allfälligen Verbleib des Unbekannten ans Amt für Soziale Sicherheit in Solothurn. Die dortige Leiterin Claudia Hänzi bestätigt, dass die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde über den Fall informiert sei und im Austausch mit anderen Behörden stehe.

Falls die betroffene Person Schutz und Hilfe benötige, werde dies auch veranlasst. Ein Eingreifen sei aber in jedem Falle nur dann gerechtfertigt, wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliege. Ein bewusstes Verzichten auf Hilfe, wie es auch der Mann in Olten getan habe, sei ebenso kein Grund zum Einleiten von Massnahmen wie auch das Führen eines aussergewöhnlichen Lebenswandels.

Auch Stadtpräsident intervenierte

Was Martin Wey, Oltens Stadtpräsident, bei Tele M1 ankündigte, hat er auch umgesetzt. «Ich habe mich mit der Kesb in Verbindung gesetzt und dort erfahren, dass bereits andere Passanten oder Anwohner die Anwesenheit des Mannes gemeldet hätten.» Der Mann, der dem Vernehmen nach von Basel herkommend in Olten gestrandet ist, stellt die Stadt denn auch vor bislang unbekannte Probleme.

In Olten gibt es keinerlei rechtliche Handhabe, nicht sesshafte Person beziehungsweise Obdachlose wegzuweisen. Wey wurde von dritten auf diesen unhaltbaren Zustand hingewiesen, so etwas gehe doch nicht.

«Wir werden uns auch rechtlich an die neue Situation herantasten müssen», so der Stadtpräsident. Bislang sei die Stadt nie mit einer solchen Situation konfrontiert worden. Dazu kommt erschwerend noch der Umstand hinzu, dass sich der Mann häufig auf privatem Grund aufhält.

«Damit ist die Stadt gar nicht befugt, Sanktionen zu ergreifen», so Wey. Dies gilt etwa für den vom Obdachlosen häufig gewählten Aufenthaltsort rund um die Stadtkirche. Die Liegenschaft befindet sich im Besitz der christkatholischen Kirche.

Sonst hat der Mann der Stadt aber keinerlei Sorgen bereitet. Auch nicht was die Abfallentsorgung angeht. Wie Erich Leimgruber vom städtischen Werkhof erklärt, sei der Mann seines Wissens nie negativ aufgefallen, habe auch keine Unordnung hinterlassen. «Aber ich wurde schon mehrfach gefragt, ob man grundsätzlich dagegen nichts tun könne», so Leimgruber.

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