«theatrum Alpinum» benennt Daniel Schwartz die neuen Fotografien von Schweizer Gletschern und zeigt mit dieser fotografischen Reise die Magie und den Zustand, die aktuellen Geschehen und eben die schicksalhaften Dimensionen unserer heimischen Gletscherwelt als Zustandsbeschreibung wie Barometer unseres Klimas und Klimawandels.

Gletscher, das offenbart sich in diesen stillen, beinahe historisch anmutenden Bildern, sind dynamisch geprägte Orte. Es sind Reservoirs der Erdgeschichte, deren Ressourcen, die nun, bedingt durch den Klimawandel, dem Wegtauen der schützenden Eisschichten, vieles aus der Vergangenheit preisgeben. Die im Kunstraum Medici derzeit vorgestellte Auswahl ist 2014 im Rahmen eines Buch- und Ausstellungsprojektes in Zusammenarbeit mit Instituten der ETH Zürich und der Universität Bern entstanden. Sie vereint Naturwissenschaft und Kunst. Dabei zeigen sich die Nähe und das Gemeinsame beider Sparten, auch wenn der international renommierte Fotograf Daniel Schwartz keine fotografische Geschichte erzählt, sondern seiner künstlerischen Haltung entsprechend unaufgeregt in der Dramaturgie der Bildmomente dieses Gletschergeschehen wie aus einem Album dokumentiert.

Unspektakulär in der Zeitlosigkeit, ja ungeschönt, dabei effektvoll im Schwarz-Weiss konfrontiert der 1955 geborene Daniel Schwartz die Betrachter nicht einfach mit der Dramatik des Klimawandels und dem Einfluss auf die Gletscherwelten. Er geht mit seiner Art der Sichtweise mehr wie ein Archivar vor: Seltsam zeitentrückt und konkret zugleich in der raffinierten Naturinszenierung. Die Bildaufsicht von oben scheint mit einem differenzierten Blick über kunstvoll gewählte Ausschnitte, Ansichten und Blickwinkel zu kreisen. Im prägnanten Kontrast von Licht und Schatten, eingebettet in subtile Grautöne, wirkt die Spannung um das dramatische klimatische Geschehen, die tiefgreifenden Veränderungen in den Gebirgslandschaften von einer spannungsvollen wie ungeschönten Ästhetik. Denn die Gletscherwelt hat vielerlei Gesichter und Geschichten: Die karstigen, vom Gletschereis freigelegten Gesteine, die Risse und Spuren der Erosion, die steinernen Falten, Kerben und Aufwürfe, die Wanderbewegungen der Gletscher als Zeichen der Zeiten und Zustände, spröde Felsoberflächen, die wie Häute von Urelefanten anmuten. Da sind Schnee- und Eisdecken, oftmals dünner werdend, sich zurückziehend, die Risse und Spalten im Schnee. Da sind Erosionsspuren, die schon malerisch wirkenden, jahrtausendealten klimatischen Bewegungen der geologischen Formationen im markanten wie auch feingezeichneten Schwarzweiss, die riesigen Tücher, mit denen versucht wird, die Gletscher abzudecken, das Eis zu schützen und die so eine gewisse assoziative Bühnendramatik erzeugen.

Bis 22. August. Geöffnet: Do und Fr 14–18 Uhr. Samstag 14–17 Uhr.