«Es war einfach crazy», beschreibt Natalia Kurth die Diplomübergabe und wirkt dabei immer noch etwas fassungslos. Die 25-jährige Oltnerin durfte am 11. Juli in Zürich die Auszeichnung für den besten KV-Abschluss der Business School Zürich entgegennehmen. Und das im Hallenstadion vor mehr als 4500 Zuschauern. Eigentlich war es aber keine so grosse Sache, meint Kurth: «Du gehst die Treppe rauf, zwei, drei Leute drücken dir etwas in die Hand, Fotos werden gemacht und schon bist du wieder runter von der Bühne.» Und doch habe sie vor Aufregung gezittert.

Denn die nun ausgezeichnete Kauffrau hat vor der Diplomfeier noch gar nicht gewusst, dass sie mit einer Note von 5,7 die beste Abschlussprüfung aller 1419 Absolventen geschrieben hatte. Rund 50 Kandidaten erhielten eine Auszeichnung für ihre guten Noten, aufgerufen wurden sie in aufsteigender Reihenfolge.

«Als ich am Schluss die Einzige war, die sie noch nicht aufgerufen haben, dachte ich, das muss ein Fehler sein», erinnert sich Kurth. Ausserdem fühle sie sich sowieso ein wenig wie ein «Bschisser», bemerkt sie lachend. Denn sie habe ganz andere Voraussetzungen gehabt als die anderen Absolventen. Sie hat nämlich einen etwas längeren Berufsweg hinter sich.

«Es ist diese oder keine»

Nach einer abgeschlossenen Matura im Jahr 2010 an der Kantonsschule Olten versuchte sich Kurth an einem Studium in Slawistik und Germanistik. Dies sei aber eher ein Spontanentscheid gewesen, weil das geplante Zwischenjahr nicht geklappt hätte. Deshalb wechselte sie auch immer wieder die Fächer und hatte kein richtiges Ziel vor Augen.

«Ich habe mich wieder und wieder gefragt, wieso ich das überhaupt mache», meint die Oltnerin. Denn eigentlich wollte sie sowieso schon immer in die Buchbranche wechseln. Dieser Wunsch sei so ausgeprägt gewesen, dass sie sich sogar einmal überlegte, die Matura abzubrechen, um Buchhändlerin zu werden. Per Zufall sei sie dann auf eine offene Lehrstelle bei der Diogenes Verlag AG in Zürich gestossen, bei der sie wusste: «Es ist diese oder keine!» Sie habe sich auch nur für diese Stelle beworben und ihr ganzes Karma in diese Bewerbung gelegt, erzählt sie und schmunzelt.

Vor drei Jahren durfte sie dann die Lehre als Verlagsbuchhändlerin — beziehungsweise als Kauffrau Kommunikation Buchverlag, wie der Beruf heute heisst — antreten. Durch die Ausbildung hat sie einen Einblick in die verschiedenen Abteilungen im Verlag erhalten.

Vertrieb, Lektorat, Herstellung, Werbung und Lizenzen brachten ihr während der dreijährigen Lehre die Arbeiten eines Verlages näher. Beim Diogenes Verlag bleibt sie jetzt auch nach ihrem erfolgreichen Abschluss. Dank ihren Glanzleistungen hat Kurth eine Stelle im Vertrieb angeboten bekommen, bei welcher sie künftig im Jobsharing Autorenlesungen organisieren wird. «Es ist meine absolute Traumstelle», schwärmt Kurth. Nach Zürich ziehen werde sie aber trotzdem nicht. «Ich bleibe Olten bestimmt noch lange erhalten», verrät sie fröhlich.

Bücher auch in der Freizeit

In den letzten Monaten hatte Kurth neben der Arbeit jedoch kaum Zeit ihren Hobbies in Olten nachzugehen. Die strenge Zeit sei jetzt aber mit der absolvierten Lehre vorbei und sie könne sich hoffentlich wieder vermehrt ihren Interessen widmen. In ihrer Freizeit ist die Oltnerin im Theaterverein «Dachschadengesellschaft» aktiv und war dort bis im Sommer auch im Vorstand. Ebenso wünsche sie sich, mehr Zeit für ehrenamtliche Arbeiten zu haben und sich vermehrt in der Buchbranche einbringen zu können. Denn Theater spielen und Bücher lesen zählen zu ihren grössten Leidenschaften. Welches ihr aktuelles Lieblingsbuch sei? «Das Genie» von Klaus Cäsar Zehrer. Das Buch wird am 23. August erscheinen — natürlich im Diogenes Verlag.