Olten
Oltner Kabarett-Tage feiern ihr 25-jähriges Bestehen

Vom 2. bis zum 13.Mai gehen die Oltner Kabarett-Tage zum 25. Mal über die Bühne. Peter Niklaus, Gründer und Ehrenpräsident der Kabarett-Tage, und Claude Schoch, heutiger Gesamtleiter des Festivals erinnern sich.

Jacqueline Lausch
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Peter Niklaus, Gründer und Ehrenpräsident der Oltner Kabarett-Tage (links), mit der Skulptur, die an Georg Kreisler ging, und Claude Schoch, Gesamtleiter des Festivals, mit dem Cornisch des Jahres 2012.

Peter Niklaus, Gründer und Ehrenpräsident der Oltner Kabarett-Tage (links), mit der Skulptur, die an Georg Kreisler ging, und Claude Schoch, Gesamtleiter des Festivals, mit dem Cornisch des Jahres 2012.

Hansruedi Aeschbacher

Peter Niklaus, wie kam es zur Gründung der Oltner Kabarett-Tage 1986?

Peter Niklaus: Als junger Lehrer habe ich von Hans Hohler das Präsidium der Kulturförderungskommission Olten übernommen. Ich wollte aber nicht bloss auf Gesuche von Künstlern warten, sondern auch etwas gestalten.

Warum gerade Kabarett?

Ich fand, dass Olten als kleine, aufmüpfige Stadt dafür geeignet sei.

Wer war bei der Gründung mit von der Partie?

Das waren unter anderen der damalige Stadtpräsident Hans Derendinger, Massimo Hauswirth als Leiter des Theaters am Zielemp, René Steiner, Leiter des Jugendzentrums Färbi, Madeleine Schüpfer, Kulturjournalistin, zu der Zeit auch Mitglied des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung, und Hans Hohler.

Wie ist es Ihnen gelungen, gleich beim ersten Festival 1986 so renommierte Kabarettistinnen und Kabarettisten nach Olten zu bringen?

Franz Hohler, Oltner und Sohn von Hans Hohler, war eine Art Türöffner. 1986 war bereits Elsie Attenhofer dabei, die 1988 mit dem 1. Schweizer Kabarett-Preis Cornichon ausgezeichnet wurde. An den 1. Oltner Kabarett-Tagen standen Künstler wie Joachim Rittmeyer, Hanns Dieter Hüsch, Fredy Lienhard, Sibylle und Michael Birkenmeier oder das Cabaret Rotstift auf der Bühne.

Das 1. Plakat des Satirefestivals 1986, gestaltet von John Millns

Das 1. Plakat des Satirefestivals 1986, gestaltet von John Millns

Wie hat sich das Festival in den Anfängen entwickelt?

Die Zuschauerzahlen sind rasch gewachsen. Erst sassen nur Grüppchen von 30 bis 40 Personen in den Reihen. Bald mal kamen über 100 Zuschauer und wir mussten von den Kleintheatern vermehrt ins Stadttheater ausweichen. Als Dieter Hildebrandt 2002 in Olten auftrat, hat er sogar in der Stadthalle gespielt, vor 1700 Leuten.

Gab es skurrile Begebenheiten?

Es gibt natürlich auch unter den Kabarettisten Diven. Ob das nun Männer oder Frauen sind. Georg Kreisler zum Beispiel, der König des Musikkabaretts, war stinksauer, dass er bei der Ankunft vom Bühnenmeister und nicht vom Präsidenten begrüsst wurde. Jedenfalls hat er den Cornichon-Preis später retourniert, deshalb steht er noch heute in der Geschäftsstelle der Oltner Kabarett-Tage.

Was unterscheidet die Oltner Kabarett-Tage von anderen Festivals?

Die gezielte Förderung junger Kabarettistinnen und Kabarettisten. Schon im ersten Programmheft haben wir die Absicht deklariert, dass wir den Nachwuchs fördern wollen. So haben beispielsweise Joachim Rittmeyer und Franz Hohler Workshops für Nachwuchskabarettistinnen und -kabarettisten in der Färbi durchgeführt.

Claude Schoch, erstmals haben die Oltner Kabarett-Tage 2012 ein Kabarett-Casting lanciert. Drei Vorausscheidungen sind bereits über die Bühne gegangen. Bewährt sich die Idee?

Claude Schoch: Bis jetzt ist das Konzept aufgegangen: Wir haben ein Team gefunden, welches das Casting auf die Beine stellt. Wir hatten über 30 Bewerbungen, wovon wir 12 auswählen konnten. Die schönste Überraschung war jedoch das Publikum. Die Casting-Abende und der Finalabend waren innert Kürze ausverkauft.

Ab 2012 ist der Schweizer Kabarett-Preis Cornichon kein Unikat mit jährlich wechselndem Erscheinungsbild mehr, sondern eine optisch gleich bleibende Skulptur. Welche Idee steckt dahinter?

Wir wollten versuchen, dem Preis ein Gesicht zu geben, sodass die visuelle Symbolik immer gleich ist. Die neue Skulptur, gestaltet vom Oltner Künstler Werner Nydegger, ist unzweifelhaft ein Cornichon. Das Doppelgesicht ist witzig und nachdenklich zugleich. Der neue Cornisch – so nennt Werner Nydegger seine Kreation – wird ganz sicher nicht so schnell in den Schubladen der Preisträger verschwinden.

Die Oltner Kabarett-Tage kennen die Mitgliederbevorzugung. So kommt es vor, dass bei Beginn des öffentlichen Vorverkaufs bestimmte Abende bereits ausverkauft sind. Das verärgert Interessierte.

Ich verstehe die Verärgerung. Doch es gibt ein grosses Aber: Die Mitglieder tragen jedes Jahr das Festival-Defizit. Das beträgt zwischen 15000 und 40000 Franken. Nur dank diesem Verein und diesen Mitgliedern können wir das Festival auf die Beine stellen. Die Gegenleistung dafür ist, dass die Mitglieder bereits vor dem Start des öffentlichen Vorverkaufs Tickets bestellen können.

Was ist Ihre Vision im Hinblick auf die kommenden Festivals?

Die Vision ist klar: Wenn man von Kabarett in der Schweiz spricht, soll man an die Stadt Olten denken. Und wenn man in Olten über Kultur spricht, möchten wir, dass man an Kabarett denkt. Ausserdem wollen wir etwas Bleibendes schaffen. Aus dem Gedanken, eine Art Walk of Fame des Kabaretts zu schaffen, ist die Idee des Quai Cornichon entstanden. Dabei denken wir an den neuen Aarequai. Dort möchten wir 50 der rund 300 Meter nutzen und Metallplatten mit den Umrissen der Künstlerinnen und Künstler, gestaltet von Werner Nydegger, platzieren.

Claude Schoch, was macht Ihnen Spass am Engagement für die Kabarett-Tage?

Mir macht Kabarett Spass, weil es satirisch und kritisch ist und über die Obrigkeit schnödet. Ausserdem gefällt mir, dass die Kabarett-Tage in Olten ein solch positiver Begriff sind. Für jede Idee, die wir aufnehmen, gibt es auf der anderen Seite Personen, die uns zuhören. Man stösst überall auf offene Türen.