Von Cran Canaria nach St. Lucia in der Karibik, quer über den Atlantik. 2700 Seemeilen, also gut 5000 Kilometer hat Stefan Saner auf seiner ersten Ozeanüberquerung zurückgelegt.

Zusammen mit einer siebenköpfigen internationalen Crew war er gut 20 Tage auf den Spuren von Kolumbus und Co. unterwegs. Ihre Segelyacht, die 15 Meter lange «Hanse Sailor», war eines von über 200 Booten von unterschiedlichem Typ und unterschiedlicher Grösse, welche an der «Atlantic Rally for Cruisers» teilgenommen haben.

Nach der Überfahrt von Gibraltar nach Las Palmas war zuerst einmal ein Briefing vonnöten. Denn die sieben Herren an Bord waren, bis auf den Skip, allesamt Ozeanüberquerungsneulinge. Zusätzlich hatten die Crewmitglieder ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergrund und stammten aus England, Schottland, Schweden, Norwegen, Australien, Neuseeland und der Schweiz.

Da war eine vorgängige Koordination unerlässlich. Vor allem was die Ausrüstung anbelangt. «Schliesslich kann man unterwegs nicht einfach so anhalten und einkaufen», schmunzelt Saner.

Die ersten Tage auf hoher See waren denn auch kein Zuckerschlecken für Saner. War er doch zwei Tage lang seekrank. «Das ist fast normal, bei uns auf dem Boot hatte gut die Hälfte mit Übelkeit zu kämpfen, aber nach einer gewissen Zeit pendelt sich das ein», erklärt der Oltner.

Die ersten Tage seien zudem dazu da, sich eine gewisse Segelroutine zu erarbeiten. Dazu haben sich die Segler in Zweierteams organisiert, die sich jeweils Schichten von drei Stunden teilten. Und wer keine Schicht hat? «Der schläft, putzt, kocht, isst, wäscht ab oder flickt kaputtes Material», gibt Stefan Saner Auskunft. Es sei schon sehr speziell, über eine so lange Zeit auf einem Boot zu sein, ohne die Möglichkeit irgendwo anders hinzu gehen.

«Dies war sicherlich eine interessante Erfahrung und eine nicht zu unterschätzende mentale Herausforderung.» Wenn dann noch mitten im Atlantik ein medizinischer Notfall dazukomme, werde einem endgültig bewusst, wie weit draussen und alleine man sei, sagt Saner. Denn die Küstenwache kommt mit dem Helikopter nur gerade 200, mit dem Schiff 300 Seemeilen auf den Atlantik hinaus. Wer weiter draussen ist, ist auf die Hilfe von anderen Booten angewiesen. Die Crew der «Hanse Sailor» hatte denn auch Glück im Unglück.

Dem medizinischen Notfall, einer tiefen Fingerwunde, konnte mit Zahnstochern und Verbandsmaterial entgegengetreten werden. Weniger Glück hatten andere: Eine Crew musste, da langsam aber stetig Wasser ins Boot lief, ihr Schiff mitten auf dem Ozean verlassen und auf einen Frachter umsteigen, was nicht ganz einfach ist. Denn:«Je nachdem, wo man sich befindet, vergehen Tage, bevor man gerettet wird. Wir haben während des ganzen Rennens einen Frachter nur am Horizont gesehen, und andere Teilnehmer sahen wir nur ganz selten.»

Dies lag aber wahrscheinlich daran, dass die Crew erst 30 Stunden zu spät starten konnte. Der Segelbaum war bei der Überfahrt von Gibraltar nach Las Palmas gebrochen und der Ersatz verspätete sich. So musste, wollten die Segler den Rückstand in Grenzen halten, wohl oder übel improvisiert und der Baum repariert werden. Auch sonst blieb die Überfahrt nicht ohne Zwischenfälle.

«In der ersten Nacht haute es die Seilwinde raus und war danach nur limitiert funktionsfähig», erzählt Saner. Auch sonst passierten die unangenehmen Zwischenfälle meist in der Nacht. Die zwei bis vier Meter hohen Wellen während eines nächtlichen Squalls (lokales Unwetter mit sturmartigen Böen, Regen und hohem Wellengang.

Anm. der Red.) seien zum Beispiel alles andere als angenehm gewesen. Weit weniger gefährlich als vielmehr amüsant dafür die Fliegenfische, die die Angewohnheit hatten, des Nachts auf das Boot zu springen. Oder auch mal auf einen schlafenden Segler. Und gleich zwei mal ist der Gennaker (Vorsegel Anm. der Red.) gerissen. Die Reparatur dauerte ganze zwei Tage, ehe das Segel wieder auf Vordermann gebracht werden konnte.

Trotz aller Widrigkeiten und der Unerfahrenheit der Crew sei die Stimmung an Board stets gut gewesen. Weshalb Stefan Saner denn auch ins Auge fasst, eine weitere längere Segelfahrt zu unternehmen: «Am liebsten auf einem Rennboot, weil dort das ständige Wechseln der Segel eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Oder aber auf einer schwierigeren Route, wie etwa die Nordwestpassage.» Die Erfahrung sei sehr intensiv gewesen, so Saner.

«In der Nacht als wir in St. Lucia angekommen sind ,hat sich alles noch etwas klein und eng angefühlt im Hafen», beschreibt Saner seinen ersten Eindruck nach drei Wochen auf dem Meer. «Der Reiz des Abenteuers war der Hauptantrieb, warum ich die Überfahrt mitgemacht habe. Auch die totale Abgeschiedenheit hat mich fasziniert und dass man über drei Wochen mit Leuten zusammen ist, die man vorher nicht gekannt hat. Und dies auf einem Boot von 15 Meter Länge.» Hinzu kommt ein angenehmer Nebeneffekt: der Erwerb des Hochseesegelscheins. Damit ist Saner für allfällige weitere Segelreisen auf den Ozeanen der Welt gerüstet.