Olten/Luzern
Oltner Karl Frey ist auf gleicher Etage mit Wolfgang Joop und Rudi Carell

Der Oltner Karl Frey hat mit seiner Geschichte den Wettbewerb des Hotel Schweizerhof Luzern «Wo Luzern Geschichte(n) schreibt» gewonnen. Jetzt wird das Zimmer Nummer 12 im traditionsreichen Hotel dem einstigen Chef Wetterdienst 4. Division gewidmet.

Urs Huber
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Karl Frey überzeugte die Jury mit seiner authentischen Geschichte von 1943. Damit wird das Zimmer Nr. 12 (Bild rechts typähnlich) zum eigentlichen Karl-Frey-Zimmer im Hotel Schweizerhof Luzern.

Karl Frey überzeugte die Jury mit seiner authentischen Geschichte von 1943. Damit wird das Zimmer Nr. 12 (Bild rechts typähnlich) zum eigentlichen Karl-Frey-Zimmer im Hotel Schweizerhof Luzern.

zvg

«Der erste Rang bedeutet, dass Ihnen und Ihrer Geschichte eines der 101 Zimmer im Hotel Schweizerhof gewidmet wird.» Voilà. Das ist doch schon mal einmal eine Ehrenmeldung, die es in sich hat. Adressat der Botschaft: der Oltner Karl Frey, der auf den Wettbewerb des Hotels «Wo Luzern Geschichte(n) schreibt» reagiert – und diesen auch gewonnen hat.

Mit einer Geschichte, die sich 1943 zutrug und die Jury, bestehend aus den Musikern Seven und Philip Fankhauser (beiden ist auch ein Zimmer gewidmet) sowie dem Management des Hauses, begeistert und überzeugt hat, wie dem Gratulationsschreiben zu entnehmen ist.

Enkel: Stein des Anstosses

Karl Frey hatte just diese Geschichte vor zwei, drei Jahrzehnten seinem Enkel erzählt. Und wer Frey kennt, weiss: Es muss sich wohl um eine Wettergeschichte gehandelt haben. Genau. Und eben dieser Enkel hat sich denn auch an diese Geschichte erinnert, als er im Internet vom Wettbewerb des Hotels Schweizerhof erfuhr und seinem Grossvater, dem einstigen Chef Wetterdienst Division 4, davon erzählt.

Also setzte sich Frey an die Schreibmaschine, brachte seine Geschichte vom entdeckten Föhnfenster, welches den Rapport auf dem Stanserhorn ohne Regen garantierte, wie gefordert auf einer A4-Seite unter.

Heute sagt der 97-Jährige, es sei schon eine der grösseren Überraschungen für ihn, «dass ein phil II-er eine Art Literaturwettbewerb» gewinne. Er lächelt. Freys Geschichte wurde unter 60 Einsendungen im ersten Rang klassiert. Und nun vielleicht die zweite Ehrenmeldung: Er als Namensgeber darf vom 14. auf den 15. Mai als Erster in «seinem» Zimmer übernachten. «Ich habe mich mit der Hoteldirektion kurzgeschaltet und ausgemacht, dass ich eine Begleitung mitnehmen kann», sagt der ehemalige Bezirkslehrer.

«Sie verstehen, in meinem Alter», fügt er noch an und meint dann, dass sein Enkel dabei sein werde. Und natürlich will er auch weitere Familienmitglieder dabeihaben. «Das kann man ja bezahlen», meint der Preisträger beiläufig.

Requisiten mitgeliefert

Zum Zimmer Nummer 12, welches Frey als damaligem Chef Wetterdienst 4. Division und seinerzeit einquartiert im Schweizerhof gewidmet ist, werden auch Requisiten gehören, die in der zimmereigenen Vitrine ausgestellt werden und dort für einen authentisch-musealen Hauch sorgen. Föhnfotos habe er zur Verfügung gestellt, erklärt Frey und die persönlichen Wetteraufzeichnungen jenes besagten 22. Mai 1943.

Damals meldete er als Chef Wetterdienst der Division 4 aufgrund des ausgemachten Föhnfensters, dass zur fraglichen Rapportzeit kein Regen fallen werde. Noch heute lässt sich die damalige meteorologische Grundlage, auf der Freys Entscheid fusste, im Originaldokument nämlich nachschlagen.

Natürlich brennt noch heute die Frage auf den Lippen: Wieso soll bei einem Rapport kein Regen fallen dürfen? Frey schaut auf. «Ja, Sie müssen sich vorstellen: Zu jener Zeit fanden in dem Gebiet Manöver statt und vom Stanserhorn aus hatte man den besten Überblick aufs Gelände. Regenwolken hätten die Sicht verunmöglicht oder zumindest eingeschränkt.»

Nun befindet sich Frey mit seinem Zimmer Nummer 12 wiederum in bester Gesellschaft; diesmal sinds keine Divisionäre und Korpskommandanten wie 1943, sondern Schauspieler, Musiker, Künstler, Politiker. In unmittelbarere Nähe «seines» Zimmers ist jenes von Richard Wagner angesiedelt. Diejenigen von Lucio Dalla (Cantautore), Wolfgang Joop (Modemacher) und Keanu Reeves (Schauspieler) sind auch nicht allzu weit weg; allesamt Gäste des Schweizerhofs.

Im Rahmen der kontinuierlichen Sanierung aller Zimmer hatte das Management beschlossen, diese künftig mit Namen einstiger Besucher in Verbindung zu bringen. Prämisse: «Fühlen Sie sich einen Tag lang wie ...»

52 der total 101 Zimmer sind mittlerweile renoviert und mit Widmung versehen, wer im 53. nächtigt, kann sich einen Tag lang fühlen wie Karl Frey. Also dürfen sich der Deutsche Kaiser Wilhelm II und Ephraim Kishon (Literat) und alle andern mit dem Chef Wetterdienst in bester Gesellschaft wähnen? Frey lacht.

Die Geschichte: «Riskante Wetterprognose auf der Dachterrasse des Hotels Schweizerhof» (Gekürzt) Während des Zweiten Weltkrieges war der Stab der vierten Division der Schweizer Armee mehrmals im Hotel Schweizerhof in Luzern einquartiert. Als Leutnant und Chef des Wetterdienstes erteilte mir der Stabschef am Abend des 21. Mai 1943 folgenden Auftrag: «Herr Leutnant, wie Sie bereits wissen, findet morgen von neun bis elf Uhr auf dem Stanserhorn die Besprechung der soeben stattgefundenen Manöver des zweiten Armeekorps statt. Aufgeboten sind alle höheren Offiziere vom Hauptmann bis zu den drei Divisionskommandanten und dem Oberstkorpskommandanten Prisi als höchste leitende Instanz. Ich erwarte Sie morgen um 5.45 Uhr auf der Dachterrasse des Hotels zur Entgegennahme der Wetterprognose. Wir benötigen freie Sicht und können keinen Regen brauchen.»Ein grosser militärischer Anlass stand bevor, vergleichbar mit dem «Rütlirapport» von General Henri Guisan am 25. August 1940. Überrascht von diesem für einen Leutnant äusserst verantwortungsvollen Auftrag betrachtete ich jedoch besorgt den Himmel, an dem bereits einige Cirrus- und Altokumuluswolken aufzogen, Vorboten, die das Ende der bestehenden Schönwetterlage unmissverständlich ankündigten. Für eine Prognose ist dies eine der schwierigsten Wetterlagen.Abends begab ich mich frühzeitig auf mein wunderschönes Zimmer, welches mit den dicken Teppichen, den prächtigen Vorhängen und in bevorzugter Lage mit Blick auf den Pilatus einen für mich ungewohnten Luxus ausstrahlte. In den weichen Kissen des Schweizerhofbettes liegend, erinnerte ich mich an den Beginn des Aktivdienstes, als mir, dem Korporal, zuweilen ein hartes Strohlager genügen musste, und liess mich zufrieden hinübergleiten in einen erholsamen Schlaf.Am folgenden Morgen begab ich mich in aller Frühe zum Wetterbüro, wo ich dem Wetterüberblick entnehmen musste, dass es in der Westschweiz bereits regnete. Auf der Dachterrasse betrachtete ich nachdenklich die geschlossene Wolkendecke einer Warmfront, die noch auf einer Höhe von ca. 4000 m lag. Doch im Süden entdeckte ich eine kleine blaue Lücke in den Wolken, ein sogenanntes Föhnfenster, das mich optimistisch stimmte und mich dazu bewog, für das hohe militärische Treffen eine gute Wetterprognose zu stellen. Der inzwischen erschienene Stabschef wies mich an, meine Prognose umgehend dem Oberstdivisionär Iselin zu melden. Ich klopfte an dessen Zimmer und wurde aufgefordert einzutreten. Da bot sich mir in einem der schönsten Zimmer des Hotels Schweizerhof ein seltsames, fast filmreifes Bild, das einer gewissen Komik nicht entbehrte: Ich, in Uniform, meldete mich korrekt in Achtungsstellung, während mir gegenüber der eben dem Bett entstiegene Oberstdivisionär im Pyjama stand. Doch jetzt war der für das zweite Armeekorps wichtige Entscheid fällig ... Dazu meine riskante Prognose: «Herr Oberstdivisionär, eine atlantische Störung hat bereits den Westen des Landes erreicht. Bei uns bleibt es meist bedeckt, unter leichtem Föhneinfluss wird jedoch vor elf Uhr kein Regen fallen.» Die Reaktion des Divisionskommandanten kam, trotz nicht ganz dem militärischen Rang entsprechendem Tenue, schnell und klar: « Herr Leutnant, teilen Sie dem Stabschef sofort mit, dass die militärische Veranstaltung auf dem Stanserhorn wie vorgesehen stattfindet.»Während der Fahrt auf das Stanserhorn zeigte sich zu meiner grossen Erleichterung sogar kurz die Sonne. Der Rapport durch den höchsten Kommandanten begann pünktlich und konnte, bei langsam absinkender Wolkendecke und trockener Witterung, kurz vor elf Uhr beendet werden ... und damit fand auch meine enorme Anspannung ein Ende! Die Vorstellung, die Verantwortung zu tragen dafür, dass eine Manöverkritik auf höchster militärischer Ebene verregnet würde, hat mich zwar einige Schweisstropfen gekostet, mich aber höchst erfreut, dass mir der Föhn seine trockene Unterstützung gewährte. Erst während der Talfahrt, um 11.20 Uhr, fielen die ersten Regentropfen und ein Gewitter brachte auch hier das Ende der Schönwetterlage.Zum Mittagessen tranken wir in aufgeräumter Stimmung vom guten Wein im Schweizerhof. Erleichtert konnte auch ich anstossen auf die dank dem Föhn geglückte Wetterprognose. Der schwache, jedoch wirksame Südföhn, der den Beginn des Regens in der Region Luzern in der gewünschten Weise um einige Stunden verzögerte, und der Aufenthalt im einzigartigen Hotel Schweizerhof sind mir bis heute, nach 70 Jahren, in eindrücklicher und schöner Erinnerung geblieben.

Die Geschichte: «Riskante Wetterprognose auf der Dachterrasse des Hotels Schweizerhof» (Gekürzt) Während des Zweiten Weltkrieges war der Stab der vierten Division der Schweizer Armee mehrmals im Hotel Schweizerhof in Luzern einquartiert. Als Leutnant und Chef des Wetterdienstes erteilte mir der Stabschef am Abend des 21. Mai 1943 folgenden Auftrag: «Herr Leutnant, wie Sie bereits wissen, findet morgen von neun bis elf Uhr auf dem Stanserhorn die Besprechung der soeben stattgefundenen Manöver des zweiten Armeekorps statt. Aufgeboten sind alle höheren Offiziere vom Hauptmann bis zu den drei Divisionskommandanten und dem Oberstkorpskommandanten Prisi als höchste leitende Instanz. Ich erwarte Sie morgen um 5.45 Uhr auf der Dachterrasse des Hotels zur Entgegennahme der Wetterprognose. Wir benötigen freie Sicht und können keinen Regen brauchen.»Ein grosser militärischer Anlass stand bevor, vergleichbar mit dem «Rütlirapport» von General Henri Guisan am 25. August 1940. Überrascht von diesem für einen Leutnant äusserst verantwortungsvollen Auftrag betrachtete ich jedoch besorgt den Himmel, an dem bereits einige Cirrus- und Altokumuluswolken aufzogen, Vorboten, die das Ende der bestehenden Schönwetterlage unmissverständlich ankündigten. Für eine Prognose ist dies eine der schwierigsten Wetterlagen.Abends begab ich mich frühzeitig auf mein wunderschönes Zimmer, welches mit den dicken Teppichen, den prächtigen Vorhängen und in bevorzugter Lage mit Blick auf den Pilatus einen für mich ungewohnten Luxus ausstrahlte. In den weichen Kissen des Schweizerhofbettes liegend, erinnerte ich mich an den Beginn des Aktivdienstes, als mir, dem Korporal, zuweilen ein hartes Strohlager genügen musste, und liess mich zufrieden hinübergleiten in einen erholsamen Schlaf.Am folgenden Morgen begab ich mich in aller Frühe zum Wetterbüro, wo ich dem Wetterüberblick entnehmen musste, dass es in der Westschweiz bereits regnete. Auf der Dachterrasse betrachtete ich nachdenklich die geschlossene Wolkendecke einer Warmfront, die noch auf einer Höhe von ca. 4000 m lag. Doch im Süden entdeckte ich eine kleine blaue Lücke in den Wolken, ein sogenanntes Föhnfenster, das mich optimistisch stimmte und mich dazu bewog, für das hohe militärische Treffen eine gute Wetterprognose zu stellen. Der inzwischen erschienene Stabschef wies mich an, meine Prognose umgehend dem Oberstdivisionär Iselin zu melden. Ich klopfte an dessen Zimmer und wurde aufgefordert einzutreten. Da bot sich mir in einem der schönsten Zimmer des Hotels Schweizerhof ein seltsames, fast filmreifes Bild, das einer gewissen Komik nicht entbehrte: Ich, in Uniform, meldete mich korrekt in Achtungsstellung, während mir gegenüber der eben dem Bett entstiegene Oberstdivisionär im Pyjama stand. Doch jetzt war der für das zweite Armeekorps wichtige Entscheid fällig ... Dazu meine riskante Prognose: «Herr Oberstdivisionär, eine atlantische Störung hat bereits den Westen des Landes erreicht. Bei uns bleibt es meist bedeckt, unter leichtem Föhneinfluss wird jedoch vor elf Uhr kein Regen fallen.» Die Reaktion des Divisionskommandanten kam, trotz nicht ganz dem militärischen Rang entsprechendem Tenue, schnell und klar: « Herr Leutnant, teilen Sie dem Stabschef sofort mit, dass die militärische Veranstaltung auf dem Stanserhorn wie vorgesehen stattfindet.»Während der Fahrt auf das Stanserhorn zeigte sich zu meiner grossen Erleichterung sogar kurz die Sonne. Der Rapport durch den höchsten Kommandanten begann pünktlich und konnte, bei langsam absinkender Wolkendecke und trockener Witterung, kurz vor elf Uhr beendet werden ... und damit fand auch meine enorme Anspannung ein Ende! Die Vorstellung, die Verantwortung zu tragen dafür, dass eine Manöverkritik auf höchster militärischer Ebene verregnet würde, hat mich zwar einige Schweisstropfen gekostet, mich aber höchst erfreut, dass mir der Föhn seine trockene Unterstützung gewährte. Erst während der Talfahrt, um 11.20 Uhr, fielen die ersten Regentropfen und ein Gewitter brachte auch hier das Ende der Schönwetterlage.Zum Mittagessen tranken wir in aufgeräumter Stimmung vom guten Wein im Schweizerhof. Erleichtert konnte auch ich anstossen auf die dank dem Föhn geglückte Wetterprognose. Der schwache, jedoch wirksame Südföhn, der den Beginn des Regens in der Region Luzern in der gewünschten Weise um einige Stunden verzögerte, und der Aufenthalt im einzigartigen Hotel Schweizerhof sind mir bis heute, nach 70 Jahren, in eindrücklicher und schöner Erinnerung geblieben.

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