Wahlen
Oltner Jungparteien: Sie sind sich einiger als ältere Kandidaten

Ein Podium mit Jungparteien und eines mit «Etablierten» finden nacheinander am gleichen Abend im Kulturlokal «Coq d'Or» statt. Vier junge Kandidaten vertraten CVP, SP, Grüne und FDP. In mehreren kritischen Fragen waren sie sich überraschend einig.

Christian von Arx
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Podiumsrunde «Jungparteien» (v.l.): Luisa Jakob (Junge SP), Mattias Ruchti (Junge Grüne), Moderator Lucien Rahm, Jonas Hufschmid (Junge CVP), Inan Kadioglu (Jungfreisinnige).

Podiumsrunde «Jungparteien» (v.l.): Luisa Jakob (Junge SP), Mattias Ruchti (Junge Grüne), Moderator Lucien Rahm, Jonas Hufschmid (Junge CVP), Inan Kadioglu (Jungfreisinnige).

Remo Fröhlicher

Warum machen sie das bloss? 18 Frauen und 36 Männer zwischen 18 und 33 Jahren kandidieren auf Listen von Solothurner Jungparteien für den Nationalrat. «Wie schätzt ihr eure Chancen ein?», fragte Moderator Lucien Rahm vier Jung-Kandidaten aus der Region im Oltner Kulturlokal Coq d’Or unverblümt.

«Eine Wahl ist utopisch», seufzte Jonas Hufschmid (Hägendorf), «aber man kann etwas lernen für spätere Wahlen. Und», so der Co-Präsident der JCVP zum Zweck der jungen Listen, «es kommt auf jede Stimme an, wir können so der CVP helfen.»

Auch der Jungfreisinnige Inan Kadioglu (Olten) macht sich keine Illusionen: «Ich bin schon froh, wenn die Jungen insgesamt viele Stimmen machen und nicht nur die Grauköpfe.» «... und ich bin froh, wenn sich die Jungen begeistern lassen», fügte Mattias Ruchti (Olten) von den Jungen Grünen bei.

Einzig Luisa Jakob (Junge SP, Olten) hielt tapfer am Anspruch fest, dass tatsächlich Junge gewählt werden sollten: «Es ist einfach so, dass die Jungen nicht ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend in Bern vertreten sind.»

Überraschend einig

Aber: Würden Junge, wenn gewählt, sich politisch anders entscheiden als ihre Parteikollegen aus der Elterngeneration? Bei einigen Sachfragen durchaus: Jedenfalls waren sich die vier Podiumsteilnehmer bei gewissen Themen deutlich näher als ihre Mutterparteien.

Vor allem der Jungfreisinnige Inan Kadioglu (22) riss mit radikalliberalen Voten die Fronten auf. So befürworteten alle eine Wehrpflicht für Frauen, wenn die Art der Dienstleistung gewählt werden könne; Kadioglu ging noch weiter: «Ich bin für eine freiwillige Armee und gegen Vorschriften für die Einzelnen.»

Die Cannabis-Legalisierung war für alle akzeptabel, wieder zeigte sich der Jungfreisinnige am radikalsten: «Ich bin dafür, alles zu liberalisieren.»

Einig waren sich die vier Jungpolitiker in der Ablehnung eines Kopftuchverbots: «Völliger Gugus», sagte der Grüne Mattias Ruchti, und Luisa Jakob fand als einzige Frau am Podium eine derartige Kleidervorschrift «antiliberal».

Alle zeigten sich gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen (Jakob: «Reden wir besser von vertriebenen Menschen») eher grosszügig, wobei Kadioglu sich auch in dieser Frage auf den Markt und auf die Freiheit, sich international zu verschieben, berief.

In anderen Fragen zeigten sich dann die klassischen Links-Rechts-Gegensätze, so bei den Frauenquoten oder zu Abstrichen bei Sozialausgaben.

Zur Energiezukunft gab Hufschmid, wie die CVP auf nationaler Ebene, den Ausschlag zugunsten des Atomausstiegs: «Wir können die Energiewende jetzt vollziehen, das kommt gut.»

Die vier jungen Nationalratskandidaten äusserten sich leichtfüssig zu vielen Themen. Eine Vertretung der Jungen SVP hätte vielleicht noch etwas Salz in die Runde gestreut; diese Jungpartei war nicht eingeladen worden, weil sie keine Kandidaten aus der Region Olten hat.

SVP zu Bilateralen in der Defensive

Was war der grösste Unterschied zwischen der Jungpolitiker-Runde und der anschliessenden Diskussion mit sechs amtierenden Kantonsräten von CVP, FDP, Grünen, Grünliberalen, SP und SVP? Vielleicht, dass sich die «Etablierten» gegenseitig eher härter auf die Füsse traten, was wohl damit zu tun hatte, dass nun auch die SVP mit von der Partei war.

Podiumsrunde «Mutterparteien» (v.l.): Peter Schafer (SP), Christian Werner (SVP), Nicole Hirt (GLP), Moderator Lucien Rahm, Peter Hodel (FDP), Bernadette Rickenbacher (CVP), Felix Wettstein (Grüne).

Podiumsrunde «Mutterparteien» (v.l.): Peter Schafer (SP), Christian Werner (SVP), Nicole Hirt (GLP), Moderator Lucien Rahm, Peter Hodel (FDP), Bernadette Rickenbacher (CVP), Felix Wettstein (Grüne).

Remo Fröhlicher

So nahm Christian Werner in Anspruch, die SVP sei immer für die bilateralen Verträge gewesen, so auch heute; doch der Freisinnige Peter Hodel hielt ihm sec entgegen: «Wer für Kontingente ist, ist gegen die bilateralen Verträge.»

Peter Schafer (SP) und Bernadette Rickenbacher (CVP) bekannten sich dazu, dass die Schweiz die Zuwanderer aus dem Ausland brauche («zum Beispiel in der Zugreinigung oder in der Pflege»). Felix Wettstein (Grüne) zog daraus den Schluss: «Die Schweiz hat sich mit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative ein Ei gelegt; wir haben einen Fehler gemacht, den es zu korrigieren gilt.»

Christian Werner musste sich wehren: «Nein, das Volk ist nicht dumm. Es wird ein zweites Mal noch deutlicher Ja sagen zu einer Begrenzung.»

Allen Unkenrufen zum Trotz: Das politische Interesse ist auch in Olten nicht ausgestorben. Die etwa 70 meist jungen Zuhörer verfolgten die zwei Diskussionsrunden im «Coq d’Or» fast drei Stunden lang diszipliniert und interessiert – auch dank dem vifen Moderator Lucien Rahm.

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